Donnerstag, 13. Mai 2021, 16:17 Uhr
von Uwe

1,5-Grad-Bücher: „Wir sind das Klima!“ von Jonathan Safran Foer

In dieser Reihe stellen wir Bücher vor, deren Autor*innen sich wissenschaftlich oder literarisch mit der Klimakrise auseinandersetzen, mit ihrer Bekämpfung und mit der Frage, wie wir zugleich das Klima retten und eine gerechtere Welt schaffen können.
Foer fordert: aufs Ei verzichten!

Bild von Pezibear auf Pixabay

Zum Auftakt widmen wir uns dem US-amerikanischen Autor Jonathan Safran Foer. Der 1977 geborene Foer schickt seine Held*innen gerne auf historische Spurensuche. Sein Debütroman „Everything Is Illuminated“ („Alles ist erleuchtet“) erzählt von einem jungen Schriftsteller aus den USA, der in der Ukraine die Frau sucht, die seinen Großvater vor den Nazis gerettet haben soll. Der Name des Schriftstellers: Jonathan Safran Foer.

Bereits das ebenso packende wie humorvolle Debüt machte Foer zum bejubelten Autor, der Roman wurde vielfach ausgezeichnet. In Deutschland wurde der US-Schriftsteller allerdings erst 2010 einem breiteren Publikum bekannt. Damals erschien sein Sachbuch „Tiere essen“ in deutscher Sprache. Auch dieses Buch ist sehr persönlich gefärbt, zugleich ist es eine gnadenlose Abrechnung mit der industrialisierten Fleischproduktion.

In „Wir sind das Klima!“, erschienen 2019, knüpft Foer direkt an „Tiere essen“ an. Das Buch erscheint wie eine lose Sammlung von Essays zum Klimathema, Foer verbindet die persönlichen, politischen und wissenschaftlichen Ausführungen zur Klimakrise allerdings durch eine zentrale Frage: „Warum nehmen wir das Nahen der Klimakatastrophe so gelassen hin anstatt in Panik zu geraten?“

Foers Buch ist unter diesem Blickwinkel eine Studie in Massenpsychologie. Er fordert Anstrengungen fürs Klima, wie sie zuletzt im Zweiten Weltkrieg von der Bevölkerung verlangt wurden. Seine Fragen: Warum hatte die englische Bevölkerung kein Problem damit, abends zum Schutz vor Luftangriffen der Deutschen im Dunkeln zu sitzen? Und warum bekommen wir es nicht hin, unsere Lebensweise ähnlich zu verändern?

Der US-Autor macht es uns scheinbar einfach. Er will, dass wir unser Verhalten nur in einer einzigen Frage ändern. Nein, wir sollen nicht abends ohne Licht im Dunkeln sitzen, obwohl der geringere Stromverbrauch sicher auch nicht schlecht fürs Klima wäre. Foer knüpft wie gesagt an sein Buch „Tiere essen“ an. Seine Forderung versteckt er ironisch im Untertitel des Buches: „Wie wir unseren Planeten schon beim Frühstück retten können“. Wie das geht? Indem wir tierische Produkte nur einmal täglich essen.

An diesem Beispiel kann jede*r sich selbst überprüfen: Wie schwer würde mir der Verzicht auf ein Frühstücksei oder das abendliche Glas Milch fallen? Was „Wir sind das Klima!“ so lesenswert macht, ist Foers Schilderung des eigenen Ringens mit dem Verzicht. Zugleich enthält das Buch zahlreiche Fakten zur Klimakrise und immer wieder spannende Vergleiche mit anderen Krisen, welche die Menschheit bewältigt hat. Das motiviert.

Einen Vorwurf können wir Jonathan Safran Foer am Ende aber nicht ersparen: Das Buch appelliert an uns als Einzelpersonen, dagegen bleiben Politik und Wirtschaft an vielen Stellen zu sehr ausgeklammert. Insofern ist „Wir sind das Klima!" eigentlich nicht wirklich ein Sachbuch, eher ein Appell an uns alle, mehr zum Klimaschutz beizutragen. Wir sind trotzdem begeistert. Der Verzicht aufs Frühstücksei wird die Welt vielleicht nicht retten – aber er schärft das Bewusstsein für die Bedrohung und fördert von daher hoffentlich den politischen Kampf gegen die Klimakrise.

Jonathan Safran Foer
Wir sind das Klima!
Wie wir unseren Planeten schon beim Frühstück retten können
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2019
ISBN 9783462053210
Gebunden, 336 Seiten, 22,00 EUR
Auch als Hörbuch erhältlich