Donnerstag, 06. Mai 2021, 14:24 Uhr
von Uwe

Mitglieder im Porträt: Magnus Rembold, Ludwigsburg (von J. Frankenreiter)

Was bewegt Menschen, sich bei der KlimalisteBW zu engagieren? Das hat sich der Journalistik-Student Jonas Frankenreiter gefragt. Sein Porträt unseres Mitglieds Magnus Rembold aus Ludwigsburg dürfen wir hier veröffentlichen. Vielen Dank!

Eine Fahrt durch 80 Kilometer Ödnis. Eine durch und durch verdorrte Landschaft. Das sind Eindrücke aus dem Dürre-Sommer 2018, an die sich Magnus Rembold erinnert. „Es ist drei Sekunden vor zwölf! Wir haben jetzt noch die Möglichkeit, ganz knapp an einer Karambolage vorbeizukommen“, resümiert er eindrücklich.

Er klingt dabei nicht wie ein Berufspolitiker; nichtsdestotrotz scheint er es gewohnt zu sein, vor Leuten zu sprechen und seine Standpunkte überzeugend vorzubringen. Bei der Landtagswahl hat er für die Klimaliste Baden-Württemberg in den Wahlkreisen Vaihingen und Ludwigsburg kandidiert. Als Teil der Klimaliste streitet er in Sachen Ökologie für eine konsequente Alternative zu den etablierten Parteien und deshalb an erster Stelle für die Einhaltung des gesetzten Ziels, das 2018 durch Greta Thunberg und die Fridays-for-Future-Bewegung ins Rampenlicht gerückt ist: die Erwärmung des Planeten auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Sein Onkel war einmal Oberbürgermeister für die CDU, mit ihm habe er in seiner Jugend schon über politische Themen gestritten, sagt Magnus. In den 80er und 90er Jahren waren das Umweltverschmutzung, das Waldsterben und die Anti-Atomkraft-Bewegung. Im Gegensatz zur CDU wollte die Klimaliste ursprünglich keine politische Partei sein. Das baden-württembergische Wahlrecht sorgte jedoch dafür, dass sie anders als in anderen Bundesländern formal als Partei zur Landtagswahl antreten musste.

Stillstand im Südwesten

Die KlimalisteBW gründete sich 2020 mit dem Ziel, Expert*innen und Aktivist*innen ins Parlament zu bringen. Als politische Alternative will die KlimalisteBW neue Möglichkeiten zur Klimarettung aufzeigen. Im Südwesten fungieren die Grünen als Volkspartei, gewannen schon früh bei Kommunalwahlen und stellen seit zehn Jahren den Ministerpräsidenten im Land. Dieser Erfolg hat sie aber in den Augen einiger zu viele Kompromisse eingehen lassen. „Sie kennen mich“, ließ sich auf den Wahlplakaten Winfried Kretschmanns am Straßenrand lesen. Damit sagt er, ‘es gebe keine Überraschungen, keine fundamentalen Änderungen, wenn ihr mich wählt’, ist Magnus Rembold überzeugt.

Generell ließen Parteien allzu häufig im Grunde gute Inhalte links liegen. Die Skepsis gegenüber der etablierten Politik veranlasste ihn zur Mit-Gründung der Initiative „Bürgerkandidaten“, deren Ziel es ist, eine Plattform zur Unterstützung von Direktkandidat*innen zu bieten. Die Klimaliste bekennt sich laut Magnus klar zu Ökologie, Anti-Rassismus und Demokratie: „Es muss eine politische Möglichkeit geben für Menschen, die wählen wollen und sagen, das 1,5 Grad-Ziel ist meine Priorität Nummer Eins.“

Beeindruckt vom Schweizer ÖPNV

Als Magnus von der Klimaliste erfuhr, war dem studierten Informatiker klar: „Ich mache die digitale Plattform für euch.“ In Karlsruhe geboren, lebt er seit Kindertagen zumeist im Großraum Stuttgart. „Hier hab` ich die kürzesten Wege und kenne die Leute.“ Anfang der Nullerjahre verschlug es ihn kurzzeitig in die Schweiz, in Zürich lehrte er an der Hochschule der Künste. Beeindruckt hat ihn dort das im Vergleich zu Stuttgart gute öffentliche Verkehrs- und Bahnnetz. Beeinflusst habe ihn auch das direkt-demokratische politische System, das den Bürger*innen deutlich mehr politische Mitbestimmung ermöglicht.

Trotz seines beruflichen Werdegangs ist die Digitalisierung für ihn ein zweischneidiges Schwert: Denn sie berge die Gefahren der Überwachung und der Monopole auf Daten. Werkzeuge wie das Videokonferenz-Tool Zoom müssten, wenn es nach ihm ginge, Open Source sein und sich, wenn überhaupt, nicht in privater Hand, sondern unter staatlicher Kontrolle befinden.

Auf jeden Fall in Richtung Gemeinwohlökonomie

Ganz grundsätzlich müsse es aufgrund der begrenzten natürlichen Ressourcen auch in anderen Bereichen einen Trend weg von privaten Profitinteressen geben. Gerade weil der Kapitalismus unsere gegenwärtige Lebensweise so stark geprägt hat, müssten wir uns nun auf jeden Fall in Richtung Gemeinwohlökonomie bewegen.

Magnus’ Alltag während der Pandemie spielt sich im Moment vor allem zuhause ab, als Softwareentwickler vor dem PC, „der ständig lüften muss, vor allem bei Videokonferenzen“ und als Vater beim Homeschooling. Er kommuniziert viel mit seinen Mitstreiter*innen und entwickelt neue Werkzeuge, unter anderem, um demokratische Entscheidungen einfacher zu machen. Oft ist er damit bis in den späten Abend hinein beschäftigt. Auch abseits der Landtagswahl gibt es viel zu bereden. Über die Zukunft der Partei und ihre Möglichkeiten im Bund. Und die sozial-ökologische Transformation, ist die überhaupt machbar? „Ich glaub nicht mal, dass 'eine Bevölkerung bereit sein muss' dafür, wie man immer sagt“, entgegnet er zuversichtlich. Man könne einfach vorhandenes Geld anders einsetzen als bisher, damit wäre schon ein wichtiger Anfang gemacht.

Jonas Frankenreiter