Montag, 26. April 2021, 13:21 Uhr
von Uwe

Scientists for Future: Emissionsfrei bis 2035 – was dafür getan werden muss!

Eckpfeiler für die Energiewende: Die Scientists for Future (SfF) haben „16 Orientierungspunkte“ für eine Versorgung vorgelegt, die das Einhalten der 1,5-Grad-Grenze möglich machen. Wir haben für Euch reingeschaut.

Scientists for Future: Klimaverträgliche Energieversorgung für Deutschland – 16 Orientierungspunkte

29 Wissenschaftler*innen haben an der Studie mitgewirkt. Ihre generelle Schlussfolgerung fällt positiv aus: „Das Energiesystem Deutschlands kann bis 2035 nahezu CO2-emissionsfrei werden“, heißt es in der Pressemitteilung zur Studie. Das würde nach Ansicht der SfF ausreichen, um einen „fairen Beitrag“ zur Einhaltung der 1,5-Grad-Grenze zu liefern.

Aber was ist dafür nötig? Grob gesagt: massive Investitionen und ein großes Aufräumen bei den rechtlichen und strukturellen Rahmenbedingungen, die aktuell den Ausbau der Erneuerbaren bremsen. Als Beispiel nennen die SfF die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK): Aktuell hätten die mit fossilen Brennstoffen betriebenen Anlagen einen Vorteil bei den Subventionen.

Wir ergänzen ein besonders krasses Beispiel: Bei der Windenergie sorgen laut der Mängelliste von Spiegel Online Abstandsregelungen und ausufernde Bürokratie dafür, dass es eher zurück als voran geht. Bis 2030 sollen in diesem Bereich 71 Gigawatt (GW) Leistung geliefert werden. Selbst das Bundesumweltministerium hält aber bis zu 95 GW für nötig.

Ausbauziele und Arbeitsplätze

Zur Einhaltung der 1,5-Grad-Grenze sind der schnelle Ausbau von Photovoltaik und Windkraft für die SfF entscheidend. Bei einem Ausbau auf 350 GW Photovoltaik und 150 GW Windkraft könnte der Strombedarf bereits 2030 „nahezu vollständig regenerativ gedeckt werden“, heißt es in der Studie. Dazu bräuchte es nicht einmal bahnbrechende Innovationen, nur einen Ausbau verfügbarer Techniken. Beispiele aus der Studie: „Stromaustausch mit Nachbarländern, Flexibilisierung des Verbrauchs und Energiespeicherung“.

Die Studie zeigt außerdem, dass der Ausbau der Erneuerbaren auch ökonomisch sinnvoll ist. Prof. Dr. Urban Weber von der TH Bingen, hat das Potential geschätzt: „Durch den bis 2030 notwendigen Zubau an Erzeugungskapazitäten um ca. 300 GW Photovoltaik und ca. 85 GW On- und Offshore-Windkraft kann mit einer Zunahme um mindestens 250.000 Arbeitsplätze allein für Aufbau, Betrieb und Wartung gerechnet werden.“

Weitere Themen der Studie sind Energieimporte, Biomasse, Einsparmöglichkeiten, grüner Wasserstoff sowie neue Wege in den Bereichen Mobilität und Wärmeversorgung. Das Fazit der SfF: Der schnelle Umbau ist möglich, wenn er nicht allein als technische, sondern als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden wird.

Scientists for Future: Klimaverträgliche Energieversorgung für Deutschland – 16 Orientierungspunkte