Freitag, 21. Mai 2021, 07:29 Uhr
von Uwe

Klima-Links der Woche: Hotspot Arktis und heiße Debatten

Im Wochenrückblick geht es um alarmierende Meldungen aus Grönland und der Arktis. Außerdem: Kritik an Kretschmann, Billigflug-Verbot, CO₂-Budget, Amazon – und die IEA fordert einen sofortigen Kohlestopp. Schönes Wochenende!
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Themenfelder der Woche: Wissenschaft, Politik, Geld und Gerechtigkeit, Aktionen, Energie, Mobilität, Umwelt und Ernährung, Bauen und Wohnen.

Wissenschaft

„Abschmelzen“, „Destabilisierung“, „irreversibel“: Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) schlägt Alarm. Laut einer neuen Studie wird in Teilen des grönländischen Eisschilds ein kritischer Kipppunkt überschritten. Das Abschmelzen des Eises wäre dann unumkehrbar und ein Horror-Szenario möglich: Der Meeresspiegel könnte um sieben Meter ansteigen. Niklas Boers vom PIK sagte dazu der Berliner Zeitung: „Wir haben Belege dafür gefunden, dass sich der zentral-westliche Teil des Grönland-Eisschildes destabilisiert hat.“ Er nennt die Entwicklung „sehr besorgniserregend“, auch wenn sich der Meeresspiegel nur über Hunderte oder Tausende von Jahren auf die Sieben-Meter-Marke erhöhen würde.
berliner-zeitung.de: Experten: Abschmelzen von Grönland-Eis bald unumkehrbar

„Die Arktis ist ein echter Hotspot des Klimawandels“, sagt der Glaziologe Jason Box. Laut neuesten Untersuchungen hat sich die Polarregion zwischen 1971 und 2019 dreimal schneller erwärmt als der Rest der Erde. Das "Arctic Monitoring and Assessment Programme" (AMAP) berichtet, die durchschnittliche Jahrestemperatur in der Arktis sei um 3,1 Grad Celsius gestiegen. Auf der Erde insgesamt waren es um ein Grad Celsius.
saechsische.de: Über 30 Grad in der Arktis

Politik

In der Landtagsdebatte zur Regierungserklärung von Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat SPD-Fraktionschef Andreas Stoch der neuen Regierung mangelnden Willen zur Gestaltung vorgeworfen. Stoch kritisierte den Finanzierungsvorbehalt, der auch für Maßnahmen zum Klimaschutz gelten soll. „Verschuldung darf kein Tabu sein, wenn es darum geht, das Land in die Zukunft zu führen“, sagte Stoch.
swr.de: Opposition zerpflückt grün-schwarze Regierungspläne für Baden-Württemberg

Aktueller Beitrag zum Thema Verschuldung bei uns im Blog

Ökonomie und Ökologie sollen Hand in Hand gehen, um die Klimakrise zu bewältigen. Das sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann beim Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt am Main. Konkret wurde Kretschmann leider nicht. Er sprach davon, die Digitalisierung voranzutreiben und die Forschung zu Schlüsseltechnologien zu stärken. „Auch wenn manche Klimaziele unerreichbar scheinen, noch können wir es schaffen, wenn wir mit Kreativität, Mut und Entschlossenheit das Wunder des Neuanfangs wagen“, betonte Kretschmann.
rnd.de: Kretschmann: Klimaschutz braucht „ganz neue Ideen“

Abstimmung verschoben: Das Lieferkettengesetz hängt nach wie vor in der Warteschleife. Die für vergangenen Donnerstag geplante Abstimmung fiel flach, weil die CDU im Bundestag eine zivilrechtliche Haftung für Unternehmen ausschließen will. Das Gesetz soll die Menschenrechte von Arbeitenden in ausländischen Zulieferbetrieben schützen. Der Wirtschaftsflügel der Union fürchtet Klagen gegen deutsche Unternehmen.
taz.de: Hätte, hätte, Lieferkette

