Klima-Links der Woche: Gletscher-Kollaps und Qualprogramm

von Uwe

Im Wochenrückblick geht es um den Bürger*innenrat Klimaschutz, Kipppunkte und das Klimapaket der Bundesregierung. Außerdem: Motorroller, Grillfleisch, Wölfe und ein klimaneutrales Bauprojekt in Esslingen.

Klima-Links der Woche: Gletscher-Kollaps und Qualprogramm

Themenfelder der Woche: Wissenschaft, Politik, Geld und Gerechtigkeit, Aktionen, Energie, Mobilität, Umwelt und Ernährung, Bauen und Wohnen.

Wissenschaft

Wird ein Klima-Kipppunkt erreicht, könnte dies auch weitere Kipppunkte auslösen. Am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung wurden Wechselwirkungen von Eisschilden, der Zirkulation des Atlantik und des Regenwaldes im Amazonas untersucht. Ergebnis: Schon bei einer Erderhitzung um weniger als zwei Grad kann es „Domino-Effekte“ geben.
zeit.de: „Wie Dominosteine, die sich gegenseitig zu Fall bringen“

Der 180-Billionen-Tonnen-Gletscher „Pine Island“ in der Westantarktis droht zu kollabieren. Auch das könnte einen „Domino-Effekt“ auslösen.
taz.de: Antarktis vor dem Kippen

Der globale Temperaturanstieg wird dadurch verstärkt, dass die Erde immer mehr Wärme speichert. Zwischen 2005 und 2019 hat sich die Energiemenge verdoppelt, die in der Erde gespeichert ist. Das haben Wissenschaftler*innen von NASA und NOAA ermittelt.
spiegel.de: Die Erde speichert fast doppelt so viel Wärme wie 2005

Politik

Der Bürger*innenrat Klimaschutz hat die Ergebnisse seiner Beratungen vorgestellt. Durchaus überraschend: 76 Prozent der 160 Mitglieder fordern, weitgehend auf Milch- und Fleischprodukte zu verzichten. Ein Leitsatz, den das Gremium erarbeitet hat, lautet: „Das 1,5-Grad-Ziel hat oberste Priorität.“ Insgesamt hat der Bürge*innenrat 75 Empfehlungen befürwortet, nur eine Citymaut wurde abgelehnt. Verbrenner sollen bis 2030 verboten werden, Flugtickets teurer werden. Der Kohleausstieg soll auf 2030 vorgezogen werden. Auch für ein Tempolimit von 120 km/h auf Autobahnen fand sich eine knappe Mehrheit.
sueddeutsche.de: Billiges Fleisch? Eher verzichtbar

Harsche Kritik am Wahlprogramm von CDU/CSU hagelte es diese Woche. Bemängelt wurden vor allem fehlende Details bei der Umsetzung von Maßnahmen sowie unrealistische finanzielle Versprechungen und ein angeblicher Verzicht auf Steuererhöhungen, dazu das Festhalten an der Schuldenbremse. Passt alles nicht zusammen, aber wie immer setzen die Unionsparteien darauf, dass Wahlprogramme ohnehin nicht gelesen werden.
spiegel.de: Warum CDU und CSU keine Klimaschutzparteien sind

Unser Mitglied Guido Mennicken ist zutiefst frustriert über die realitätsferne Politik von CDU/CSU.

Nachbessern im Detail: Die Koalition im Bund hat das Klimaschutzpaket beschlossen. Ziel ist es, Deutschland bis 2045 klimaneutral zu machen. Die Opposition spricht von „Zaghaftigkeit“ und „Überforderung“, ihr gehen die Pläne nicht weit genug.
tagesschau.de: Klima-Sofortprogramm beschlossen

Die „Klimareporter“ legen eine detaillierte Analyse aktueller Vorhaben von Schwarz-Rot vor – Fazit: „Minikonsens bei Sonne, Wind und Wasserstoff“

