Dienstag, 20. April 2021, 14:48 Uhr
von Uwe

Weltklimabericht 2020: Die Pandemie bremst nicht – und die Politik?

Die Corona-Pandemie hat keine Auswirkungen auf die Klimakrise. Das steht im Weltklimabericht, der von den Vereinten Nationen und der Weltwetterorganisation erstellt wird. 2020 war demnach eines der drei heißesten Jahre, die jemals erfasst wurden.
Bild von David Mark auf Pixabay

Trotz aller weltweiten Einbrüche von Konjunktur und Wirtschaft schreitet die Erderhitzung unerbittlich voran. Zwar verringerte sich der Ausstoß von Treibhausgasen kurzfristig. Doch laut der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) ist ihre Konzentration in der Atmosphäre weiter angestiegen. Der Anteil an CO2 lag bereits 2019 bei etwa 410 ppm (parts per million), im vergangenen Jahr zeigte der Trend weiter nach oben. Eine abschließende Zahl liegt noch nicht vor, allerdings wurde am 8. April ein Rekordwert von 421 ppm gemessen. Laut heise.de liegt der Wert von 410 ppm „148 Prozent über dem vorindustriellen Niveau (1850-1900)“. Die globale Durchschnittstemperatur lag laut WMO etwa 1,2 Grad darüber.

UNO-Generalsekretär António Guterres sagte laut tagesschau.de, „der Jahresbericht der WMO sei erschreckend und müsse von allen Führungskräften und Entscheidungsträgern in der Welt gelesen werden“. Petteri Taalas, Generalsekretär der WMO, spricht von einem „unerbittlichen Klimawandel“. Der negative Trend werde sich auf jeden Fall noch einige Jahrzehnte fortsetzen – ganz unabhängig davon, welche Klimaschutzmaßnahmen umgesetzt werden.

Höchste Priorität fürs Klima!

Führungskräfte und Entscheidungsträger*innen, damit meint Guterres natürlich auch die Politik. Die verhält sich allerdings so wie immer: müde, passiv und hinhaltend. Wir pauschalisieren nicht gern, aber der Gesamteindruck ist klar: Die Corona-bedingten Einschränkungen, etwa bei der Versammlungsfreiheit, werden von unserer Landes- und der aktuellen Bundesregierung nicht ungern gesehen. Denn mit den Straßenaktionen der Aktivisti ist auch der ständige Druck verschwunden, den es scheinbar braucht, um schnelles Handeln zu forcieren.

Klar, in anderen Ländern ist es noch schlimmer. Brasilien unter Bolsonaro, die USA unter Trump sind nur die offensichtlichsten Beispiele für Komplettversagen angesichts der unleugbaren Entwicklungen, die uns zwischen 2010 und 2020 das heißeste Jahrzehnt seit Beginn der Messungen beschert haben. Leider gibt es bei uns Politiker*innen, die das nutzen, um mit dem Finger auf andere zu zeigen statt mit gutem Beispiel voranzugehen.

CDU/CSU kämpfen bundesweit mit Affären, Corona und der nahenden Bundestagswahl. Ganz ehrlich, dem Klima ist's egal, ob Laschet oder Söder die Politik weitertreiben, von der die Fossil-Industrie seit Jahrzehnten auf Kosten des Klimas profitiert. Derweil treffen sich in Baden-Württemberg die grün-schwarzen Arbeitsgruppen, um jedes Komma der Koalitionsvereinbarung zu diskutieren.

So geht Politik, so funktioniert Demokratie? Ja, aber vielleicht brauchen wir dann eine neue Politik, die dem Klimaschutz oberste Priorität einräumt. Und eine Demokratie, in der Wissenschaftler*innen und Bürger*innen ernster genommen werden.

Die Lösung unserer strukturellen Probleme wird nicht von heute auf morgen kommen. Aber sie ist auch nicht undenkbar. Wir bestehen daher ohne Wenn und Aber darauf, dass der Klimakrise und der dringend nötigen Transformation zu einer klimafreundlichen Wirtschaft höchste Priorität eingeräumt wird. Dafür kämpfen wir als Partei und hoffentlich bald wieder auf der Straße!