Dienstag, 09. Februar 2021, 12:19 Uhr
von Uwe

Regionalflughäfen: Schluss mit den Subventionen!

„Regionalflughafen.“ Schon das Wort macht deutlich: Hier stimmt was nicht. Region, das heißt Nähe. Flughäfen öffnen aber ein Tor zur Welt. Ein Tor, das leider auch klimaschädliche Emissionen in Hülle und Fülle durchlässt.
Ein Hin- und Rückflug Friedrichshafen – Antalya verbraucht 351 Kilogramm CO2. (Quelle: International Civil Aviation Organization (ICAO)

Insofern sehen wir die Insolvenz des Bodensee-Airport Friedrichshafen mit äußerst gemischten Gefühlen. 120 Mitarbeitende bangen um ihre Arbeitsplätze. Laut SWR hat der Flughafen 30 Millionen Euro Schulden. Trotzdem wird er von der Stadt Friedrichshafen weiter unterstützt. „Der Flughafen Friedrichshafen sei unverzichtbar“, zitiert der SWR die Stadtverwaltung.

Wir würden gerne wissen: Was genau macht den insolventen Flughafen unverzichtbar? Drehen wir doch Mal eine Runde über der Website. Der erste Teaser entführt uns direkt auf die kanarischen Inseln und lockt mit einem Preis, der etwa die Hälfte einer Bahnfahrt von Freiburg nach Berlin ausmacht: „jetzt ab 77,99 Euro pro Strecke buchen“.

Ist das unverzichtbar? Oder einfach nur klimaschädlich?

Wir wollen gar nicht polemisch werden, aber schon mit einer einzigen Flugreise ruiniert sich der Mensch seine jährliche CO2-Bilanz (siehe Screenshot). Wenn wir in der Klimakrise keine desaströse Bruchlandung erleben wollen, müssen Billigflieger am Boden bleiben.

Einwand Nummer eins gegen dieses simple Argument: Die Regionalflughäfen seien wichtige Tore in die Welt. Doch das stimmt fast nirgends. Denn einen echten verkehrspolitischen Nutzen haben nur drei von 14 regionalen Airports. Das ergab eine 2020 durchgeführte Studie des BUND und des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft.

Bewertet wurden in der Studie Wirtschaftlichkeit, Verkehrsentwicklung und der Beitrag der Flughäfen zur Konnektivität – also zur Anbindung der jeweiligen Region an den internationalen Flugverkehr. Zudem wurde die jährliche Klimalast der Flughäfen ermittelt. Sie liegt bei 4,2 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten. Zur Erinnerung: Die Bundesregierung will bis 2030 den Kohlendioxid-Ausstoss auf 563 Millionen Tonnen senken (2020 722 Mio. Tonnen).

Unter den Regionalflughäfen schafften im Rahmen der Studie nur die Flughäfen Memmingen und Bremen in zwei der drei Kategorien eine positive Bewertung. Karlsruhe/Baden-Baden und Friedrichshafen konnten nur in einem Punkt überzeugen. Sieben Flughäfen versagten in allen drei Kriterien und damit auf ganzer Linie.

Mit 40 Millionen Euro wurden die Regionalflughäfen 2018 von der öffentlichen Hand subventioniert. Darum kritisierte Olaf Bandt, BUND-Vorsitzender, Betreibergesellschaften und Politik in deutlichen Worten: „Mit den Regionalflughäfen wird mit unseren Steuergeldern aktiv zum Klimawandel ... beigetragen. Das ist nicht hinnehmbar.“

Die Nutzungszahlen stehen laut Bandt in keinem Verhältnis zu Klimaschäden und den Subventionen: „Nur drei von 14 Regionalflughäfen haben einen verkehrspolitischen Nutzen durch die Anbindung ihrer Region an den internationalen Flugverkehr. Beim Rest handelt es sich fast ausnahmslos um Urlaubsflüge." Die Studienautoren forderten daher die sofortige Schließung von 7 der 14 Standorte: Erfurt-Weimar, Frankfurt-Hahn, Kassel-Calden, Niederrhein-Weeze, Paderborn/Lippstadt, Rostock-Laage und Saarbrücken.

Die komplette Studie gibt es hier zum Download.

Für alle Regio-Flughäfen hat die Corona-Pandemie aktuell dramatische Folgen. Vom EuroAirport Basel Mulhouse Freiburg flogen 2020 nur noch 2,6 Millionen Passagiere ab, 2019 waren es noch 9,1 Millionen. Um wirksam gegen die Klimakrise vorzugehen, reicht aber nicht einmal das.

Wir fordern daher ein Ende der Landessubventionen für Regionalflughäfen und ein Ende des innerdeutschen Flugverkehrs. Es geht uns dabei nicht darum, dass Fliegen wieder Luxus wird. Sondern um das Gemeinwohl, dem durch den klimaschädlichen Flugverkehr schwerer Schaden zugefügt wird.

Können die Arbeitsplätze erhalten werden?

Uns ist bewusst, dass ein Rückgang oder ein Ende des regionalen und innerdeutschen Flugverkehrs zum Verlust von Arbeitsplätzen führen können. Darum fügen wir hier noch einen Lösungsansatz an. Die britische Public and Commercial Services Union (pcs) und die österreichische Initiative „STAY GROUNDED“ haben in einem aktuellen Diskussionspapier Vorschläge zur Lösung der Jobproblematik gemacht. Sie schlagen unter anderem vor, Angestellte bei der Bahn unterzubringen, sie durch Weiterbildungen für andere Berufe zu qualifizieren und Flughäfen in Krankenhäuser umzubauen.