Freitag, 22. Januar 2021, 12:09 Uhr
von Uwe

Klima-Links der Woche: Joe und Amanda, Weltrisikobericht, Laschets Leerstelle

Im Wochenrückblick geht es um den neuen US-Präsidenten, Armin Laschets Klimabilanz, China, Asseln und den Regenwald. Dazu gibt's einen Reportage-Tipp zur Gemeinwohl-Ökonomie. Schönes Wochenende!
Screenshot: youtube.com

In den USA keimt Hoffnung: Der neue US-Präsident Joe Biden hat sofort nach seinem Amtsantritt die Rückkehr der USA zum Pariser Klimaschutzabkommen angeordnet und Maßnahmen zum Schutz von Klima und Umwelt angestoßen. Sein Versprechen: Die USA sollen zur führenden Nation im Kampf gegen den Klimawandel werden.
tagesschau.de: Biden verliert keine Zeit

Unser Titelbild haben wir einem YouTube-Video entnommen. Amanda Gorman, die bei der Amtseinführung von Biden ein bewegendes Gedicht vortrug, engagiert sich auch für die Klimarettung. „Climate change is the single greatest challenge of our time“, heißt es in ihrem Gedicht „Earthrise“ von 2018. We love you for it, Amanda.
youtube.com: Earthrise von Amanda Gorman

Der Klimawandel ist und bleibt die größte Bedrohung für die Menschheit. Diese Übersetzung des obigen Gedichtzitats steht genauso im Weltrisikobericht – bereits im zweiten Jahr in Folge. Der Bericht wird jährlich vom Weltwirtschaftsforum (WEF) herausgegeben. Als drei Aspekte der Klimakrise nennt er laut tagesschau.de dramatische Wetterereignisse, das Scheitern im Kampf dagegen und vom Menschen verursachte Umweltschäden. Das WEF weist darauf hin, dass beim Wiederaufbau von Wirtschaft und Gesellschaft nach der Corona-Pandemie der Klimaschutz auf jeden Fall eine entscheidende Rolle spielen müsse. WEF-Geschäftsführerin Saadia Zahidi hat Regierungen, Unternehmen und Gesellschaften zur Zusammenarbeit aufgerufen.
tagesschau.de: Klimawandel bleibt größte Gefahr

Kein Wort hat der neue CDU-Vorsitzende bei seiner Bewerbungsrede für den Klimaschutz übrig gehabt. Stattdessen schwafelte er von „Ökologie und Ökonomie zusammenbringen“ – so ein Zufall, das kennen wir doch schon von der Website des Landesparteitags der CDU. Die taz zieht jetzt Bilanz und stellt fest: „Während andere führende Mitglieder in letzter Zeit durchaus die wirtschaftlichen Chancen erkannten, die ein klimafreundlicher Umbau der Industrie bietet, sah der nordrhein-westfälische Ministerpräsident seine Aufgabe stets darin, vor zu viel Ambition beim Klimaschutz und einer angeblich drohenden Überforderung der Wirtschaft zu warnen.“
taz.de: Laschets größte Leerstelle

Weltspitze bei Wind- und Solarenergie: China hat im vergangenen Jahr die Produktion seiner Anlagen verdoppelt. Auf dem Weltmarkt könnte das Land künftig dominieren, denn durch niedrige Löhne kann es die Anlagen deutlich günstiger anbieten als die Konkurrenz in anderen Ländern.
tagesschau.de: China setzt verstärkt auf Windkraft

Regenwürmer, Asseln, Laufkäfer: Der neue Bodenreport des Bundesamtes für Naturschutz warnt vor einem „verdeckten Artensterben". Bedrohte Arten, die unter der Erde leben, bekämen nicht genügend Aufmerksamkeit, obwohl sie für die Bodenqualität unverzichtbar seien.
Verdecktes Artensterben

