Dienstag, 13. Juli 2021, 17:24 Uhr
von Uwe

Starkregen und Klimakrise: Trübe Aussichten

Das Jahr war 2016 und dunkle Wolken zogen auf am Horizont: Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte vor Starkregen.
Grafik: GDV, 2020.

„Die Häufigkeit von Starkniederschlägen der Dauerstufe 24 Stunden hat in Deutschland in den vergangenen 65 Jahren im Winter bereits um rund 25 Prozent zugenommen. Gemäß den Projektionen regionaler Klimamodelle ist davon auszugehen, dass sich dieser Anstieg bis zum Jahre 2100 in etwa der gleichen Größenordnung weiter fortsetzen wird.“

Für den Sommer lasse sich ein so eindeutiger Trend zwar nicht festmachen, stellten die Autor*innen der bereits vor fünf Jahren veröffentlichten DWD-Studie
„Die Entwicklung von Starkregenniederschlägen in Deutschland“
fest. Es gebe aber „Anhaltspunkte für eine Zunahme der Intensität konvektiver Ereignisse mit steigender Temperatur“.

„Konvektive Ereignisse“ zeigen sich in Form von starken Schauern, Platz- oder Gewitterregen, die über einen kurzen Zeitraum extrem intensiv sein können. Es kann auch hageln. Zu konvektivem Niederschlag kommt es, wenn sich Luftmassen in Bodennähe erwärmen. Ist der Boden sehr warm und die aufsteigende Luft sehr feucht, bildet sich ein vertikaler Auftrieb mit hoher Kondensation.

Milliardenschäden durch Unwetter

Und das hat Folgen. Aktuell warnen die Meteorologen fast täglich vor neuen Unwettern in Baden-Württemberg. Im Juni haben diese bereits Rekordschäden verursacht. Bundesweit kam es durch Hagel und Regen zu einem „versicherten Sachschaden von rund 1,7 Milliarden Euro“.

Die Zahl stammt vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Der GDV hat bereits in seinem Naturgefahrenreport für 2019 (siehe auch die abgebildete Grafik) ein drastisches Bild der Lage gezeichnet. In Baden-Württemberg allein lagen die Sachschäden durch Starkregen und Hochwasser übers Jahr bei 177 Millionen Euro. Für Juni 2021 kalkulieren allein die Autoversicherer mit 700 Millionen Euro für Lackschäden durch Hagelkörner – vor allem in Baden-Württemberg.

Warum ist das auch für alle wichtig, die kein Auto besitzen? Für GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen ist klar, dass sich die Lage mit jedem Zehntelgrad Erderhitzung weiter verschlimmern wird. Er sagte dem SWR, „künftig müssten sich die Menschen darauf einstellen, dass solche Unwetter häufiger auftreten und sich auch die Intensität erhöht.“

Natürlich verfolgt der GDV eigene Interessen, wenn er vor Starkregen warnt. Nach seinen Angaben sind nur 45 Prozent der Wohngebäude in Deutschland ausreichend gegen Naturgefahren versichert. Hier winken also Abschlüsse. Zugleich helfen die Berichte des Verbandes der Klimabewegung. Denn sie machen auch in Zahlen deutlich, was wir aktuell bei jedem Unwetter schon spüren: Wir leben mitten in der Klimakrise. Zu den eingangs beschriebenen Regenwintern gesellen sich künftig mehr Hitzesommer. Vor Temperaturen bis zu 50 Grad, wie jüngst in Kanada gemessen, schützt uns zwar das Mittelmeer. Heißer wird es aber trotzdem. In Norddeutschland muss bis Ende des Jahrhunderts jährlich mit bis zu fünf zusätzlichen Hitzewellen, in Süddeutschland sogar mit bis zu 30 gerechnet werden. Das steht laut Frankfurter Rundschau im Forschungsbericht „The Lancet Countdown on Health an Climate Change“ vom Herbst 2019.

Jetzt handeln, um das Schlimmste zu verhindern

Versichern können wir uns dagegen nicht. Aber wir können jetzt handeln, um das Schlimmste zu verhindern. Unterstützt die Klimabewegung – und wählt bei der Bundestagswahl im September die Partei, die am meisten für den Klimaschutz tun will. Falls Ihr in einem der Wahlkreise wahlberechtigt seid, in dem die Klimaliste mit Direktkandidierenden antritt, freuen wir uns natürlich über Eure Stimme. Kurz gesagt: Lasst uns der Politik einheizen, bevor wir untergehen!