Mittwoch, 16. Dezember 2020, 10:20 Uhr
von Uwe

Bringt den autofreien Sonntag zurück!

Spazierengehen auf der Autobahn, gute Luft und Stille in den Städten – das ist kein Szenario aus „The Walking Dead“. Heute vor 47 Jahren gab es den letzten von vier gesetzlich festgelegten autofreien Sonntagen. Wir brauchen dringend sein Comeback!
Autofreier Sonntag in der Schweiz 1973: Ein Tag zum Innehalten und Durchatmen.

Ölkrise, das bedeutete 1973 noch etwas ganz anderes als heute: Die arabische Ölindustrie hatte die Fördermengen um etwa fünf Prozent reduziert. Grund: Die westlichen Länder unterstützten Israel im Jom-Kippur-Krieg. Die Folgen der auch als „Ölembargo“ bezeichneten Verknappung waren dramatisch. Innerhalb eines Tages, am 17. Oktober 1973, stieg der Ölpreis um etwa 70 Prozent: von drei US-Dollar pro Barrel (159 Liter) auf über fünf Dollar. 1974 kletterte der Preis auf über zwölf Dollar pro Barrel.

Es ist wahnsinnig interessant, diese Entwicklung aus heutiger bzw. aus klimapolitischer Sicht zu sehen. Die tatsächlichen Kosten der Ölförderung haben wir ja alle zu tragen – denn sie ist ein wesentlicher Treiber der Klimakrise. Höhere Preise für Öl könnten geradezu heilsam wirken, wenn zugleich die Alternativen gefördert würden.

Wie positiv sich das auswirken könnte, zeigt uns tatsächlich der erzwungene Verzicht aufs Auto im Winter 1973. Der Bayerische Rundfunk widmet sich am 25. November 2020 in einem Kalenderblatt dem ersten der vier autofreien Sonntage:

„Tatsächlich erinnern sich ältere Mitbürger gerne an das Fahrverbot von damals. Sie erzählen heitere Geschichten: von idyllischen Spaziergängen auf der Autobahn oder von der auffallend guten Luft in den Städten. Schon am frühen Morgen ist in München die erste zweispännige Pferdekutsche unterwegs und in Nürnberg eine Rikscha. In Niederbayern löst ein humorvoller Pfarrer sein Versprechen ein und lässt den Organisten für die tapferen Kirchgeher das Lied "Ja, mir san mi’m Radl da" intonieren.“

Bitte lest Euch diesen Beitrag unbedingt komplett durch. Wir versprechen, er wird Euch den Tag retten.

br.de: Erster autofreier Sonntag in der Ölkrise

Wir fordern einen Festtag fürs Klima!

Es klingt fast zu schön, um wahr zu sein, doch in allen Quellen, die wir durchforscht haben, wird der autofreie Sonntag als Festtag geschildert, an dem Menschen ihre Umwelt ganz neu entdeckten und genossen. Daher verwundert es auch nicht, dass er ab den 80er Jahren von der Umweltbewegung und vielen Städten und Gemeinden in neuer Form wiederbelebt wurde. Nächstes Jahr findet er am 22. September statt. Bereits 2011 gab es in Deutschland, Österreich und der Schweiz 77 Aktionen rund um den autofreien Tag (oder gleich eine autofreie Woche).

Diese Aktivitäten werden von Umweltorganisationen, Parteien, Verbänden und regionalen Politiker*innen getragen. Sie öffnen Menschen die Augen für die typischen Verkehrsprobleme: Schadstoffe, Lärm, Klima. Und sie stellen Mobilitätskonzepte und die Verkehrswende zur Diskussion.

Das ist super, aber könnte nicht die Bundesregierung wieder einmal einen bundesweiten autofreien Sonntag ausrufen? Könnte dann nicht Angela Merkel mit dem Rad von Berlin nach Potsdam radeln? Auf der Autobahn? Wir wären dabei!

Denkt mal drüber nach, die Idee ist genial einfach, vor allem verglichen mit Luftreinhaltungsplänen oder Dieselfahrverboten, die sich etwa in Stuttgart von Straße zu Straße ändern.

Natürlich würde der autofreie Sonntag nicht reichen, um das Klima zu retten. Natürlich müsste es Ausnahmeregelungen geben. Aber ein autofreier Sonntag würde ein fantastisches Zeichen dafür setzen, dass auch die verantwortlichen Politiker*innen die Klimakrise endlich ernst nehmen. Von den konkreten Vorteilen und der Feststimmung an diesem besonderen Tag ganz zu schweigen. Und wir sind sicher: Dieser Tag würde die Menschen so begeistern, dass viele weitere folgen würden.

Wikipedia: Autofreier Tag

PS: Wie Eupin Reitter, Kandidat der KlimalisteBW in Stuttgart, richtig anmerkt, lag der Ölpreis zwischenzeitlich sogar bei weit über 100 US-Dollar pro Barrel. Und zwar, ohne dass das Auswirkungen auf das Verkehrsaufkommen hatte. Ein Aktionstag könnte zumindest das Bewusstsein dafür schärfen, dass hier etwas gewaltig schief läuft...