Klima-Links der Woche: Greenwashing und trockene Flüsse

von Uwe

(Foto von Andy Atkins von Pexels)

Im Wochenrückblick geht es um den Grünen-Parteitag, Kipppunkte in der Antarktis und um das Klima als Fluchtursache. Außerdem: heiße Luft von Olaf Scholz und das Tempolimit. 

Klima-Links der Woche: Schluss mit den Ausreden!

Themenfelder der Woche: Wissenschaft, Politik, Geld und Gerechtigkeit, Aktionen, Energie, Mobilität, Umwelt und Ernährung.

Wissenschaft

Das Südpolarmeer und damit die Antarktis nähern sich gleich mehreren Kipppunkten. Das haben Wissenschaftler*innen des US-Thinktanks Wilson Center Polar Institute ermittelt. Sie warnen vor einem Dominoeffekt, der zu weltweiten Auswirkungen führen könnte, wenn sich fünf laufende Prozesse nicht stoppen lassen: der Anstieg der Ozeantemperaturen, der Verlust von Lebensraum und Artenvielfalt, die Versauerung des Meeres, die abnehmende CO2-Speicherleistung des Meeres und die Zerstörung von Ökosystemen weltweit.
taz.de: Domino in der Arktis

Die „Polarstern“ ist seit acht Monaten von ihrer Arktisexpedition zurück. Jetzt haben Meeresforscherin Stefanie Arndt und die anderen Wissenschaftler*innen erste Erkenntnisse ausgebreitet. So hat die Klimakrise dazu geführt, dass das Eis nur noch halb so dick ist wie vor 130 Jahren.
tagesschau.de: Schlechte Nachrichten aus der Arktis

Politik

Nachlese zum Grünen-Parteitag:

Mit 98,5 Prozent der Stimmen wurde Annalena Baerbock zur Kanzlerkandidatin gekürt.

Im Wahlprogramm fordern die Grünen unter anderem einen höheren Mindestlohn und mehr Geld für Hartz-IV-Empfänger*innen

Das Wahlprogramm wurde mit 98 Prozent Zustimmung verabschiedet

Fazit der taz: Die Grünen demonstrierten Einigkeit und Pragmatismus

Unsere Kritik am Wahlprogramm der Grünen im Bund: Mit dem auf dem Parteitag beschlossenen Programm verabschiedet sich die vermeintlich ökologische Partei deutlich vom 1,5-Grad-Limit.

Und Annalena Baerbock plant Klimaschutzverträge mit der Industrie.

Weitere Themen:

Klimawahlkampf ist das eine – Handeln etwas völlig anderes. Wer bei der Bundestagswahl CDU/CSU oder SPD wählt, muss damit rechnen, dass Klimaziele und Ankündigungen schnell wieder vergessen werden. Das zeigt schon die Benzinpreis-Debatte um Annalena Baerbock.
taz.de: Viele leere Versprechen

Auch das von BUND, NABU und dem Dachverband DNR vorgelegte Sofortprogramm zum Klimaschutz hat daher keine Chance, umgesetzt zu werden.

Kanzlerkandidat Olaf Scholz positioniert die SPD als Partei der Energiewende. In diesem Zusammenhang attackierte er neben der CDU auch die Grünen, etwa weil sie sich zu wenig für den Windkraftausbau einsetzen würden. Mit den Fakten nimmt er es dabei nicht immer genau.
tagesschau.de: Scholz-Sturm oder laues Lüftchen?

Die Schweizer*innen haben dem Klimaschutz eine Absage erteilt: Am vergangenen Sonntag stimmten sie gegen ein Gesetz, mit dem sich die Emissionsziele hätten leichter erreichen lassen. Außerdem gegen einen Bann für synthetische Pestizide in der Landwirtschaft und gegen einen Subventionsstopp für Bauern, die unsauberes Trinkwasser verwenden.
taz.de: Nein! Nein! Und noch ein Nein!

Geld und Gerechtigkeit

Auf dem G7-Gipfel wurde vor allem eines deutlich: Die sieben Industriestaaten halten ihre Versprechungen nicht ein. 100 Milliarden US-Dollar sollten ab 2020 jährlich für die Staaten im globalen Süden bereitgestelltwerden, um den Klimaschutz zu fördern. Nach aktuellem Stand fehlen etwa 40 Milliarden.
taz.de: Neues Geld, alte Versprechen

Fluchtursachen zu bekämpfen, bedeutet Klimagerechtigkeit: Die Folgen der Erderhitzung treiben schon heute Menschen in die Flucht. Dieser Beitrag zeigt auf, welche Regionen besonders betroffen sind und wer für die Fluchtursache Klimakrise verantwortlich ist – hauptsächlich die reichsten zehn Prozent der Weltbevölkerung.
mosaik-blog.at: Warum wir anders übers Klima als Fluchtursache sprechen müssen