Kostenmogelei beim Klimaschutz? Der taz liegt eine Studie vor, in der steht, dass die reichen Industrieländer bei ihren Ausgleichszahlungen an Länder im globalen Süden falsch abrechnen. Beispiel Deutschland: Die Bundesregierung habe 2018 angegeben, Zahlungen in Höhe von 6,3 Milliarden Euro geleistet zu haben. Laut der Studie müssten die armen Länder allerdings 44 Prozent der Zahlungen zurückzahlen, da sie nur als Kredit vergeben worden seien.
taz.de: Klimahilfe per Kredit

Kosten II: Jeder in den Schutz des Regenwaldes investierte Dollar spart 5,40 US-Dollar für sonstigen Klimaschutz. Das haben Expert*innen unter Leitung des Berliner Klimaforschungsinstituts MCC nachgewiesen. Den Aufwand für Erhaltung und Renaturierung des Regenwaldes beziffern die Forscher*innen mit 6,2 Billionen Dollar bis zum Jahr 2070. Wird der Regenwald aus der Gleichung entfernt, fielen 33,5 Billionen Dollar Kosten an.
klimareporter.de: Der Tropenwald als Sparkonto

Wer braucht Nord Stream 2? Eigentlich niemand, sagt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). In einem Gutachten heißt es, die EU und Deutschland könnten ihren Bedarf an Erdgas auch ohne die umstrittene Pipeline decken. Zumal wir uns von fossilen Energien verabschieden müssen, wenn die Energiewende gelingen soll. Die aktuell geführte Debatte wird hier zusammengefasst:
taz.de: Klimafrage bei Nord Stream 2/

Sauber bleiben mit unsauberen Methoden? Laut dem European Green Deal sollen Treibhausgase in der Europäischen Union im Jahr 2050 nicht mehr die Umwelt belasten. Kolumnnist Michael Springer beschreibt, dass dies auch erreicht wird, indem die ökologischen Belastungen einfach in Länder außerhalb der EU verlagert werden. Dies geschehe etwa durch Importe von Nahrungsmitteln. Anderes Beispiel: Für die Produktion von Ölsaaten, aus denen Biokraftstoff gewonnen wird, würden in Brasilien und Indonesien Waldgebiete abgeholzt.
spektrum.de: Okay für die EU, schlecht für die anderen

Protest gegen Abriss: Das Dorf Lützerath in Nordrhein-Westfalen soll dem Kohleabbau weichen. Klimaaktivist*innen sind vor Ort, sie besetzten unter anderem Hausdächer und Zufahrten.
taz.de: Die Bagger rollen

Lesetipp: Reportage zur Gemeinwohl-Ökonomie
Im ersten Teil unserer Reihe zu alternativen Wirtschaftsmodellen haben wir das Konzept der Gemeinwohl-Ökonomie vorgestellt. Steinheim in Westfalen ist die erste deutsche Stadt, in der das Konzept umgesetzt wird. Wie das geschieht, hat die Frankfurter Rundschau vor Ort recherchiert.
fr.de: Ein gutes Leben für alle – Warum eine Stadt auf die Gemeinwohl-Ökonomie setzt

Auch über die Klimaliste BW wird intensiv berichtet. Aus urheberrechtlichen Gründen können wir die Belege der gedruckten Ausgaben hier nicht zeigen. Daher begnügen wir uns mit Online-Beispielen (teilweise hinter einer Paywall):

stuttgarter-nachrichten.de: Klimaliste tritt in allen vier Wahlkreisen an

leimenblog.de: Klimaliste tritt auch im Wahlkreis Wiesloch zur Landtagswahl an

Frei zugänglich ist der Beitrag der Badischen Neuesten Nachrichten zum Ausscheiden von zwei weiteren Vorstandsmitgliedern aus der KlimalisteBW:
bnn.de: Neue Partei „Klimaliste“ zerfällt in Baden-Württemberg in zwei Lager

Macht's gut – und nicht vergessen: „Das Glück ist wie die Sonne. Ein wenig Schatten muss sein, wenn es dem Menschen wohl werden soll.“ (Otto Ludwig)