Montag, 11. Januar 2021, 11:36 Uhr
von Uwe

Drais und die Zweirad-Revolution: von der Laufmaschine zum E-Bike

Schlappe 203 Jahre ist es auf den Tag her, dass eine Erfindung offiziell anerkannt wurde, die uns im wahrsten Sinne weiter gebracht hat als viele andere: das Fahrrad.
Bild von Picography auf Pixabay

Was der badische Forstbeamte Karl Freiherr von Drais (1785-1851) auf die Straßen brachte, wurde zunächst als „Laufmaschine“ bezeichnet. Zwei Wagenräder, ein Sattel, dazu die geniale Steuerung: der Deichsellenker, heute ganz selbstverständlich als Prinzip aller Fahrräder bekannt.

Der Name „Draisine“ wurde durch Zeitungen populär gemacht. Drais startete am 7. Juni 1717 zu einer ersten Testfahrt auf der Chaussee von seinem damaligen Wohnort Mannheim zu einer sieben Kilometer entfernten Pferdewechselstation in Schwetzingen. Für den Hin- und Rückweg benötigte er laut Wikipedia nur eine knappe Stunde. Sein Durchschnittstempo lag bei 15 km/h – fast zu schnell für damalige Verhältnisse, es kam relativ schnell zu Verboten, denn die Draisine wurde in kurzer Zeit sehr populär.

Am 12. Januar 1818 erhielt Drais für seine Erfindung ein Großherzogliches Privileg. Heute würde man sagen: Er ließ sich die Draisine patentieren. Auch mit Marketing kannte sich der Tüftler aus: Er veranstaltete öffentliche Fahrten, um sein Zweirad populärer zu machen. In einer Broschüre warb er mit Sprüchen wie „Bergab schneller als ein Pferd in Carrière (Rennbahn)".

Mehr über Drais und seine Erfindungen findet Ihr in diesem Wikipedia-Artikel.

Trotz seiner großartigen Erfindung starb Drais, der mit weiteren Ideen kein Glück hatte, 1851 verarmt in Karlsruhe. Das Fahrrad trat dagegen einen weltweiten Siegeszug an. 1853 wurde der Tretkurbelantrieb erfunden, im 20. Jahrhundert eroberte das Rad aufgrund seines niedrigen Preises den Individualverkehr. In den 1960er Jahren schlug zwar die Industrialisierung zu: Menschen in den wohlhabenden Ländern stiegen um auf Motorrad und Auto. Doch dann stellten sich Staus und Parkplatzprobleme ein, und schon ging es wieder voran mit dem Rad. Zum Boom seit den 1970er Jahren trug auch die steigende Zahl der Studierenden bei. Nicht nur sie schätzen das Fahrrad bis heute als günstiges, praktisches und umweltschonendes Verkehrsmittel.

2019 wurden in Deutschland laut Wikipedia 4,3 Millionen Fahrräder verkauft. Darunter waren bereits 1,3 Millionen E-Bikes, die zurzeit so gefragt sind, dass die Hersteller Lieferschwierigkeiten haben. Leider reagieren Verkehrsplaner in den Städten bislang nicht mit Tat aufs Rad. Dabei sind mehr als 50 Prozent der in der Stadt zurückgelegten Wege weniger als fünf Kilometer lang, also ideal geeignet für Hollandrad, Mountainbike und Co. Zumal auch die Kombination aus Rad und öffentlichem Nahverkehr immer attraktiver wird.

Gutes Rad ist heutzutage gerne mal teuer, guter Rat dagegen nicht: Was wir brauchen, ist eine echte Verkehrswende, die auch die Frage diskutiert, ob Autos nicht mehr oder weniger komplett aus den Innenstädten verschwinden können. Drais' „Laufmaschine“ kann auf jeden Fall noch mehr zum Klimaschutz beitragen als bisher – wenn ihr der nötige Freiraum eingeräumt wird.