Brasilien fordert Doppelzählungen beim Klimaschutz, und dieser Trick, bei dem sich gleich zwei Länder Treibhausgasreduktionen anrechnen lassen können, ist nur eines der Probleme, welche die Vorbereitungen zur Weltklimakonferenz in Glasgow belasten.
taz.de: Viel Arbeit für Glasgow

Geld und Gerechtigkeit

Was bedeutet Klimagerechtigkeit? Alle Infos zu unserer Diskussionsveranstaltung mit Vorträgen von Dr. Nicole Aeschbach und Dr. Stephan Wolf am morgigen Samstag findet Ihr hier.
klimaliste-bw.de: Was bedeutet Klimagerechtigkeit

In der Antarktis zählt nur, was die Staaten des globalen Nordens wollen, kritisiert Klimaaktivistin Carola Rackete. Als Beispiel nennt sie den Konflikt um einen Flughafen, den Australien bauen will und der das Ökosystem bedrohe. Rackete sieht die Antarktis als Ort, an dem „Klimagerechtigkeit viel stärker eingefordert“ werden müsse.
taz.de: „Kolonialistische Herangehensweise“

Aktionen

Zurück auf der Straße: Fridays for Future hat in mehr als 30 Städten für Maßnahmen gegen die Klimakrise demonstriert. Die Proteste sollen ab sofort wieder wöchentlich stattfinden.
tagesschau.de: Sie streiken wieder

Energie

Streit um Ausbau der Solarenergie in der GroKo: Die SPD ist für eine Photovoltaik- oder Solarthermie-Pflicht für Neubauten, die CDU ist dagegen.
taz.de: Noch weniger Klimaschutz

Die Landeshauptstadt Stuttgart hat enormen Nachholbedarf, was den Ausbau erneuerbarer Energien angeht. Das sagt Volker Kienzlen, Chef der Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA).
stuttgarter-nachrichten.de: Klimaschutz hat in Stuttgart offenbar noch Luft nach oben

Finger weg vom fossil erzeugten Wasserstoff! Der Sachverständigenrat für Umweltfragen, dessen Mitglieder die Bundesregierung beraten, hat den Plänen für Import und Nutzung von Wasserstoff aus fossilen Quellen eine klare Absage erteilt.
taz.de: „Eindeutig falsche Richtung“

Nur 16 Prozent Ökostrom: Nordrhein-Westfalen ist in Deutschland Schlusslicht, wenn es um die Versorgung mit klimafreundlicher Energie geht.
taz.de: Rote Laterne für Laschet

Mobilität

Wichtige Themen ausgespart: Das Fahrrad- und Nahmobilitätsgesetz in Nordrhein-Westfalen ist das erste seiner Art in Deutschland. Trotzdem erntet CDU-Landesverkehrsminister Hendrik Wüst heftige Kritik von Umweltverbänden und Aktivisti für seinen Entwurf.
taz.de: Schwarz, gelb, mutlos

Piaggio, Hersteller von Motorrollern, will mit auswechselbaren Batterien den Markt aufrollen: Fahrer*innen sollen an E-Scooter-Tankstellen einfach leere gegen volle Batterien austauschen können.
tagesschau.de: Piaggios elektrische Zukunft

Umwelt und Ernährung

Die europäische Agrarpolitik schadet dem Klima. Der Rechnungshof der EU macht dafür hauptsächlich die Viehhaltung verantwortlich. Die Prüfer bemängeln, dass die Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft seit 2010 nicht zurückgegangen sind. Dabei seien ein Viertel aller EU-Agrarausgaben, also mehr als 100 Milliarden Euro, für den Klimaschutz geplant gewesen.
taz.de: Schlechte Noten für EU

Grillfleisch ist in Supermärkten günstiger als Fleischersatzprodukte. Das hat laut der Umweltorganisation WWF drastische Folgen, etwa aufgrund der Zerstörung von Lebensräumen zugunsten der Futterproduktion.
tagesschau.de: Ist Grillfleisch zu billig?