Die Augsburger Stabsstelle für Mobilität und Klimaschutz bringt den Kampf gegen die Klimakrise auf die kommunale Ebene. Leiterin Margit Spöttle hat unter anderem eine Initiative für mehr Solaranlagen gestartet.
taz.de: „Klimaschutz ist Teamsport“

Geld und Gerechtigkeit

Das CO₂-Budget ist ungleich verteilt, stellt Kommentator Pepe Egger fest: Die Reichen verbrauchen wesentlich mehr als die Armen. Und für Deutschland ist das Budget eigentlich schon aufgebraucht, da wir seit 200 Jahren zu den größten Produzenten gehören.
freitag.de: Gar nichts ist okay, Boomer

Die Commerzbank soll ihre Geschäftsstrategie an die Ziele des Pariser Klimaabkommens anpassen. Das fordern die NGO Urgewald und Fridays for Future.
taz.de: Keine Kredite für Kohlegeschäfte

Amazon und andere große Konzerne zahlen in Europa so gut wie keine Steuern, den Ländern entgehen dadurch bis zu 70 Milliarden Euro pro Jahr. Die dringend nötige Reform des EU-Bilanzrechts droht trotzdem zu scheitern – weil Frankreich und Deutschland das Projekt sabotieren.
taz.de: Das Milliarden-Versagen

Aktionen

Aktivisti des Klimacamps in Ravensburg haben am Samstag vor einer Woche eine der Hauptstraßen in der Stadt, die vierspurige Schussenstraße, für zwölf Stunden lahmgelegt. Unter anderem brachten sie über der Straße Hängematten an und leinten sich fest. Ihre Forderungen: eine echte Mobilitätswende und der Stopp aller Straßenbauprojekte.
swr.de: Klima-Aktivisten sorgen für Straßensperrung

Klima-Aktivisti sind im Norden von Sachsen-Anhalt angegriffen worden. Sie protestieren dort gegen den Ausbau der Autobahn A14 von Magdeburg nach Schwerin.
taz.de: Autobahn spaltet Altmark

Energie

4,35 Milliarden Euro erhalten deutsche Braunkohleunternehmen als Entschädigung für den (viel zu späten) Kohleausstieg bis 2038. Interne Dokumente belegen nun, dass diese Zahlung viel zu hoch sein könnte, da sich die Bundesregierung die Zukunft der Kohle schöngerechnet hat.
correctiv.org: Teure Formel

Kohlestopp sofort: Die Internationale Energieagentur (IEA) fordert eine „bisher nie gekannte“ Umstellung der weltweiten Energieversorgung. Um das Klima zu schützen, dürften mit sofortiger Wirkung keine neuen Öl- oder Gasfelder mehr erschlossen werden. Außerdem dürften weder Kohlegruben noch Kohlekraftwerke, die ihre Abgase nicht neutralisieren, eröffnet werden.
taz.de: Die globale Nulldiät

Nord Stream 2 darf nicht weitergebaut werden, auch weil Erdgas den Klimakiller Methan freisetzt. Klimaaktivistin Annemarie Botzki erläutert die Hintergründe und fordert einen Ausbau der dezentralen Energieversorgung.
freitag.de: Die Mär vom sauberen Gas

Mobilität

Kurz- und Billigflüge abschaffen will die grüne Kanzlerinnen-Kandidatin Annalena Baerbock. Sie fordert eine klimagerechte Besteuerung von Flügen und will dadurch mehr Verkehr auf die Schiene verlagern. Baerbock kündigte außerdem für den Fall eines Wahlsiegs bei der Bundestagswahl im September ein „Klimaschutzsofortprogramm“ an.
tagesschau.de: Baerbock will Kurzstreckenflüge abschaffen

tagesschau.de: Die Luftfahrtindustrie läuft bereits Sturm gegen Baerbocks Pläne

Mehr Wettbewerb im baden-württembergischen Bahnverkehr: Seit etwa fünf Jahren tummeln sich dort Anbieter wie Go-Ahead und Abellio. Die Situation für Pendler*innen hat sich dadurch nicht verbessert, zeigt diese Analyse. Was die Bahn voranbringe, seien gute Finanzierung und bessere Linienkonzepte.
kontextwochenzeitung.de: Die Mär vom rettenden Wettbewerb

