Mittwoch, 13. Januar 2021, 13:23 Uhr
von Uwe

Stimmen, Typen, Unterschriften

Unsere Sammelaktionen für die Unterstützungsunterschriften hatten teilweise den Unterhaltungswert eines viralen YouTube-Videos. Wir danken daher allen, die uns unterstützt haben, mit einer augenzwinkernden „Typologie der Angesprochenen“.
Sammler in Aktion: Wen spreche ich an – und wer rennt vorbei? Foto: privat

In einem unglaublichen Kraftakt sammelten die aktiven Mitglieder der KlimalisteBW tausende der für den Wahlantritt benötigten Unterstützungsunterschriften – trotz der Corona-Beschränkungen. Jetzt stehen wir kurz davor, für 67 von 70 Wahlkreisen die positiven Zusagen von den Wahlkreisleitungen zu erhalten!

Für die meisten der sammelnden Kandidat*innen und Unterstützer*innen war es das erste Mal, dass sie auf der Straße oder der Haustür fremde Menschen ansprachen, ihnen ihr Anliegen vortrugen und um die in den Formularen verlangten persönlichen Daten baten. Fehlende Erfahrung und Schüchternheit machten wir mehr als wett durch unseren festen Willen, dem Klimathema eine entscheidende Rolle in der Politik zu geben. Geprägt von fehlender Erfahrung, Schüchternheit und dem Willen, dem Klima eine andere, eine bessere Rolle in der Politik zu gewähren, ergaben sich sehr überraschende, sehr spannende und oft sehr lustige Gespräche.

Also, los geht's mit der kleinen Typologie am ...

.. rechten Rand

Ein bekennender AFD-Wähler unterschrieb mit der Begründung: „ich bin für Pluralität – damit ihr eine Chance habt“. Das überrumpelte die Unterschriftensammlerin komplett. Nur gut, dass die Stimme am Ende nicht ausschlaggebend war.

Andernorts fragte einer, ob er bei uns für die NSDAP unterschreiben könne. Die ist ja glücklicherweise seit 1945 verboten. Scheinbar gibt es aber noch Menschen, die das nicht mitbekommen haben. Unser Sammler war entsprechend geschockt. Wir hoffen allerdings auf einen Einzelfall...

Die Engagierten ...

Beim Unterschreiben zeigte sich, dass der Unterschreibende mit Ach und Krach zu Wahlen erst in vier Jahren berechtigt sein würde. Immerhin: Die Parteimitgliedschaft können wir bereits ab einem Alter von 12 Jahren anbieten.

Als ein Sammelnder einmal etwas rabiat angegangen wurde, sprang ein anderer Passant herbei und erzwang beinahe sein Recht, auf der Stelle zu unterschreiben. Das bereitete der Verbalattacke ein Ende, wir bedanken uns daher noch einmal ganz herzlich.

Von einem Sicherheitsdienst der Post wurden wir aufgefordert, die auf öffentlichem Raum artig mit Abstand Wartenden nicht zu belästigen. Daraufhin meldete sich eine Frau in der Schlange, noch bevor unser Sammler das Wort ergreifen konnte. Sie forderte den Sicherheitsdienstler auf, die demokratischen Rechte anderer nicht zu beschneiden. Die Polizei bestätigte anschließend sehr freundlich, dass unser Vorgehen beim Sammeln absolut korrekt war.

Die Muntermacher*innen ...

Einige Sammler*innen verteilten im näheren Umfeld persönliche Anschreiben mit der Bitte um Unterstützung. Mit unterschiedlichem Rücklauf gab es auch kleine aufmunternde Botschaften wie zum Beispiel „Für die gute Sache :)“, was als sehr motivierend wahrgenommen wurde.

Die Scheinhektischen ...

Die mit Abstand häufigsten Antworten bzw. Ausreden kennt jetzt wohl jede*r von uns: „Keine Zeit“ und „Ich hab's eilig" führen die Hitliste an, dicht gefolgt von „Hab einen Termin“ und „Ich komm später nochmal vorbei“.

Die (manchmal gar nicht so) Ignorant*innen ...

... sind zum Glück absolut in der Minderheit. Auch wenn es wirklich schmerzt, wenn einer ruft: „Wir tun schon genug für den Klimawandel“ und dann lachend mit dem Wegwerfbecher winkt.

„Ich kann nicht gegen den Klimawandel sein, ich arbeite bei Daimler“? Wenn das mal kein logischer Fehlschluss ist. Wir insistierten zunächst mit Erfolg, in einem langen Gespräch taten sich deutliche Risse in der Verteidigungslinie auf. Bis die Ehefrau des Daimler-Mitarbeiters kurz davor stand, die Geduld zu verlieren. Wir verzichteten daher darauf, das Gespräch fortzuführen. Aber wir sind ziemlich sicher, dass der gute Mann später auf unsere Website ging, um sich weiter schlau zu machen...

Die Retter*innen ...

Mehr als 5.200 Unterschriften haben wir gesammelt, mehr als 5.000 erfolgreiche und gute Gespräche geführt. Noch viel mehr Menschen haben wir unser Anliegen nahegebracht. Wir bedanken uns für Vertrauen, Zuversicht und Unterstützung. Nächster Halt: Wahlkampf!