Klima-Buchtipp: Gewehre und Klimaflucht

von Sarah

In unserer Serie von Klima-Buchtipps stellen wir Romane vor, deren zentrales Thema die Klimakrise ist. Romane, die zukünftige Szenarien durchspielen und unbequeme Fragen stellen, aber auch Hoffnung machen.

Die Geschichte des Gelehrten, dessen eintöniges Leben durch eine folgenschwere Begegnung durcheinandergewirbelt wird und der sich auf Sinnsuche begibt, ist ein altes Klischee.

Amitav Ghosh gelingt es in "Die Inseln", dieses Klischee so abzuwandeln, dass ein lesenswerter Roman dabei herauskommt, der zeigt, welche weitreichenden und einschneidenden Veränderungen der Klimawandel mit sich bringt.

Der Gelehrte in Ghoshs Roman ist Deen Datta, ein New Yorker Antiquar, der während eines Besuchs in seiner Heimat Indien mit der alten Sage von einem Gewehrhändler konfrontiert wird, die merkwürdige Zusammenhänge mit der gegenwärtigen Klimakrise und den resultierenden globalen Fluchtbewegungen aufweist.

Denn "Die Inseln" ist voller Menschen auf der Flucht. Vor dem Klimawandel, vor ökonomischer Ausweglosigkeit, vor Konflikt und Hunger. Was als Sinnsuche eines Einzelnen beginnt, nimmt schnell eine hochpolitische Dimension an, als Deen von Bengalen über die USA nach Venedig reist und an jedem dieser Orte auf Menschen trifft, deren Leben radikal im Wandel ist.

Und ebenso wie der Gewehrhändler aus der alten Sage muss sich auch Deen fragen, ob er unbeteiligter Beobachter bleibt oder versucht, in den Lauf der Geschichte einzugreifen.

Die Inseln
Amitav Ghosh
Übersetzt von Barbara Heller, Rudolf Hermstein
Blessing Verlag, 2019
ISBN: 9783896676467
368 Seiten
Hardcover 22,00 EUR, E-Book 12,99 EUR

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