Montag, 03. Mai 2021, 12:50 Uhr
von Uwe

Adenauerbrücke Ulm: Warum die Planung jetzt gestoppt werden muss (von M. Ruff)

Am kommenden Mittwoch stimmt der Ulmer Gemeinderat über den Neubau der Adenauerbrücke ab. Beide diskutierten Varianten berücksichtigen die Klimakrise nicht ausreichend. Darum fordern wir eine Denkpause: Die aktuelle Planung muss gestoppt werden.
Bild von Hans Braxmeier auf Pixabay

Die Adenauerbrücke ist eine der wichtigsten Brücken über die Donau im Land, sie verbindet Ulm mit Neu-Ulm und soll entweder sechs- oder achtspurig ausgebaut werden. Dadurch würde die Brücke entweder 42 oder 36 Meter breit. Die Baukosten werden auf etwa 40 Millionen Euro geschätzt, bei der breiten Variante wären es noch fünf bis sechs Millionen Euro mehr. Aktuell nutzen 94.000 Fahrzeuge pro Tag die Brücke, künftig wären es bei einem achtspurigen Ausbau etwa 104.000 – alle unterwegs auf einer Straße, die mitten durch Ulm führt.

Bei der Planung wurde allerdings eines nicht berücksichtigt: Angesichts der Klimakrise und der aus unserer Sicht unvermeidlichen Begrenzung des Individualverkehrs schon in den kommenden Jahren muss der Brückenbau komplett neu bewertet werden. Das Bundesverfassungsgericht hat erst vergangene Woche geurteilt, dass aktuelles Handeln nicht auf Kosten der kommenden Generationen gehen kann. Für den Straßenbau bedeutet das: Klimaschutz hat Vorfahrt. Da wir CO₂-Emissionen drastisch reduzieren müssen, um die im Pariser Klimaabkommen beschlossene 1,5-Grad-Begrenzung der Erderhitzung zu schaffen, steht uns eine einschneidende Verringerung des Motorisierten Individualverkehrs bevor. Dass dieser durch öffentlichen Nahverkehr sowie Ausbau von Rad- und Fußwegen gerade in Großstädten wie Ulm ersetzt werden kann, beeinflusst die Planungen zusätzlich. Der Verkehrsentwicklungsplan, auf dem diese aktuell beruhen, ist nicht klimagerecht und damit untauglich.

In einer Diskussionsveranstaltung des BUND Ulm zur Adenauerbrücke am 30. April wurden die Aspekte angesprochen, welche die bisherige Planung des Ersatzneubaus grundsätzlich fragwürdig erscheinen lassen: Ein erheblicher Teil der Ehinger Anlagen mit wertvollem Baumbestand würde zerstört. Zudem wurden die Auswirkungen des Neubaus auf die Klimabilanz der Städte Ulm und Neu-Ulm sowie darüber hinaus nicht untersucht.

Daher appellieren wir dringend an den Ulmer Gemeinderat, keiner der bisher vorgeschlagenen Lösungen zuzustimmen. Stattdessen sollen die Rät*innen bei der Bundesregierung ein mindestens einjähriges Moratorium fordern, um eine Neuorientierung im Sinne des Klimaschutzes zu erwägen. Die Stadt Ulm sollte zudem rechtliche Schritte prüfen, um die Umsetzung der aktuellen Planung gegebenenfalls auf juristischem Weg zu verhindern. Wir fordern zudem, dass ein Expertengremium beauftragt wird, Konzepte dafür zu entwickeln, wie der Ersatzneubau ohne die aktuell geplanten großen Eingriffe in die Ehinger Anlagen realisiert werden kann.

Mitglieder der Ulmer Klimaschutz-Bewegung treffen sich am Mittwoch um 15 Uhr am Eingang zur Messe Ulm, um dem Gemeinderat noch ihre Sicht in die Sitzung mitzugeben. Diese ist öffentlich, allerdings sind nur 60 Teilnehmer*innen zugelassen. Wer möchte, kann sich bereits die Tischvorlagen anschauen.