Mittwoch, 25. November 2020, 17:38 Uhr
von Uwe

Klima, Medien, Panik!

Wie sollen Medien über die Klimakrise berichten? Mit dieser Frage beschäftigt sich Marina Weisband in ihrer Kolumne für den Deutschlandfunk. Schaun wir Mal, ob wir was draus lernen können...

Marina Weisband kommt aus Münster, ist Diplompsychologin und seit 2018 Mitglied der Grünen. Ihr findet sie unter anderem auf Twitter als @afelia. Außerdem ist sie Kolumnistin beim Medienmagazin #mediasres des Deutschlandfunks (Twitter: @dlfmedien).

Diese kurze Vita hilft, den spannenden Inhalt ihrer jüngsten Kolumne

„Panikmache bringt uns nicht weiter“

https://www.deutschlandfunk.de/berichten-ueber-die-klimakrise-panikmache-bringt-uns-nicht.2907.de.html?dram:article_id=488072

einzuordnen. Ihr ahnt es, Thema ist die Klimakrise. Sowie der Umgang der Medien damit. Am Ende geht es auch um uns, also bleibt dran, auch wenn das hier ein längerer Text wird.

Klima wird zu wenig thematisiert (ach was!)

Schauen wir uns erst Mal die Kolumne näher an, möglicherweise lernen wir ja etwas über unsere eigene Pressearbeit daraus. Marina Weisband beklagt, dass die Klimakrise viel zu wenig thematisiert werde. Selbst in offensichtlichen Kontexten nicht, etwa beim Wetterbericht. Das ist sicher absolut richtig und einer der Gründe, warum es die KlimalisteBW überhaupt gibt.

Marina Weisband geht es allerdings gar nicht um die selektive Wahrnehmung von Medien, die lieber über die Börse berichten als über Klimaphänomene (siehe dazu das PS). Sie beklagt viel mehr, „dass es eine implizite Angst gibt unter Medienmachern, ständig auf diese Alarmglocke zu drücken“. Die Kolumnistin glaubt, dass „sehr düster“ über den Klimawandel berichtet werde. Und dass ernsthafte Berichterstattung die Zuschauer verschreckt und sie deshalb lieber an etwas anderes denken. Und zwar, so Weisband, obwohl sie durchaus wüssten, wie ernst die Lage ist.

Wissen sie das wirklich? Wir vermuten, dass hängt sehr stark davon ab, welche Medien jeweils konsumiert werden. Aber zurück zum Thema. Aus ihrer Vermutung leitet Marina Weisband eine klare Handlungsempfehlung ab: Sie fordert einen „konstruktiven“ Umgang mit der Thematik. Medien sollen Handlungsmöglichkeiten aufzeigen, den Bürger*innen ebenso wie den Politiker*innen. Die Bedrohung müsse „klar bezeichnet“, die Auswirkungen der Klimakrise sollten realistisch geschildert werden. Statt Aktivismus sei Aufklärung gefragt.

Jetzt also doch: Die Menschen wissen zu wenig. Hätte uns auch gewundert, denn wenn alle den Ernst der Lage wirklich begriffen hätten, könnten wir jetzt schon das Erreichen des 1,5-Grad-Ziels feiern.

Stattdessen einigen wir uns mit der Kolumnistin auf diese Anleitung für Medienmacher: Bitte weniger diffuse Panikmache und mehr Aufklärung.

Aber gilt das auch für uns?

Im Prinzip ja, zumindest was die Öffentlichkeitsarbeit angeht. Eine Pressemitteilung sollte keine Panik verbreiten, sondern informieren, schließlich soll sie ja abgedruckt werden.

Allerdings müssen wir im Gegensatz zu Journalist*innen nicht immer aus der Perspektive des Beobachters agieren. Wir können in Gesprächen unsere persönliche Betroffenheit einsetzen, um Argumenten einen emotionalen Unterbau zu geben. Sprich: Wir erreichen im Idealfall den Kopf, den Bauch und das Herz.

Damit haben wir mit der Klimaliste BW wesentlich bessere Chancen, Menschen zu überzeugen als die Medien.

Marina Weisband wünscht sich, dass diese die Problematik verständlich aufbereiten und den Menschen helfen, sich zu orientieren. Wie das gehen soll, wenn diese die Ohren verschließen, sobald sie nur das Wort „Klima“ hören, sagt sie leider nicht.

Unser Vorteil: Wir nehmen’s persönlich

Wir können dagegen einen Schritt weitergehen: Erst Argumente sammeln und verständlich aufbereiten. Und dann Menschen im persönlichen Gespräch davon überzeugen, wie wichtig es ist, dass sie ihren Teil beitragen.

Ziel muss es immer sein, dass das Gegenüber fragt: „Aber was kann ich denn dagegen tun?“.

Dann haben wir gewonnen und müssen nur noch aus der Fülle der Möglichkeiten die passenden heraussuchen, von „Werde Mitglied“ bis „Fahr Rad statt Auto“.

Übrigens: Schauen wir uns an, wie Marina Weisbands Partei aktuell in Baden-Württemberg mit der Klimakrise umgeht, regt sich ein leiser Verdacht. Kann es sein, dass die Kolumnistin die Zurückhaltung der Grünen gleich mit rechtfertigen will? Panikmache lässt sich diesen nun wirklich nicht vorwerfen. Im Gegenteil, wir würden uns schon freuen, wenn die Partei das Thema täglich auf den Kabinettstisch bringt ¬– und in die Öffentlichkeit. Wie sie das machen könnte, ohne die Augen verschließende Mitte zu verschrecken, kann ihnen sicher die Kolumnistin verraten.

Oder fragt einfach uns, liebe Grüne, wir freuen uns auf spannende Diskussionen.

PS: Die Initiative „Klima vor 8“ will den Börsenbericht vor der Tagesschau durch regelmäßige Berichte über das Klima ersetzen. Twitter: @KlimaVorAcht.

Fazit für uns: keine Panikmache, aber Aufklärung und Aktivismus!