Umgang mit Lebensmitteln – unsere Antworten an Foodsharing

von Jonathan Neuhauser

Die Initiative Foodsharing engagiert sich gegen Lebensmittelverschwendung. Sie verwertet überproduzierte Produkte und kämpft gegen den „Verpackungswahnsinn der Supermärkte“. Wir haben die Wahlprüfsteine von Foodsharing beantwortet.

Umgang mit Lebensmitteln – unsere Antworten an Foodsharing

Frage 01: Reduktion der Lebensmittelverschwendung

Im Jahr 2015 hat Deutschland in den Sustainable Development Goals mit der UNO eine Reduktion der Nahrungsmittelverschwendung um 50% bis 2030 vereinbart (UNO SDG Ziel 12 3). Was sind die drei wichtigsten Maßnahmen, die Sie im Bundestag umsetzen wollen, um dieses Ziel zu erreichen?

Wir setzen uns für verschiedene Maßnahmen zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung ein. Unsere Top-3-Maßnahmen sind:

1. Ähnlich wie bei Klimazielen reicht es nicht aus, ein Gesamtziel vorzugeben – die 50%-Reduktion muss auf Sektoren aufgeteilt werden, verbindliche Reduktionspläne müssen aufgestellt und überwacht werden.

2. Analog zu bestehenden Gesetzen in anderen europäischen Ländern soll der Lebensmitteleinzelhandel dazu verpflichtet werden, nicht mehr verkaufbare, aber noch genießbare Lebensmittel an die Tafeln oder andere sogenannte „Foodsharing“-Einrichtung zu spenden. Insbesondere soll auch die Rechtssicherheit für spendende und weiterverwendende Organisationen verbessert werden, womit auch die Kantinen und die Primärerzeugung eingebunden werden.

3. Zur vollständigen Betrachtung der Problematik gehört auch die Feststellung, dass etwa 52% der Lebensmittelanfälle im privaten Haushalt entstehen (ggü. 4% im Groß- und Einzelhandel, Thünen-Institut 2019). Besonders groß ist der Schaden in Form von Flächen- und Ressourcenverbrauch sowie Klimaschäden bei tierischen Produkten, weshalb wir eine deutliche Reduktion von Produktion und Verbrauch solcher Lebensmittel anstreben und darüber hinaus über einen wirksamen CO2-Preis eine höhere (finanzielle) Wertschätzung dieser Produkte realisieren wollen.

Frage 02: Zukunftsfähigkeit des Agrarwirtschafts- und Ernährungssystems

Etwa drei Milliarden Menschen leiden nach Angaben der Welthungerhilfe an Hunger. Unser Konsumverhalten, insbesondere durch Verschwendung von Lebensmitteln und Ressourcen, ist mitverantwortlich für den Hunger auf der Welt. Das auf stetiger Überproduktion und Ausbeutung von Mensch und Natur basierende industrielle Agrarsystem führt dazu, dass global etwa ein Drittel aller Lebensmittel vernichtet werden und nicht auf den Tellern landet. Mit welchen Maßnahmen wollen Sie hieran etwas ändern?

Der Wandel zu einer nachhaltigen, ressourcenschonenden Landwirtschaft kann nur Hand in Hand mit einer Ernährungswende gelingen. Aktuell trägt die Produktion und der Transport von Ernährungsgütern (Lebensmittel, Tierfutter etc.) mit rund 1.100 kg CO2-Äquivalenten pro Person pro Jahr einen entscheidenden Teil zu den Treibhausgasemissionen Deutschlands bei.

Die Klimaliste Baden-Württemberg setzt sich für einen Wandel der vorherrschenden Ernährungsmuster hin zu einer gesunden und nachhaltigen Ernährung ein.

Frage 03: Gesetzlicher Wegwerfstopp

In Frankreich wurde 2016 ein gesetzlicher Wegwerfstopp, das “Loi Garot”, eingeführt. Mit dem Gesetz wird der Lebensmitteleinzelhandel – und seit 2019 auch die Gemeinschaftsgastronomie sowie die Lebensmittelindustrie – dazu verpflichtet, Lebensmittel weiterzugeben, statt wegzuwerfen. Inwiefern halten Sie ein solches Gesetz auch in Deutschland für sinnvoll und werden Sie sich für die Einführung solcher Vorgaben in Deutschland einsetzen?

Ja, wie bereits unter Frage 01 geschildert, setzen wir uns für ein vergleichbares Gesetz ein. Dieses kann jedoch nur ein kleiner Baustein zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung sein.

Frage 04: Ernährungsbildung und Vermittlung von Kenntnissen im Umgang mit Lebensmitteln

Wie wollen Sie die Wertschätzung von Lebensmitteln innerhalb der Bevölkerung erhöhen und mehr Kenntnisse im Umgang mit Lebensmitteln (wie z.B. Lagerung) vermitteln?

Im Kampf für den Klimaschutz ist Bildung ein wichtiger Schlüssel. Im schulischen Bereich befürworten wir einen Pflichtunterricht zur Klimakrise, der auch Ernährungsbildung beinhaltet. Durch einen wirksamen CO2-Preis, der die Umweltfolgekosten abbildet, steigt der Preis tierischer Produkte erheblich, was gleichzeitig zu einer höheren Wertschätzung dieser führt.

Frage 05: Das Mindesthaltbarkeitsdatum

Lebensmittel sind in der Regel auch noch nach Ablauf ihres MHDs genießbar, werden jedoch häufig aufgrund der Überschreitung des Datums weggeworfen. Wie schätzen Sie das Problem ein und welche Maßnahmen befürworten Sie, um diesem entgegenzuwirken?

Besonders bei Saisonware und lang haltbaren Produkten wie Reis oder Salz führt das Mindesthaltbarkeitsdatum zu unnötigen Verlusten. Hier können sowohl verpflichtende Hinweise auf den Produktverpackungen sowie aktive Verpackungen Abhilfe schaffen, die etwa Frischeindikatoren beinhalten.

Frage 06: Haftungsregelungen

In Italien wurde durch die Einführung des „Guten Samariter“-Gesetzes ermöglich, dass lebensmittelrettende Organisationen nicht als Lebensmittelunternehmen, sondern als Endabnehmer eingestuft werden, was sowohl Spender als auch Empfänger von etwaigen Haftungsansprüchen entlastet. Werden Sie sich als Abgeordnete*r für eine Klärung von Haftungsfragen einsetzen?

Lebensmittelretter*innen müssen von der Rechtslage unterstützt, nicht behindert werden. Eine Klärung der Haftungslage ist daher dringend notwendig. Dies gilt nicht nur für verwertende Organisationen, sondern auch für z.B. Fairteiler sowie das Containern.

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