Klima-Links der Woche: Kippt der Golfstrom?

von Uwe

Im Wochenrückblick geht es um Bedrohliches zum Golfstrom, Feuer am Mittelmeer und das Sofortprogramm der Grünen. Außerdem: jede Menge Protestaktionen. Schönes Wochenende!

Klima-Links der Woche: Kippt der Golfstrom?

Wissenschaft

Klimaforscher fürchtet um den Golfstrom: Die „Fernheizung Europas“ ist Teil der Atlantischen Meridionalen Umwälzzirkulation (AMOC), die im vergangenen Jahrhundert deutlich an Stabilität verloren hat. Das hat der Klimaforscher Niklas Boers vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) laut einem Bericht im Fachmagazin „Nature Climate Change“ festgestellt. In der Folge könnte Europa sich womöglich abkühlen, während über dem Atlantik Wirbelstürme zunehmen würden.
sueddeutsche.de: Golfstrom könnte vor dem Umkippen stehen

Bis zu acht Milliarden Tonnen Eis pro Tag schmelzen aktuell täglich in Grönland ab. Polarforscher*innen führen das auf hohe Temperaturen zurück: Im Norden Grönlands werden derzeit 20 Grad Celsius gemessen, ein doppelt so hoher Wert wie im Durchschnitt.
spiegel.de: Grönländischer Eisschild schmilzt massiv ab

Die Hitzewelle in Sibirien könnte dazu geführt haben, dass im vergangenen Jahr große Mengen Methan aus dem Permafrostboden freigesetzt wurden. Das hat eine Forschungsgruppe um den Geologen Nikolaus Froitzheim mithilfe von Satellitenbildern ermittelt. Die Studie ist allerdings nicht unumstritten, da sie nur Zahlen aus 2020 und 2021 berücksichtigt, so dass eine Zunahme nicht verifiziert werden kann. Methan-Emissionen sind generell schwer zu ermitteln.
taz.de: Hinweise auf Methan-Lecks

Geld und Gerechtigkeit

Die „Hitzemord-These“ stellt Autor Michael Blume in diesem Blogbeitrag vor. Er beschreibt, dass die Klimakrise aktuell bereits große Teile der Welt zerstört, vom Nahen und Mittleren Osten bis Afrika. Die Folgen seien katastrophal: „Temperaturen steigen, Wasser wird knapp, Landwirtschaft, Stromnetze und schließlich Staaten brechen zusammen.“ Der Kampf ums Überleben führe zu Gewalt, Vertreibungen und Genoziden.
scilogs.spektrum.de: Die Hitzemord-These – Wie die Klimakrise auch den Genozid am Ezidentum befeuert

Politik

Mit einem 100-Tage-Sofortprogramm wollen die Grünen den Klimaschutz voranbringen, sollten sie an der neuen Bundesregierung beteiligt sein. Neben einem schnelleren Ausbau der erneuerbaren Energien und einem vorgezogenen Aus für Kohlekraftwerke steht ein Klimaschutzministerium auf der Agenda.
tagesschau.de: Grüne wollen Klimaschutzministerium

Die taz begrüßt, dass die Grünen im Wahlkampf zu Inhalten zurückkehren, bemängelt aber, im Programm seien zu wenig konkrete Maßnahmen enthalten. So bleibe unklar, wie ein Vetorecht für das neue Ministerium umgesetzt werden solle.

Komplettverweigerer: Australien setzt auf Offshore-Gasprojekte statt auf Klimaschutz, mit im Boot sind auch deutsche Energieunternehmen wie Uniper und RWE. Ein Ziel für die Klimaneutralität hat sich die Regierung in Canberra nicht gesetzt. Das reicht auch aus unserer Sicht für einen Boykott-Aufruf.
taz.de: Kauft kein australisches Erdgas

Aktionen

Kein Plan fürs 1,5-Grad-Limit findet sich in den Wahlprogrammen der etablierten Parteien, sagt Carla Reemtsma von Fridays for Future (FFF). Die Aktivisti wollen in den kommenden Wochen mit Massenprotesten mehr Druck für den Klimaschutz aufbauen, um Sofortmaßnahmen zu erzwingen.
stuttgarter-nachrichten.de: Fridays for Future enttäuscht über Wahlprogramme

Parents for Future fordert einen sofortigen Ausbaustopp für die Autobahn A49. Die geplante Trasse zwischen Neuental und Gemünden liege in einem Gebiet, das von Starkregen bedroht sei.
taz.de: Ausbau schafft neues Risiko

