Montag, 04. Januar 2021, 12:11 Uhr
von Uwe

2021: Kommt der Nachholeffekt bei Emissionen?

Die Corona-Pandemie hat sich positiv auf die Klimaziele ausgewirkt: In Deutschland wurden letztes Jahr 42,3 Prozent weniger klimaschädliche Treibhausgase verursacht als 1990. Klimaexpert*innen fürchten, dass es 2021 einen Nachholeffekt geben könnte.
Bild von Arek Socha auf Pixabay

Die Zahlen für 2020 stammen von der Denkfabrik Agora Energiewende. Die Expert*innen haben berechnet, dass insgesamt 722 Millionen Tonnen CO2 ausgestoßen wurden, das wären 80 Millionen Tonnen weniger als 2019. Die Bundesregierung hatte sich ursprünglich darauf verpflichtet, 40 Prozent Emissionen einzusparen. Dass dieser Wert nun sogar übertroffen wurde, liegt an den mit der Corona-Pandemie einhergehenden Einschränkungen für Wirtschaft und Industrie.

Ohne den Rückgang des Energieverbrauchs hätte Deutschland das Ziel weit verfehlt, heißt es von Seiten der Agora Energiewende. Zwei Drittel des Rückgangs gingen auf das Konto der Pandemie. Ohne Corona hätte der Rückgang nur bei 37,8 Prozent gelegen. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur sagte Patrick Graichen, Direktor des Instituts, dass es nur beim Strom „echte Klimaschutzeffekte“ gegeben habe. Hier zeigt der Umstieg von der Kohle auf Gas und erneuerbare Energien Wirkung. Außerdem war der Winter mild, so dass weniger geheizt werden musste. Graichen warnt vor einer Aufholjagd in diesem Jahr: "Verkehr und Industrie werden wieder mehr Treibhausgase ausstoßen, sobald die Wirtschaft wieder anzieht."

stuttgarter-nachrichten.de: Deutschland übertrifft wegen Corona das 2020-Klimaziel

Radikale Senkung der Emissionen

Zur Erinnerung: Deutschland will bis 2030 die Emissionen um 55 Prozent gegenüber 1990 verringern. Wir verweisen dazu auf den Weltklimarat IPCC. Er hat ein seinem 2018 vorgelegten Report zum 1,5-Grad-Ziel festgestellt: Das Ziel ist noch erreichbar, wenn die globalen Emissionen ab 2020 radikal gesenkt werden – um 7,6 Prozent pro Jahr.

2020 hat das zumindest in Deutschland geklappt. Doch die eigentliche Herausforderung kommt erst jetzt. Wir brauchen ein komplettes Umdenken und Verhaltensänderungen bei Themen wie Energie, Industrie, Verkehr und Landwirtschaft, um die 1,5 Grad zu erreichen. Die von vielen Ländern gestarteten Corona-Hilfsprogramme könnten hier einen wesentlichen Beitrag leisten. Wir fordern daher: Die Konjunkturhilfen müssen konsequent den Klimaschutz berücksichtigen. Zu fördern sind etwa erneuerbare Energien oder das Wiederaufforsten von Wäldern. Klimaschädliche Subventionen müssen dagegen gestoppt werden.

Siehe dazu auch unseren Beitrag: „Top 10: Die klimaschädlichsten Subventionen im Überblick“