Teilerfolg für Bayer: Die EU-Kommission hat eine Studie vorgelegt, wonach der Unkrautvernichter Glyphosat gesundheitlich unbedenklich ist. Beobachter*innen rechnen trotzdem nicht damit, dass das Mittel in Deutschland noch einmal zum Einsatz kommen kann.
tagesschau.de: Geprüft und unerwünscht

In den USA ist erneut eine Klage gegen Bayer wegen Glyphosat eingereicht worden.

Einen handfesten Shitstorm hat sich Julia Klöckner mit der Forderung eingehandelt, mehr Wölfe abschießen zu lassen. Ihre Begründung: Sie verstehe, dass Eltern um ihre Kinder besorgt seien. In Deutschland ist seit 40 Jahren kein Mensch durch Wölfe ums Leben gekommen. Kritiker*innen weisen zudem auf ein gewaltiges Missverhältnis hin: Klöckner will Schafe schützen, tut aber nichts gegen die untragbaren Zustände bei der Massentierhaltung in der Fleischindustrie.
taz.de: Klöckner will mehr Wölfe abschießen

Nachhaltiger Tourismus braucht unabhängige Zertifikate: Veröffentlicht werden sie zum Beispiel beim europäischen Netzwerk Ecotrans. Allerdings ist die Nachfrage aktuell noch nicht sehr hoch.
taz.de: Wie Zertifikate helfen können

Das Great Barrier Reef soll auf die Rote Liste des gefährdeten Welterbes gesetzt werden. Die australische Regierung protestiert dagegen, weil sie um den Tourismus fürchtet.
taz.de: Von schlecht zu sehr schlecht

Staudämme tragen zum Insektensterben bei. Das haben Forscher*innen am Beispiel des Wasserkraftwerks Itaipu herausgefunden. Das Kraftwerk versorgt große Teile Brasiliens und Paraguays mit Strom.
spektrum.de: Insektensterben durch Staudämme

Bauen und Wohnen

Der Volksentscheid zur Enteignung kommt. Jede*r Zehnte hat in Berlin für das Volksbegehren „Deutsche Wohnen und Co. enteignen“ unterschrieben – ein klares Signal an Politik und Immobilienkonzerne.
taz.de: Ansage an Politik und Wirtschaft

Video-Tipp: „Neue Weststadt“ in Esslingen. Auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs soll ein klimaneutrales Stadtquartier entstehen. Zum Einsatz kommt neben Photovoltaik auch Wasserstoff, der vor Ort produziert werden soll.
swr.de: Weststadt von Esslingen wird klimaneutrales Stadtquartier

Hohe Preise und Lieferengpässe beim Bauholz haben Wirtschaftsminister Peter Altmaier auf den Plan gerufen. Er plant, wieder mehr gesunde Fichten fällen zu lassen. In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu wissen, dass ein großer Teil des heimischen Holzes exportiert wird, insbesondere nach China.
tagesschau.de: Altmaier will mehr Fichten fällen lassen

Auch über die in der vergangenen Woche gegründete bundesweite Klimaliste wird aktuell berichtet.

Wir hätten uns allerdings gewünscht, die Journalist*innen hätten die offizielle Pressekonferenz abgewartet. Dann wären uns spekulative Beiträge wie der hier vielleicht erspart geblieben.
rnd.de: Die Klimaliste ist jetzt auch Bundespartei – was nun, Grüne?

Zitat der Woche
„Die indigenen Völker bleiben bei diesem typisch kapitalistischen Arrangement außen vor, da es die Aufgabe hat, die zunehmend gefährdeten Ökonomien und deren Märkte zu retten, und nicht das Klima oder irgendeine andere sozioökologische Realität auf dem Planeten. Ich sehe eine ernsthafte Besorgnis der globalen Leader, die das Risiko für die Grundlage ihrer Volkswirtschaften erkennen. Doch worum geht es dabei? Um eine weitere Wiederaufnahme des Wirtschaftswachstums und wenig Aufmerksamkeit für die Wiederherstellung des Planeten.“
Ailton Krenak, indigener Aktivist, über den Global Green New Deal

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