Freitag, 29. Januar 2021, 06:45 Uhr
von Uwe

Carl Benz und sein Motorwagen – ein Interview zum Jubiläum

Heute vor 135 Jahren meldete Carl Benz (1844-1929) das erste Automobil mit Verbrennungsmotor an. Wir hätten zu diesem Anlass gerne ein Gespräch mit dem genialen Pionier geführt, doch das war leider nicht machbar. So hätte es ablaufen können:
Der Benz Motorwagen 1. Patentiert am 29. Januar 1886.

Lieber Carl Benz, herzlichen Glückwunsch! Ihr Auto wird heute 135 Jahre alt – und es ist ganz schön weit gekommen.

CB: „Naja, Auto. Damals hieß es noch Motorwagen. Und die erste Tour auf freier Strecke dauerte nur ein paar Minuten. Aber Sie haben Recht, die Idee hat ganz schön Fahrt aufgenommen."

Eigentlich waren Sie ja der Elon Musk Ihrer Zeit.

CB: „Ich weiß nicht, ob der Vergleich passt. Schließlich war ich ja ein bodenständiger Karlsruher, kein Visionär, den es in den Weltraum zieht. Meine liebe Frau Bertha hat mit dem Motorwagen Nummer 3 im Jahr 1888 noch fast 13 Stunden von Mannheim nach Pforzheim gebraucht. Für meine Zeit war das allerdings wirklich eine Sensation."

Sie haben zudem den Viertaktmotor weiterentwickelt und das Differentialgetriebe konstruiert. Dazu weitere Teile wie die Achsschenkel-Lenkung für die Steuerung einzelner Räder, die Zündkerze, den Vergaser, den Wasserkühler und sogar die Gangschaltung. Was würden Sie denn heutzutage gerne erfinden?

CB: „Natürlich ein Fortbewegungsmittel, das in die Zeit passt. Es muss also ohne Benzin auskommen, die Umwelt schonen und am besten fliegen können. Dann müssten wir nicht ständig Straßen renovieren oder neue bauen."

Das klingt ja fast, als stünden Sie dem Verkehr kritisch gegenüber?

CB: „Ich habe immer versucht, Lösungen zu finden für Probleme meiner Zeit. Damals ging es darum, schneller von A nach B zu kommen. Heute geht es darum, die Natur nicht zu ruinieren und das Klima zu schützen."

Dazu brauchen wir ganz sicher kluge Köpfe wie Sie!

CB: „Ja, aber ich weiß nicht, ob das reichen wird. Zu meiner Zeit war es völlig unvorstellbar, aber wenn ich mir die heutige Verkehrssituation anschaue, brauchen wir dringend weniger Automobil und mehr von der guten alten Bahn. Heute erst habe ich außerdem gelesen, dass sich die Hälfte der Bundesbürger mehr Fußgängerzonen und verkehrsberuhigte Bereiche wünscht.“

Sind das nicht Nostalgiker, die gerne miterlebt hätten, wie Ihr Motorwagen bestaunt wurde?

CB: „Ich denke eher, dass wir an der Mobilität der Zukunft arbeiten müssen. Der Mensch muss wieder Vorrang vor den Fahrzeugen haben. Bleibt zu hoffen, dass meine Nachfahren bei diesem Thema schnell durchstarten.“

Lieber Herr Benz, allerherzlichsten Dank für das fiktive Gespräch.