Freitag, 11. Dezember 2020, 14:30 Uhr
von Uwe

Klima-Links der Woche: EU-Ziele, Verkehrswandel, Wunderbatterie

Die EU verschärft ein bisschen ihr Klimaziel, die Uno weiß, dass das nicht reichen wird. Es geht um den Verkehrswandel und die Agrarpolitik. Stars unseres Rückblicks sind Klimaaktivist*innen, Greta und der Green New Deal. Schönes Wochenende!
Bild von Holger Schué auf Pixabay

Von minus 40 Prozent auf minus 55 Prozent: Die Europäische Union will den Ausstoß von Treibhausgasen bis zum Jahr 2030 stärker senken. Auf dem EU-Gipfel freute sich Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen schon über einen „klaren Weg zur Klimaneutralität“. Wir bleiben skeptisch, genauso wie andere Klimaexpert*innen und Umweltverbände. „Das 55-Prozent-Netto-Ziel reicht nicht zur Bewältigung der Klimakrise“, sagte etwa WWF-Vorstand Eberhard Brandes gegenüber der Tagesschau.

tagesschau.de: EU verschärft Klimaziel bis 2030

Mehr als drei Grad Erderwärmung ergeben sich aus den Plänen, die weltweit nach dem Pariser Klimaabkommen verabschiedet wurden. Daran, so berichtet das Umweltprogramm der Uno, hat auch das Corona-Jahr 2020 nichts geändert. Kein Wunder, denn 2019 gab es wieder einen neuen Emissions-Rekord: 59,1 Gigatonnen Treibhausgase wurden freigesetzt. Das oben angesprochene Nachbessern der EU hilft da wenig. Denn erstens sind das nur Ankündigungen, zweitens gehen die Pläne weltweit nicht weit genug. Selbst wenn alle Paris-Teilnehmer ihre Versprechen einlösen, landen wir bei einer Erwärmung von über drei Grad.

spiegel.de: Auf dem Weg zu drei Grad Erderwärmung

Mindestens 30 Millionen emissionsfreie Autos bis 2030: Die EU-Kommission hat ihre Strategie für den Verkehrswandel vorgestellt. Es geht um ein etwa 80 Punkte umfassendes Paket, das neben dem Straßenverkehr auch die Schiff- und die Luftfahrt betreffen soll. So ist geplant, die Zahl der Hochgeschwindigkeitszüge innerhalb von zehn Jahren zu verdoppeln. Mehr Details zu den Plänen findet Ihr hier:

tagesschau.de: Mehr Schiene, weniger Abgase

Platz 19 im Klimaschutz-Index für Deutschland: Wir haben uns um vier Plätze nach oben gearbeitet. Gemessen werden in der Studie die Werte der 58 Staaten, auf deren Klimakonto die meisten Emissionen gehen. Im Ranking werden die Länder zuerst genannt, die am wenigsten Treibhausgase ausstoßen. Auf Platz 4 rangiert Schweden, die ersten drei Plätze ließen die Autoren des Berichts (Germanwatch, Climate Action Network, New Climate Institute) frei, weil nach wie vor kein Land ein „sehr gut“ erreicht. Auch Indien, Chile und Marokko rangieren vor Deutschland. Und jetzt ratet Mal, wer am Ende des Rankings liegt…

Schweden Vorreiter – Deutschland verbessert

„Agrarindustrie abwählen – Agrarwende lostreten!“ So lautet das Motto einer Großdemonstration gegen die aktuelle Agrarpolitik. Die Demo soll am 16. Januar 2021
in Berlin stattfinden, wegen Corona sind auch regionale Aktionen geplant. Insgesamt beteiligen sich laut taz.de knapp 60 Organisationen an dem Aktionstag.

taz.de: Bündnis fordert Agrarwende

Hier geht’s zur Website der Demo „Wir haben Agrarindustrie satt“

Podcast-Tipp: In der fünften Folge des taz-Podcasts „Die Querulant_/:*Innen“ sprechen Leonie Bremer (FFF) und Renate Künast (Grüne) über die Generationenfrage und das Klima.

taz.de: Boomer und Millenials

Podcast-Tipp II: Seit 20 Jahren erhalten Betreiber von Windkraftanlagen eine Festvergütung, unabhängig vom aktuellen Strompreis. Diese im Erneuerbare-Energien-Gesetz des Jahres 2000 festgelegte Vergütung läuft zum Jahresende aus – und noch gibt es keinen Plan dafür, wie es mit den Anlagen weitergehen soll. Da die Strompreise im Corona-Jahr gesunken sind, droht der Windkraft vielerorts das Aus – das wäre im Angesicht der Klimakrise ein fataler Schritt in die falsche Richtung. Hintergründe zum Thema vermittelt ein Podcast des Deutschlandfunks.

