Klima-Buchtipp: Wirtschaft ohne Zerstörung – wie kann das gehen?

von Uwe

Maja Göpel wagt in ihrem Buch „Unsere Welt neu denken: Eine Einladung“ den großen Wurf. Sie gibt Antworten auf die entscheidende Frage: Wie kann die Welt wirtschaften, ohne den Planeten zu zerstören?

Klima-Buchtipp: Wirtschaft ohne Zerstörung – wie kann das gehen?

Auf ihrer Website bezeichnet sich Maja Göpel als „Transformationsforscherin“. Zugleich ist sie Mitgründerin von Scientists for Future. Sie war Generalsekretärin des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung „Globale Umweltveränderungen“, ist aktuell Direktorin des Thinktanks The New Institute in Hamburg und arbeitet/forscht außerdem als Honorarprofessorin an der Leuphana Universität in Lüneburg.

Kurz gesagt: Maja Göpel hat sich die Aufgabe gestellt, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft auf den 1,5-Grad-Pfad zu bringen.

„Neue Realität“ und Wege aus der Klimakrise

In ihrem Bestseller analysiert sie zahlreiche Aspekte unseres Wirtschaftssystems, um Wege aus der Klimakrise aufzuzeigen. Dass sie es schafft, auch komplexe Zusammenhänge verständlich zu erläutern, macht sicher einen Großteil ihres Erfolgs aus. Mit ihren klaren Empfehlungen demonstriert sie einen konstruktiven Umgang mit der Krise. Zugleich entlarvt sie die Ausreden der Politiker*innen, die über komplexe Zusammenhänge und Widerstände aus der Bevölkerung jammern, als genau das: Ausreden, mit denen im Zweifel Lobbygruppen wie Auto- oder Kohleindustrie in Schutz genommen werden.

Mit ihrem Talent für wissenschaftsbasierte Klarheit und Konsequenz ist Maja Göpel vergleichbar mit Mai Thi Nguyen-Kim, die es als Chemikerin mit ihrem YouTube-Kanal „MaiLab“ zu enormer Bekanntheit gebracht hat. Auch Maja Göpel ist ungemein präsent in den Medien, insbesondere in Talkshows – und das ist auch gut so. Denn wo Politiker*innen gerne mit Floskeln um sich werfen, bringt sie klare Forderungen und klare Vorstellungen vor die Kameras. Um es ganz salopp auszudrücken: Maja Göpel weiß, wo's langgeht.

Wir müssen lernen, „in einer vollen Welt zu wirtschaften, auf einem einzigen Planeten, mit begrenzten Ressourcen“ (S. 48), schreibt sie in „Unsere Welt neu denken“. Zunächst beschreibt sie die „neue Realität“, in die uns die Industrialisierung geführt hat. Dann analysiert sie einzelne Aspekte und bietet hier jeweils Lösungsansätze. Zum Beispiel beim Thema „Natur und Leben“. Der Mensch unterwerfe sich die natürlichen Systeme und mache sie instabil, stellt sie fest. Stattdessen müssten wir lernen, sie klima- und umweltgerecht umzubauen. Dieser Umbau kann aus ihrer Sicht nur durch weltweite Kooperation erreicht werden. Maja Göpel hält das Konkurrenzdenken, aus dem der Schneller-höher-weiter-Wettkampf des Kapitalismus entsteht, für die Wurzel allen Übels. Wer kooperiert, setzt nicht unbedingt auf Wachstum (oder Übertrumpfen), er hat viel mehr Interesse daran, Zufriedenheit zu erreichen.

Wohlstand neu verhandeln

Diese Zufriedenheit könnte, so Maja Göpel, ein Maßstab für künftiges, klimafreundliches Wirtschaften sein, ja sogar für unsere Definition von Wohlstand: „Eine Wirtschaftsweise, die in einer begrenzten Welt mit endlichen Ressourcen auf stetes Wachstum setzt, ist nicht nachhaltig. Es gilt neu zu verhandeln, was den Wohlstand der Menschen übermorgen ausmacht.“ (S. 131)

Dem Konsum widmet Maja Göpel ein eigenes Kapitel. Denn sie sieht in einer Veränderung in diesem Bereich einen der wichtigsten Schlüssel zur Nachhaltigkeit: „Die Versöhnung von sozialen und ökologischen Zielen sollte dabei im Zentrum stehen.“ (S. 356) Entscheidend wichtig sei, die Erkenntnis, dass natürliche Ressourcen endlich sind, auf eine neue Form des globalen Wirtschaftens zu übertragen. Eine Form, bei der knappe Güter gerecht verteilt werden.

Wer eine Definition von Klimagerechtigkeit sucht, wird in dem mit vielen Beispielen und Studien angereicherten Buch fündig: „Gerechtigkeit ist der Schlüssel für eine nachhaltige Wirtschaftsweise, wenn sie global funktionieren soll. Nur so kann man verhindern, dass die ökologische Frage gegen die soziale ausgespielt wird. Beide gehören zusammen und lassen sich nur miteinander lösen.“ (S. 478)

Natürlich bleiben auch am Ende von Maja Göpels optimistisch formulierter Handlungsempfehlung noch Fragen offen. Fragen, die wir nur zu gut kennen: „Wie kommen wir aus dem Wettlauf Richtung Zerstörung der Welt raus? Wie können wir ein Gerechtigkeitsverständnis finden, das uns wieder miteinander anstatt gegeneinander handeln lässt und die Verbindung von sozialen und ökologischen Zielen erlaubt?“ (S. 243)

Ganz platt gesagt: Gemeinsam schaffen wir's. Darum gibt's von der Ökonomin am Ende auch konkrete Tipps für Aktivisti, die wir hier ebenfalls ans Ende stellen. Nicht ohne zuvor eine dringende Leseempfehlung ausgesprochen zu haben: Maja Göpel macht Lust auf Transformation, neue Formen der Wirtschaft und auf aktiven Klimaschutz. Hier kurz zusammengefasst Ihre Tipps:

- „Bleiben Sie freundlich und geduldig, aber bleiben Sie dran.“

- „Suchen Sie sich Mitstreiter.“

- „Konzentrieren Sie sich auf das, was in Ihrer Macht liegt“

- „Füttern Sie Humor und das Lachen, die dürfen niemals untergehen. Zukunft machen ist Leben verbringen!“ (S. 503 ff.)

Wir von der KlimalisteBW nehmen diese Motivationshilfe gerne an. Weil sie von einer Frau kommt, die weiß, wovon sie redet – und die sich täglich bemüht, uns all zu überzeugen: Die Klimakrise lässt sich bewältigen. Wir bleiben dran!

Unsere Welt neu denken: Eine Einladung.
Maja Göpel
Ullstein Buchverlage GmbH. Berlin 2020.
ISBN: 978-3-8437-2311-4

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