In Konstanz haben FFF-Aktivisti ein Dauercamp vor dem Münster aufgeschlagen. Hintergrund: Die Stadt hat vor zwei Jahren den Klimanotstand ausgerufen, danach gehandelt wurde aber nicht. FFF fordert unter anderem höhere Gebühren fürs Parken sowie mehr Platz für Fahrräder und eine „Wärmewende“.
swr.de: „Fridays for Future“-Klimaprotest vor dem Konstanzer Münster

Protest gegen Bauprojekt: In Mannheim sollen das Eisstadion und 100 Bäume neuen Uni-Gebäuden weichen. Die KlimalisteBW bezweifelt, dass die Räume benötigt werden und schlägt Alternativen vor.
mannheim24.de: Friedrichspark-Abriss – KlimalisteBW drängt auf Grünfläche

Energie

Rekordeinnahmen: Die Deutsche Emissionshandelsstelle hat im ersten Halbjahr 2021 etwa 2,4 Milliarden Euro eingenommen. Der Bund kommt damit zu Rekordeinnahmen – 2020 wurden insgesamt nur 2,7 Milliarden Euro verzeichnet. Spürbar wird, dass die Zahl der ausgegebenen Zertifikate jährlich sinkt. 2020 kosteten diese im Durchschnitt 25 Euro, aktuell werden über 52 Euro fällig.
tagesschau.de: Bund erwartet Rekorderlöse aus CO₂-Rechten

Die Solarbranche fordert höhere Ausbauziele und ein Ende des „atmenden Deckels“, mit dem verhindert werden soll, dass die Vergütung für neue Ökostromanlagen zu schnell steigt. Zwar hat der Ausbau im ersten Halbjahr 2021 zugelegt, von einer echten Energiewende ist Deutschland aber nach wie vor weit entfernt.
klimareporter.de: Vom Schneckentempo zur Schrittgeschwindigkeit

Mobilität

Hunderte Millionen an Fördergeld sind in die Entwicklung von Autos mit Brennstoffzellen bislang geflossen. Gebracht hat es fast nichts: Ende Juni waren in Deutschland nur 1.261 Autos zugelassen, die Wasserstoff tanken. Hersteller wie VW setzen im Pkw-Bereich ohnehin auf Elektroantriebe.
sueddeutsche.de: Zähe Zelle

Mehr Platz für Radfahrer*innen und Fußgänger*innen ließe sich im öffentlichen Raum problemlos schaffen. Das steht im Gutachten „Zur Möglichkeit einer gerechten Flächenverteilung in Innenstädten“, das zwei Rechtswissenschaftler*innen im Auftrag der Rosa-Luxemburg-Stiftung erstellt haben.
taz.de: Pop-up-Radwege sind möglich

Umwelt und Ernährung

Türkei, Italien, Griechenland: Wegen extremer Hitze wüten überall in der Mittelmeerregion Brände, die bereits Todesopfer gefordert haben.
tagesschau.de: Waldbrände am Mittelmeer wüten weiter

sueddeutsche.de: Im Südwesten der Türkei wurde ein Kohlekraftwerk von den Flammen erfasst.

In Griechenland ist nur 20 Kilometer von Athen entfernt ein riesiger Waldbrand ausgebrochen.

Der Paraná-Fluss trocknet aus. Über 4.000 Kilometer versorgt er weite Teile Brasiliens, Argentiniens und Paraguays mit Wasser. Infolge der Zerstörung des wasserspeichernden Urwaldes sinken die Pegelstände aber dramatisch. Das führt zu Dürre und hat weitere Folgen: An Staudämme gekoppelte Kraftwerke müssen heruntergefahren werden, Wirtschaft und Handel leiden, die Trinkwasserversorgung ist gefährdet.
tagesschau.de: Südamerikas Lebensader in Gefahr

Wenn Bauern Pestizide kombinieren, wird es für Bienen erst richtig gefährlich. Das haben Wissenschaftler*innen der Universität Texas herausgefunden. Die negativen Auswirkungen einzelner Mittel verstärken sich bei einer Mischung gegenseitig.
taz.de: Mix ist keine gute Idee

Macht's gut – und hier noch ein Hör-Tipp: Metalbands haben die Klimakrise als Thema entdeckt. Im Freitag gibt es dazu einen sehr schönen Überblick mit Bandempfehlungen und Textzitaten.
freitag.de: Hart aber herzlich


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