deutschlandfunk.de: Retter gesucht

Turbo für die Elektromobilität? Eine wahre Wunderbatterie soll mit einem Schlag sämtliche Probleme lösen, die aktuell den Herstellern von Elektroautos das Leben schwer machen. Der von dem Start-up Quantumscape entwickelte Akku soll sich doppelt so schnell aufladen lassen wie die bekannten Lithium-Ionen-Batterien. Außerdem ist eine Reichweitensteigerung von 50 Prozent im Gespräch. Wie das gehen soll? Die Quantumscape-Batterie ist eine Festkörperbatterie. Sie verwendet einen festen Elektrolyt, während die Li-Io-Aggregate mit flüssigem Elektrolyt arbeiten. Etwas gedämpft wird die Euphorie dadurch, dass die neue Technologie frühestens ab 2026 einsatzbereit sein soll. Beim Autokonzern Volkswagen, der das Start-up mitfinanziert, träumt Vorstandschef Herbert Diess schon jetzt davon, Tesla zu überholen, wie tagesschau.de berichtet:

Was kann die „Superbatterie“?

Klimaaktivist*innen in die Verwaltung: Das empfiehlt der Soziologe und Politikwissenschaftler Lukas Daubner in der taz: „Transformation wird nicht nur in sozialen Bewegungen, Start-ups oder Parteien gemacht. Neue Ideen sind nötig, sie müssen erdacht und erprobt werden. Was dann am Ende mit ihnen geschieht, interessiert die meisten nicht mehr. Aber das sollte es. Denn Ideen werden insbesondere dann gesellschaftlich wirksam, wenn sie sachgerecht und rechtssicher von Ministerien oder Stadtverwaltungen bearbeitet und umgesetzt werden. Eine progressive Politik braucht eine progressive Verwaltung.“

taz.de: Klimakids, geht in die Verwaltung!

Greta Thunberg war für einen Tag Gastchefredakteurin beim Dagens Nyheter, der auflagenstärksten schwedischen Tageszeitung. Zuvor hatte sie den Personenkult kritisiert, der um sie als Person gemacht werde: „Ihr berichtet über Klimaaktivist*innen mit Zöpfen und gelber Regenjacke, die ein paar unbequeme Sachen sagen, die Zitate bringen, die sich gut klicken. Aber das hat nichts mit der Klimakrise zu tun.“ Immerhin: Chefredakteur Peter Wolodarski will unserem Thema künftig mehr Platz in der Zeitung einräumen.

taz.de: Wirkt der „Greta-Effekt“?

Was wird aus dem Green New Deal? Die ersten Personalentscheidungen des neu gewählten US-Präsidenten Joe Biden lassen befürchten, dass er in Klimafragen einen eher zurückhaltenden Kurs fahren wird. Der hier verlinkte Beitrag schildert die Lage aus der Perspektive der progressiven Gruppen, die überzeugt sind, dass ihr Einsatz fürs Klima dem eher konservativen Biden erst den Sieg über Donald Trump beschert hat: „An jedem Tag, der uns – mit oder ohne Mandat – der Klimakatastrophe näherbringt, bleibt es Aufgabe der sozialen Bewegungen, von Bidens Regierung eine ambitionierte Klimapolitik einzufordern.“

rosalux.de: Das Feuer löschen

Presseschau: Die Klimaliste BW in den Medien

Auch über die Klimaliste BW wird intensiv berichtet. Aus urheberrechtlichen Gründen können wir die Belege der gedruckten Ausgaben hier nicht zeigen. Daher begnügen wir uns mit Online-Beispielen:

schwaebische.de: Die Klimaliste macht den Grünen auch in Ravensburg Konkurrenz

(Achtung, Paywall!)

schwaebische-post.de: Für eine klimaneutrale Ostalb

Schönes Wochenende, und denkt dran:

„Die Klimakrise unterscheidet sich von allen anderen politischen Herausforderungen: Man kann mit ihr nicht verhandeln, und sie ist zeitlich verzögert. Das, was wir heute tun, hat Auswirkungen in der fernen Zukunft.“ (Luisa Neubauer)