Buchtipp: Klimapolitik 2022 – das Klimajahr im Überblick

von Uwe

Studien, Fakten und Personen: Claus Obermeier blickt zurück aufs Klimajahr 2021.

Buchtipp: Klimapolitik 2022 – das Klimajahr im Überblick

Auf weniger als 100 Seiten fasst Claus Obermeier die aktuelle Lage in der deutschen Klimapolitik zusammen – wie er in der Einführung schreibt, für „ganz normale Menschen“. Tatsächlich bemüht sich der Dipl.-Geograph, die komplexen Zusammenhänge der Klimathematik verständlich aufzubereiten. Sein Ziel ist es, die Leser*innen davon zu überzeugen, dass wir „tiefgreifende strukturelle Reformen“ benötigen, um die Klimakrise einzudämmen. Als Beispiele nennt er den Energie- und vor allem den Verkehrssektor, in dem „ohne eine aktive Drosselung zum Beispiel über Preisinstrumente oder Rückbau der Infrastruktur“ die Klimaziele nicht erreichbar seien.

Was aber ist mit diesen Klimazielen gemeint? Zum einen stellt Obermeier dem Buch die Jahreszahl 2045 voran, also das Jahr, in dem Deutschland klimaneutral sein soll, auch auf Druck des Bundesverfassungsgerichts.

Zum anderen richtet Obermeier seinen Überblick am sogenannten 1,5-Grad-Ziel aus, wir sagen: an der 1,5-Grad-Grenze. Unter diesem Blickwinkel fasst er im ersten Kapitel die Klimaschutz-Passagen des Koalitionsvertrags der kommenden Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP zusammen (Seite 20ff). In Kapitel 2 folgt dann eine Untersuchung aktueller Studien unter dem Blickwinkel der darin geforderten gesellschaftlichen und sozialen Veränderungen. Obermeiers Vorwurf: Ob Wuppertal Institut, Boston Consulting Group oder  die Forscher*innen des Ariadne Report würden sich zu sehr auf technische Transformationen fokussieren. Dadurch gerieten die „grundlegenden strukturellen gesellschaftlichen, sozialen und wirtschaftlichen Änderungen im Zuge des Klimawandels aus dem Blick.“

Obermeier hat Bücher über Nationalparks und die Donauauen veröffentlicht, seine Nähe zum Natur- und Umweltschutz kommt auch in „Klimapolitik 2022“ zum Tragen. So gibt es im Buch einen Exkurs zu den Anfängen der Naturschutzbewegung in den USA in Verbindung mit einer kurzen Vorstellung ethischer Grundkonzepte (Anthropozentrik, Ökozentrik, Holismus, Ökohumanismus...).

Ganz überwiegend ist „Klimaschutz 2022“ allerdings ein Nachschlagewerk zur aktuellen Klimapolitik. Neben einem Rückblick von im Jahr 2021 erschienenen Studien enthält das Büchlein ein Personenverzeichnis, das sich allerdings auf Namen und Positionen relevanter Player rund um den Klimaschutz beschränkt – von Claudia Kemfert bis Greta Thunberg sind alle dabei. Auch die wichtigsten Organisationen werden kurz vorgestellt.

Insgesamt lässt sich daher sagen: Sein Ziel, einen Überblick über die Klima-Lage in Deutschland zu geben, erreicht Obermeier. Wer sich in einzelne Themen mehr vertiefen will, kann sich auf Basis seiner Zusammenfassung auf einzelne Studien stürzen. Der Autor plant, seine Übersicht jährlich zu erneuern

Der Autor: Claus Obermeier (*1971) studierte Geographie mit Diplomabschluss und ist hauptamtlicher Vorstand der Gregor Louisoder Umweltstiftung.

Weitere Infos und eine Bestellmöglichkeit für „Klimaschutz 2022“ gibt's auf blog2050.de (verlinkt leider auf Amazon). Das Buch ist nur als E-Book erhältlich und kostet 5 Euro.

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