Sonntag, 06. September 2020, 19:44 Uhr

Warum wir als Gesellschaft eine Vision brauchen. Oder warum wir lieber auf etwas zu als von etwas weg arbeiten.

Die Botschaft der Klimabewegung, der Forschung und der Wissenschaft und die Message, für die zuerst Greta Thunberg und später Tausende auf der ganzen Welt die Schule bestreikten, ist inzwischen den meisten Menschen klar. Wo aber wollen wir hin?

Ob die persönlichen Befindlichkeiten dazu passen oder wissenschaftliche Fakten von einigen als Meinungsmache diffamiert werden, ist egal, denn Folgendes sind Fakten: Wenn wir in bestimmten Bereichen weiter so handeln, wie wir das tun, weiterhin Millionen Tonnen CO2 ausstoßen, fossile Energieträger verbrennen und natürliche Kohlenstoffsenken wie den Regenwelt dem Erdboden gleich machen, haben wir nur noch einige Jahre Zeit, so zu leben.

Jetzt gibt es zwei Probleme mit Drohungen, das eine ist oben angesprochen, das zweite ist jedoch noch viel wichtiger in Bezug darauf, wie wir als Weltgemeinschaft zur Zeit (nicht) handeln:
Entweder kann eine Drohung geleugnet werden und ignoriert, wir handeln einfach weiterhin so wie bisher. Das löst weder das Problem noch führt es zum Abwenden der Drohung, aber es ist allemal gemütlich.

Die Drohung bleibt

Oder wir nehmen die Drohung ernst. Wir bekommen ein schlechtes Gewissen beim Autofahren und schimpfen über die Nachbarschaft, die nicht einmal darüber nachdenkt. Uns wird klar, dass wir eigentlich alles umstellen müssten, wir nie mehr in den Urlaub fahren dürften und auch das Stück Fleisch auf dem Mittagstisch ein no go sein müsste.

Hier gibt es nun wieder zwei Möglichkeiten, die erste bedeutet, wir engagieren uns, die Welt und uns zu ändern, doch das tun leider viel zu wenige. Die zweite Möglichkeit besteht darin, zu kapitulieren, denn die Nachbarschaft tut noch weniger, gar nicht mehr Auto fahren geht nicht und die Industrie trägt viel mehr zum Klimawandel bei. Alles, was nötig wäre, können wir eh nicht erreichen und so tun wir lieber nichts, denn wir können dieser Angst vor der Drohung nicht sinnvoll begegnen.

Wo bleibt die Vision?

Wir tun uns als Menschen schwer, von etwas weg zu arbeiten, also die Krise abzuwenden.

Und deswegen ist es so wichtig, eine Vision zu haben. Ein Bild zu schaffen, gemeinsam mit anderen und mit Expert*innen, wie unsere Welt funktionieren könnte. Nicht ohne Strom und fließend Wasser, nicht ohne Urlaub und Kiwis, sondern so, dass wir nachhaltig leben und zugleich glücklich werden. Eine Vision, die die notwendigen Veränderungen als Gewinn und nicht Verlust aufzeigt und auf die es sich lohnt, hinzuarbeiten.

Denn Hoffnung besiegt Angst.

Wanderimpression aus Frankreich. Foto: Franzi Grotz