Donnerstag, 21. Januar 2021, 12:55 Uhr
von Uwe

Kommunikation in der Klimakrise: Sprechen wir übers Verschenken!

Das einfachste Rezept für Klimaschutz ist laut den Psychologists For Future (PFF): drüber reden! Aber worüber genau? Zukunftsszenarien stoßen häufig auf taube Ohren, Verbots- und Verzichtdiskussionen sowieso. Hier mal ein ganz anderer Ansatz!
Bild von andreas N auf Pixabay

Die PFF empfehlen Gespräche auf Augenhöhe, Verständnis für das Gegenüber und einen gemeinsamen Austausch statt langer Vorträge. Auch die Rahmenbedingungen (keine Hektik!) sind natürlich wichtig.

Wir ergänzen heute: Wer Menschen nachhaltig beeinflussen will, muss oft klein anfangen.

Unser Beispiel: das Verschenk-Häusle auf Eurem Wertstoffhof. Hier könnt Ihr gebrauchte Sachen hinbringen, die von Anderen noch genutzt werden können. Die Besucher*innen im Verschenk-Häusle dürfen dann bis zu drei Gegenstände kostenlos mitnehmen. Das klappt super, allerdings nur, wenn kontrolliert wird. Denn leider gibt es Menschen, die im Verschenk-Häusle nur ihren Sperrmüll entsorgen wollen.

Trotzdem sind die Abholstationen für Second-Hand-Ware ein Erfolg, gerade in Corona-Zeiten. Denn viele Zuhausebleibende fingen schon im ersten Lockdown an, Keller oder Dachboden auszumisten. Die Fundstücke landen dann bei Umsonst-Läden, Online-Verschenkbörsen, in Repair-Cafés oder eben im Häusle auf dem Wertstoffhof.

Hier das Beispiel Böblingen, im benachbarten Sindelfingen gibt es bereits seit 2018 ein vom BUND eingerichtetes „Koscht-nix-Häusle“.

Schalter im Kopf umlegen

Das Klima retten wir mit Verschenk-Stationen nicht. Aber jeder Schritt zählt und für die Krisenkommunikation eignen sich praktische Vor-Ort-Beispiele perfekt. Zumal sich beim besten Willen nichts Schlechtes am Konzept finden lässt – nicht einmal von beinharten Klimakrisenleugner*innen.

Das Verschenk-Häusle bietet also einen perfekten Gesprächseinstieg: Er enthält eine positive Botschaft, baut keine Hürden auf und bringt dem Gegenüber im Zweifel sogar einen Nutzen. Der Sprung zu schwierigeren Themen wie Konsumverzicht oder nachhaltiger Lebensweise wird etwas kleiner. Wer ihn wagt, sollte die Tipps der PFF beachten. Sie sagen: „Langsamer Fortschritt ist nachhaltig“ – und weisen darauf hin, dass Überzeugungsarbeit nicht umsonst „-arbeit“ heißt. Die Belohnung: Irgendwann schafft Ihr es, beim Gegenüber den Schalter im Kopf umzulegen.

A propos Arbeit: Falls es bei Euch noch kein Verschenk-Häusle gibt, ruft einfach mal beim Landratsamt an. Vielleicht rennt Ihr dort offene Türen ein. Gutes Gelingen!