Aktionen

B312-Blockade: Etwa 200 Aktivisti von Fridays for Future haben in Reutlingen für wirksamen Klimaschutz demonstriert. Dabei blockierten sie zeitweise auch die B312, die von Pfullingen auf die Schwäbische Alb führt.
swr.de: Fridays for Future-Demonstrierende blockieren B312 in Reutlingen (Video)

Baumbesetzungen: Im Freiburger Westen sollen für den Bau eines neuen Wohngebiets 4,5 Hektar Wald gerodet werden. Die Proteste laufen, unter anderem wurden auch Bäume besetzt.
swr.de: Protest gegen Waldrodung: Junge Menschen besetzen Bäume (Video)

Energie

Der Emissionshandel in der EU wirkt, sagt zumindest Jürgen Landgrebe, Leiter der Deutschen Emissionshandelsstelle beim Umweltbundesamt. Die deutschen Kraftwerke hätten 2020 15 Prozent weniger CO₂ ausgestoßen als 2019. Der Preis pro Tonne CO₂ liegt aktuell bei über 50 Euro.
tagesschau.de: EU-Emissionshandel zahlt sich aus

Greenwashing beim Wasserstoff: Hydrogen Europe ist eine der einflussreichsten Lobbygruppen für den Einsatz von Wasserstoff. Aktuell versucht die Gruppe, bei der EU die Standards für klimafreundlich produzierten Wasserstoff aufzuweichen.
globalwitness.org: Greenwashed Hydrogen

Mobilität

Ein Tempolimit auf Autobahnen wäre gut fürs Klima. CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet ist anderer Meinung, aber eine Studie des Bundesumweltamtes belegt: Mit einem Tempolimit von 130 Kilometern pro Stunde könnten die Treibhausgasemissionen um jährlich 1,9 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente reduziert werden. Bei einem Tempolimit von 120 km/h wären es 2,6 Millionen Tonnen und bei 100 Kilometern pro Stunde sogar 5,4 Millionen Tonnen.
tagesschau.de: Langsam zu mehr Klimaschutz

Das Ende des Verbrenners naht: 2045 soll der CO₂-Ausstoß auf Null sinken, das könnte zu einem baldigen Ende der Neuzulassungen führen, weil Autos in Deutschland eine durchschnittliche Lebensdauer von 15 Jahren haben.
spiegel.de: Warum der Verbrennungsmotor schneller am Ende ist, als viele denken

Die Bahn beschleunigt nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Generationengerechtigkeit ihre Fahrt in Richtung Klimaneutralität: Statt wie ursprünglich geplant erst 2050 will sie nun bereits 2040 eine ausgeglichene CO₂-Bilanz vorweisen.
stuttgarter-nachrichten.de: Bahn strafft ihren Klima-Zeitplan

Einen deutlichen Anstieg des CO₂-Preises fordert Dirk Messner, Präsident des Umweltbundesamtes. Eine Lenkungswirkung werde erst bei einem Preis von mehr als 100 Euro erzielt.
tagesschau.de: „Der CO₂-Preis wird steigen müssen“

CO₂-Schleudern im Fuhrpark: 191 Gramm CO₂ stößt der Audi A8 Diesel von Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner aus. Pro Kilometer. Das ist Spitze, aber auch die anderen Dienstwagen der Bundesregierung sind nicht gerade klimaneutral. Einzige Ausnahme: der Mercedes EQC 400 von Umweltministerin Svenja Schulze. Sie fährt allerdings auch noch einen BMW 745.
spiegel.de: CDU-Ministerin Klöckner fährt den klimaschädlichsten Dienstwagen

Umwelt und Ernährung

Die „Klimawirkungs- und Risikoanalyse“ des Bundesumweltministeriums lässt keinen Zweifel daran: Deutschland leidet bereits jetzt an den Folgen der Erderhitzung. Am meisten gefährdet seien die Bereiche Landwirtschaft, Forst, Küsten und Fischerei heißt es in der von 25 Behörden aus neun Ministerien zusammengetragenen Studie. In 32 von insgesamt 100 Punkten bestehe dringender Handlungsbedarf, etwa bei Bodenerosion, Feuchtgebieten, Waldbrandgefahr oder Schutz vor Hochwasser.
taz.de: 1,5-Grad-Ziel? Schon verfehlt!

Die Klimakrise ist eine der Ursachen dafür, dass bis zu 60 Prozent aller Flüsse weltweit zeitweise kein Wasser mehr führen, etwa der Nil oder der Rio Grande. Auch intensive Landnutzung und Ressourcenverbrauch führen zur Austrockung.
sueddeutsche.de: Wenn nichts mehr fließt

Bauen und Wohnen

Der Spitzenverband der deutschen Wohnungswirtschaft GdW fordert eine Subventionierung für Klimaschutzmaßnahmen. Günstiger Wohnraum dürfe nicht wegsaniert werden, sagt GdW-Präsident Axel Gedaschko. Wir meinen: Wie wäre es denn, wenn die Sanierungskosten nicht immer automatisch an die Mieter weitergegeben würden?
stuttgarter-nachrichten.de: Teurer Klimaschutz: Wohnungswirtschaft fordert Zuschuss

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