COP26-Abschluss: zu wenig, zu spät, zu unkonkret

von Uwe

Was hat die COP26 für den Klimaschutz gebracht? Sagen wir es so: Wer wie Greta Thunberg keinerlei Erwartungen an die Weltklimakonferenz hatte, wurde nicht enttäuscht. Konkrete Zusagen? Fehlanzeige!

COP26-Abschluss: zu wenig, zu spät, zu unkonkret

Immerhin, das Offensichtliche scheint jetzt endlich auch bei den Mächtigen dieser Welt angekommen zu sein. In der Abschlusserklärung der COP26 wird festgestellt, dass die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas die Klimakrise verursacht hat. Sogar Subventionen für die Fossilen sollen gestrichen werden, allerdings nur „ineffiziente“ – ein Kompromiss-Adjektiv, das China, Indien und der Iran dem Rest der Welt in die Erklärung diktiert haben. Das trieb nicht nur Alok Sharma, dem COP26-Präsidenten, Tränen in die Augen.

Nichts Neues also, auch in Glasgow lautete die Devise: Ankündigen reicht. Sogar bei tagesschau.de, jegliches Klimaaktivismus unverdächtig, ist der Kommentar dazu überschrieben mit: „Wie erbärmlich“.

Natürlich ist es gut, dass geredet wurde. Und dass es eine grundsätzliche Bereitschaft der Weltgemeinschaft gibt, etwas gegen die Klimakrise zu unternehmen. Doch die tatsächlichen Initiativen, Selbstverpflichtungen und Bündnisse haben allesamt denselben fatalen Dreiklang in sich: zu spät, zu wenig, zu unkonkret.

Ja, in der Abschlusserklärung steht, dass schnell und entschieden gehandelt werden muss. Wir müssen da immer an Angela Merkel und die CDU/CSU denken, die genau dasselbe schon bei der ersten COP 1995 gesagt hat.

Wir wissen alle, was danach passiert ist und zitieren Greta Thunberg: „Bla Bla Bla“.

Emissionen steigen weiter

Jedenfalls soll nun bis 2030 die jährliche Menge an Treibhausgasen, die in die Atmosphäre gelangen, um 45 Prozent reduziert werden. Lang lebe der Konjunktiv. Und selbst wenn alle gute Absichten tatsächlich in Maßnahmen umgesetzt werden, landen wir laut tagesschau.de bei im günstigsten Fall bei 1,8 Grad Erderhitzung.   

Im nächsten Satz der Analyse wird es dann richtig bitter: „Schaut man dagegen auf die konkreten Ziele bis 2030, dann steigen die Emissionen bis dahin weiter an (plus 13,7 Prozent).“

Es geht sogar noch schlimmer: Bisher haben erst 151 Staaten neue und verschärfte Selbstverpflichtungen zum Ausstoß klimaschädlicher Emissionen abgegeben. Werden diese tatsächlich eingehalten, würde das immer noch eine Erderhitzung um 2,4 Grad bis 2100 bedeuten.

Die weiteren Ergebnisse in Kürze:

·      nicht bindende Initiativen, etwa zum Schutz der Wälder, zum Kohleausstieg und zum Verzicht auf finanzieller Förderung von fossilen Energien in anderen Ländern,

·      Verzicht auf Verbrennungsmotoren, dazu haben sich einige Staaten mit kaum relevanter Autoindustrie (also nicht Deutschland) sowie sechs Hersteller (auch Mercedes-Benz) verpflichtet,

·      Methan-Initiative von fast 100 Staaten, vorgestellt von der EU und US-Präsident Joe Biden,

·      Erneuerung der Zusage der Industriestaaten von 100 Milliarden US-Dollar jährlich für Klimaschutz in ärmeren Ländern, die Mittel für Anpassungsmaßnahmen sollen verdoppelt werden,

·      Einrichtung eines Sekretariats, dass Gelder sammelt, mit denen Entwicklungsländer durch die Klimakrise verursachte Schäden (Extremwetter) beseitigen können,

·      Zusammenarbeit USA – China beim Klimaschutz,

·      keine Doppelzählung von eingesparten CO2-Emissionen in Geber- und Nehmerländern, wie ursprünglich von einigen Staaten gefordert.

All diese Trippelschritte bringen uns an den Rand der Verzweiflung, weil sie im Endeffekt das Grundproblem in der Klimakrise deutlich machen: Politiker*innen halten die nahende Katastrophe für verhandelbar. Es wird geschachert, geblufft, gefordert, versprochen – aber kaum gehandelt. Dass es auch anders geht, hat die Corona-Pandemie gezeigt.

Jetzt aber steht die Zukunft unserer Zivilisation in Frage. Und die Politik liefert keine ausreichenden Antworten.

Wohnzimmer unter Wasser

Symptomatisch dafür ist es, wenn Svenja Schulze (SPD), die deutsche Bundesumweltministerin, sagt: "Glasgow bringt eine deutliche Beschleunigung für den Klimaschutz...“.

Die 2020er-Jahre seien das Jahrzehnt, in dem die Weltgemeinschaft die entscheidenden Fortschritte machen könne und müsse, hofft Schulze. Dasselbe hätte sie in jedem Jahrzehnt seit den 1970er Jahren sagen können. Recht hat sie allerdings damit: „Ziele sind wichtig für den Klimaschutz, aber Wirklichkeit wird der 1,5 Grad-Pfad nur, wenn man ihn gemeinsam geht und praktisch umsetzt.“

Damit ist der Auftrag für die nächste Bundesregierung klar. Glasgow hin, Cop26 her, wir brauchen in Deutschland ein vorbildhaftes Sofortprogramm zur Klimarettung, den Kohleausstieg bis 2030 inklusive. Denn, so UN-Generalsekretär António Guterres, „die Klimakatastrophe steht weiter vor der Tür.“

Naja, eigentlich setzt sie schon unser Wohnzimmer unter Wasser. Darum hat Greta Thunberg recht, wenn sie darauf hinweist, dass die eigentliche Arbeit nicht auf der COP26 stattfindet. Wir müssen weiter auf der Straße und durch politische Arbeit den Druck auf die Regierungen hochhalten.

Dazu braucht es die starke Klimabewegung und als Teil davon die Klimaliste. Die COP26 ist vorbei, die Krise bleibt – und es geht immer noch um jedes Zehntelgrad.

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