Klimakrise in Deutschland: Wie wir 2050 leben werden

von Uwe

Hitze, Hochwasser, Trockenheit: Der Sommer 2021 macht deutlich, was uns droht, wenn die Erderhitzung nicht bei 1,5 Grad gestoppt wird. Forscher*innen warnen: „Wir müssen jetzt die Entwicklung aufhalten, bevor es zu spät ist.“

Klimakrise in Deutschland: Wie wir 2050 leben werden

Das sagt zum Beispiel Ralf Merz, Hydrologe des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ). Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) kommt in einer aktuellen Studie für die Deutsche Bahn zu Ergebnissen, die sofortigen Handlungsbedarf wecken sollten. „Die vorgestellten Daten ... zeigen Klimarisiken für ganz Deutschland“, warnt PIK-Direktor Ottmar Edenhofer.

Hier ein kurzer Blick darauf, was uns hierzulande bis 2050 erwartet:

1. Sommer werden heißer und trockener. Das belegt die PIK-Studie (s. Grafik) ebenso wie Analysen des German Institute for Climate Services (Gerics). Dort können etwa Klimaprognosen für einzelne Landkreise verglichen werden.

2. Die Landwirtschaft muss sich auf trockene Böden und Extremwetter einstellen. Starke Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen machen den Anbau von Getreide, Obst und Gemüse zum Glücksspiel. Im Prinzip müssen Landwirte die Aussaat aufteilen in Sorten, die hitzeresistent sind und in solche, die Nässe vertragen. Das könnte die künftigen Erträge um die Hälfte reduzieren. "In der Landwirtschaft müssen wir auf Sorten setzen, die mit starken Temperatur- und Feuchtevariationen zurechtkommen", sagt Gerics-Direktorin Daniela Jacob. Dazu sorge die Wasserknappheit für weitere Probleme.

3. Flutkatastrophen wie in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen werden künftig häufiger auftreten. Der Jetstream, der die Hoch- und Tiefdruckgebiete antreibt, hat sich durch die Klimakrise verändert. Die Folge: längere Perioden, in denen sich das Wetter nicht ändert. Ein Tief kann statt zwei Tagen gleich mehrere Wochen für Regen sorgen. Ralf Merz vom UFZ rechnet damit, dass die Bedrohung durch Hochwasser insbesondere in Nord- und Westeuropa bis 2050 zunehmen wird.

4. Die Klimakrise macht krank. Wie in Kanada und den USA zu beobachten ist, gefährden Hitzewellen unsere Gesundheit. Ist es zu heiß, kommt der Körper nicht richtig zur Ruhe, die Leistungsfähigkeit nimmt ab. Andreas Marx, Leiter des Mitteldeutschen Klimabüros am UFZ, geht davon aus, dass die Hitze das Gesundheitssystem zusätzlich belasten wird. Die Folge seien etwa Kreislauferkrankungen. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes gab es 2019 allein in Baden-Württemberg etwa 1.700 Tote durch hohe Temperaturen.

Abschließend ist festzuhalten, dass aktuell berechnete Prognosen in den genannten Bereichen keine Effekte durch mögliche Kipppunkte abbilden. Die Forscher*innen gehen zudem davon aus, dass die jetzt bereits sichtbaren Probleme sich durch Maßnahmen zum Klimaschutz höchstens abmildern lassen. Die Erde hat sich im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter bereits um 1,2 Grad erhitzt, in Deutschland liegt sie sogar bereits bei 1,6 Grad.

Die Forschungsergebnisse machen aber auch deutlich, dass jedes Zehntelgrad weniger zählt. Angesichts der aktuell weltweit spürbaren Auswirkungen der Klimakrise sind daher Sofortmaßnahmen zur Reduktion der klimaschädlichen Emissionen und ein Umsteuern hin zu einer klimafreundlichen Wirtschaft unverzichtbar.

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