Mittwoch, 03. März 2021, 06:41 Uhr
von Uwe

Unser Programm fürs Klima – Teil 09: Wirtschaft neu gedacht

Willkommen zum Wahlprogramm! In dieser Serie stellen wir Euch unsere Themen, Ideen und Lösungsansätze zur Klimakrise vor, von der Klimaabgabe bis zur Bürger*innen-Beteiligung. Wählt am 14. März die KlimalisteBW!

Bisher erschienen:
Teil 01: Klimaschutzziele
Teil 02: Energiewende
Teil 03: Mobilität
Teil 04: Landwirtschaft
Teil 05: Gesunde Ernährung
Teil 06: Bauwirtschaft und Heizung
Teil 07: Klimagerechtigkeit und soziale Gerechtigkeit
Teil 08: Umwelt- und Naturschutz

Warum regt sich eigentlich kein Mensch mehr über die Digitalisierung auf? Seit Jahren warnen Expert*innen vor Disruption, Automatisierung, dem millionenfachen Verlust von Arbeitsplätzen und dem Ende der Exportstärke deutscher Unternehmen. Es gibt also Grund, sich zu sorgen. Trotzdem spielt das Thema abseits von Fachmedien und Unternehmenszentralen kaum eine Rolle. Und das liegt nicht an Corona.

Der einfache Grund: Wir haben schon längst akzeptiert, dass die Digitalisierung unaufhaltsam ist.

Es gibt kein Zurück, jeder versucht, sich irgendwie zu arrangieren. Darum appellieren wir heute zum drölfzigsten Mal an die Menschen in Baden-Württemberg:

Beim Klima darf das nicht so laufen.

Akzeptanz wäre tödlich, im wahrsten Sinne. Wir wollen die Erderhitzung nicht auf 1,5 Grad begrenzen, weil wir lieber im Schatten sitzen. Sondern weil die Disruption in diesem Fall Kipppunkt heißt und uns alle in den Abgrund reißen kann – durch Katastrophen, Trockenheit, Flüchtlingsströme und Hitzetod.

Noch ist es nicht soweit. Aber der Status Quo ist inakzeptabel, das sagt uns die Wissenschaft in seltener Einstimmigkeit. Nun gilt es, diese Erkenntnisse anzuwenden. Aus dem aktuellen zögerlichen Debattieren und Vorantasten muss ein mit 100 Prozent erneuerbaren Energien geladener Innovationssturm werden. Wir müssen in Baden-Württemberg die gesamte Wirtschaft umkrempeln!

Das wirtschaftliche Potential der Klimagerechtigkeit

Die Transformation der Wirtschaft für den Klimaschutz bietet enorme Chancen. Welche das sind, steht in unserem Wahlprogramm. Ebenso Maßnahmen und Ziele, die uns auf den Weg zu einer klimafreundlichen und für alle Menschen gerechten Wirtschaft bringen:

  • CO2-Bepreisung: mindestens 200 Euro pro Tonne CO2-Äquivalent,
  • Einführung der Kreislaufwirtschaft,
  • Etablierung von Suffizienzstrategien und nachhaltigen Konsummustern,
  • Klimaschutz und -gerechtigkeit in den Sektoren Energie, Industrie, Verkehr, Gebäudewärme und Landwirtschaft,
  • gemeinwohlorientiertes Wirtschaften statt Wachstumszwang.

Wir müssen die Wirtschaft neu ausrichten, es gilt, Vorhandenes zu bewahren und die Ausbeutung natürlicher Ressourcen so weit wie möglich zu stoppen. Eine konsequente Wiederverwendung von Rohstoffen und eine längere Nutzungsdauer von Gütern hilft, den CO2-Ausstoß deutlich zu reduzieren. Es geht außerdem darum, die wahren Kosten von Produktion und Verbrauch transparent zu machen:

„Die Pflege und Reparatur von bereits entstandenen Schäden an unseren Lebensgrundlagen sind in die wirtschaftliche Gesamtrechnung mit einzubeziehen.“ (alle Zitate aus dem Wahlprogramm)

Die Wirtschaft hat dem Menschen zu dienen, nicht umgekehrt. Die Landesregierung sollte dafür die Rahmenbedingungen schaffen. Baden-Württemberg kommt eine Vorbildfunktion zu. Denken wir nur an den Mittelstand und die Energiewende. Hier sind viele Unternehmen schon viel weiter als die Politik.

„Die Energiewende birgt enormes Potential, vor allem für mittelständische Unternehmen in Baden-Württemberg in der Energiewirtschaft, im Maschinen- und Anlagenbau und in weiteren Hochtechnologiesektoren, weltweit führende Positonen einzunehmen („hidden champions“).“

Der Mittelstand ist Innovationsmotor und -treiber. Dazu setzen wir uns für eine blühende Start-up-Kultur ein. Insbesondere gemeinwohlorientierte Unternehmen müssen gefördert werden, etwa im Bereich nachhaltige Mobilität. Weitere Forderungen im Wahlprogramm, mit denen wir eine Wirtschaft pro Klima etablieren können, sind:

  • Rohstoffgewinnung aus Deponien und Kläranlagen,
  • erweiterte Hersteller*innen-Verantwortung und Recht auf Reparatur,
  • Verpflichtung zu Nachhaltigkeitsberichten,
  • ein Lieferkettengesetz, das Produkte begünstigt, die unter Achtung der Menschenrechte und des Klimaschutzes hergestellt werden.

Zu guter Letzt kehren wir zurück zur Digitalisierung: Auch in ihr stecken enorme Möglichkeiten, die wir nutzen sollten, um das Klima zu retten – von den konkreten Vorteilen für unsere Wirtschaft und Gesellschaft ganz abgesehen:

„Durch den flächendeckenden Ausbau der digitalen Infrastruktur können wir die Treibhausgasemissionen senken, indem wir die flexible Gestaltung von Arbeitszeit und -ort sowie eine Ansiedlung von zukunftsfähigen Unternehmen, vor allem im ländlichen Raum, unterstützen und damit den Wandel zu einer sozial gerechten Gesellschaft voranbringen.“

Wenn wir dann noch ein verpflichtendes Lobbyregister einführen, könnte eine Wirtschaft blühen, die dem Menschen ebenso nutzt wie Natur, Umwelt und Klima. Wir freuen uns, wenn Ihr uns auf diesem Weg unterstützt. Falls Ihr Fragen habt, sprecht uns einfach an. Und zwar so schnell wie möglich, denn wie gesagt: Wir haben für den Umbau der Wirtschaft verdammt wenig Zeit!

Das wirtschaftliche Potential der Klimagerechtigkeit – das Kapitel im Wahlprogramm

Hier könnt Ihr Euch gleich das gesamte Wahlprogramm herunterladen.

Noch Fragen? Kontaktiert uns einfach, wir freuen uns auf Feedback und konstruktive Diskussionen rund um Klimaschutz und Klimagerechtigkeit.

Fortsetzung folgt – mit Folge 10: Stärkung von Wissenschaft und Nachhaltigkeitsbildung