Freie Hand hat Tesla beim Bau seiner Autofabrik in Brandenburg. Die Gigafactory 4 liegt zu fast zwei Dritteln in einem Wasserschutzgebiet. Sie hat noch keine finale Baugenehmigung, trotzdem wird hektarweise Wald gerodet. Außerdem will sich Elon Musk nicht an die Tarifbedingungen halten. Umweltschützer*innen, Anwohner*innen und die IG Metall laufen Sturm gegen das Projekt.
freitag.de: Fabrik ohne Genehmigung

Umwelt und Ernährung

Niederlage für Bayer: Auch im zweiten Berufungsverfahren hat ein US-Gericht bestätigt, dass das Chemieunternehmen einem Kläger 25 Millionen Dollar Schadenersatz zahlen muss. In der Klage geht es um durch das Pestizid Glyphosat ausgelöste Krebsrisiken.
taz.de: Bayer verliert Glyphosat-Prozess

Ernteschaden: Ein Forscherteam der Ludwig-Maximilians-Universität in München hat berechnet, wie sich der weltweite Temperaturanstieg auf die Erträge von Reis, Weizen, Mais und Soja auswirkt. Ergebnis: Erwärmt sich die Erde um bis zu 3,9 Grad, müssten auf bis zu 40 Prozent der globalen Anbauflächen neue Sorten angebaut werden – die es heute noch nicht gibt.
stuttgarter-nachrichten.de: Studie: Klimawandel macht neue Nutzpflanzen-Sorten notwendig

Forest-Trends-Studie: Für in Deutschland erhältliche Lebensmittel wird illegal Tropenwald abgeholzt. Das beweist die Studie der Umweltschutzorganisation Forest Trends. Als Beispiele nennt Zeit Online Rindfleisch aus Argentinien, Kakao aus Ghana, Kaffee aus Vietnam und Kautschuk aus Malaysia. Vor sieben Jahren war die Studie bereits schon einmal durchgeführt worden, seither hat sich die Lage noch verschlechtert. Von 2013 bis 2019 habe sich der Tropenwald um 77 Millionen Hektar verringert. Das entspricht der doppelten Fläche des deutschen Staatsgebiets.
zeit.de: Dieser Einkauf vernichtet ein Stück Tropenwald

Auch Ozeane binden CO₂, aber durch Überfischung und den Einsatz von Grundschleppnetzen wird diese Fähigkeit immer mehr beeinträchtigt.
heise.de: Übermäßiger Fischfang vermindert CO₂-Bindung durch Ozeane

„Meine Welt schmilzt“ ist der Titel des Buches, in dem die norwegische Journalistin Line Nagell Ylvisåker die Auswirkung der Klimakrise auf ihre Heimat Spitzbergen beschreibt. Im Vergleich zum Mittelwert erwärmt sich Spitzbergen noch schneller, so ist die Temperatur in zehn Metern Tiefe in den vergangenen 20 Jahren um 2 Grad gestiegen.
literaturkritik.de: Klimaschutz duldet keinen Aufschub

Bauen und Wohnen

Einen Gesetzentwurf für die Enteignung von Immobilienkonzernen hat die Initiative Deutsche Wohnen & Co. enteignen vorgelegt. Unklar bleibt dabei vorerst, wie hoch die Entschädigungen ausfallen sollen.
taz.de: Nicht zum Nulltarif

Macht's gut – und hier noch ein Podcast-Tipp: Louisiana versinkt im Meer – eine Reportage des Deutschlandfunks über die Klimakrise in den USA.
Hier geht's zur Übersichtsseite, der Podcast ist vom 20. Mai.