Klima-Leak: Die erschreckenden Ergebnisse von Teil III des IPCC-Reports

von Uwe

Der dritte Teil des aktuellen Reports, den die Wissenschaftler*innen des Weltklimarats (IPCC) erarbeitet haben, ist teilweise durchgesickert – und wieder werden schlimmste Befürchtungen noch übertroffen. Die Welt muss jetzt handeln!

Klima-Leak: Die erschreckenden Ergebnisse von Teil III des IPCC-Reports

Hier ein aktueller Bericht zum geleakten dritten Teil:
tagesschau.de: Auch Zwei-Grad-Ziel am seidenen Faden

Unser Blogbeitrag zum offiziell veröffentlichten Teilbericht des IPCC:
„Es geht um jedes Zehntelgrad“

Teil III des IPCC-Reports sollte eigentlich erst im März 2022 veröffentlicht werden. Doch jetzt ist auf einer spanischen Online-Plattform eine Kurzfassung aufgetaucht, die erschreckende Prognosen enthält: Der Weltklimarat geht davon aus, dass das 1,5-Grad-Ziel aktuell bereits unerreichbar sein könnte. Um auf höchstens zwei Grad Erderhitzung zu kommen, müsste der Kohlendioxid-Ausstoß bereits 2025 seinen Höhepunkt erreichen. Das würde bedeuten: Uns bleiben noch drei Jahre, um die schlimmsten Folgen der Klimakatastrophe zu vermeiden.

Weltweites Aus für Kohle in neun Jahren

Neun Jahre Kohle, zwölf Jahre Erdgas: Mehr darf sich die Menschheit nicht leisten, wenn das 1,5-Grad-Ziel noch erreicht werden soll. Die Versäumnisse von Politik und Wirtschaft liegen mit dieser Aussage des IPCC wieder einmal offen zutage. Nicht viel besser sieht es aus, wenn wir uns das Zwei-Grad-Ziel anschauen. Dann haben wir noch 16 Jahre bis zur Abschaltung aller Kohlekraftwerke und ein Jahr länger für das Erdgas-Aus. Neue Anlagen, die derzeit noch gebaut werden, nicht mitgerechnet.

Was sich die Menschheit aktuell in Sachen fossiler Energien leistet, ist schlicht Wahnsinn. Der IPCC hat errechnet, dass die aktuell laufenden Kraftwerke noch fast 850 Milliarden Tonnen CO₂ ausstoßen werden. Mit dabei: die deutschen Kraftwerke, die weder Kanzlerkandidat Armin Laschet noch sein Konkurrent Olaf Scholz früher als 2038 abschalten wollen. Um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen, müsste diese Menge halbiert werden. Das Zwei-Grad-Ziel ist bei 870 Milliarden Tonnen erreichbar, was bedeutet: Auch hier gibt es keinen Spielraum mehr.

Zwei Grad im Klartext: absolute Klimakatastrophe

Zur Erinnerung: Zwei Grad weltweit bedeuten, dass es in einzelnen Regionen deutlich wärmer wird. Und wir müssen mit schwerwiegenden Auswirkungen rechnen: eisfreie Sommer in der Arktis, Anstieg des Meeresspiegels um 10 bis 60 Meter, extremes Risiko für Kipppunkte (Beispiele: Auftauen Permafrost mit Austreten von Methan, Verlangsamung des Golfstroms, die bereits jetzt für anhaltende Extremwetterlagen sorgt), wachsende Häufigkeit von tödlichen Hitzewellen, Überflutungen, Dürren und Wassermangel.

Klimaforscher Stefan Rahmstorf beschrieb bei Spiegel Online, was uns erwartet:

„Mit jedem weiteren Zehntel Grad werden mehr Ökosysteme unwiederbringlich zerstört, Wälder abbrennen, Korallenriffe ausbleichen, Tier- und Pflanzenarten aussterben. Mit jedem Zehntel Grad wachsen auch die Gefahren für uns Menschen, Opfer von Überflutungen, Ernteausfällen oder Tropenstürmen zu werden. Mit jedem Zehntel Grad wird der Meeresspiegel für viele Generationen immer höher steigen, und das Risiko, kritische Kipppunkte zu überschreiten, wächst.“

Weitere Details aus dem IPCC-Report

Die Emissionen werden laut IPCC vor allem vom ständigen Wachstum in den Industrieländern in die Höhe getrieben, nicht von den Entwicklungsländern.

Die zehn reichsten Prozent der Menschheit verursachen 36 bis 45 Prozent der weltweiten Emissionen.

Emissionen von Methan und Lachgas werden in nationalen Klimaschutzplänen häufig überhaupt nicht berücksichtigt.

Land- und Forstwirtschaft müssten bis 2030 ihre Emissionen um das Fünffache (2 Grad) bzw. das Zehnfache (1,5 Grad) verringern.

Der IPCC empfiehlt pflanzenbasierte Kost, mehr Materialrecycling am Bau und eine Verkehrswende hin zu öffentlichen Verkehrsmitteln, Car-Sharing und Verzicht auf Flugreisen.

Wählt fürs Klima!

Warum wurde die Kurzfassung des Berichts an die Öffentlichkeit gebracht? Weil Wissenschaftler*innen im IPCC fürchten, dass die Ergebnisse durch die Politik verwässert werden könnten. Das geschieht jedes Mal, wenn sich IPCC und Politik zusammensetzen, um den offiziellen Bericht abzustimmen. Jetzt allerdings liegt die traurige Wahrheit auf dem Tisch: Wir müssen unverzüglich handeln – und Ihr auch: Wählt bei der Bundestagswahl unsere Direktkandidierenden in sieben Wahlkreisen. Wählt mit der Zweitstimme die Partei, die am meisten fürs Klima tun will. Eine Einschätzung dazu bekommt Ihr mit dem Klimawahlcheck. Wir freuen uns auch, wenn Ihr unseren Wahlkampf unterstützt, etwa durch Spenden.

Zugleich gilt aber auch: Wir müssen den Protest gegen die verantwortungslose Klimapolitik noch mehr auf die Straße tragen. Schließt Euch Gruppierungen an wie Fridays for Future oder Extinction Rebellion. Ihr könnt außerdem an die Bundestags-Kandidierenden in Eurem Wahlkreis schreiben und sie auffordern, für echten Klimaschutz einzutreten. Klinkt Euch in ihre Video-Talks ein oder besucht ihre Wahlveranstaltungen und fragt, wie sie es mit dem Klimaschutz halten. Drei Prozent der Bevölkerung, die aktiv sind, genügen, um auch dramatische Veränderungen einzuleiten. Werdet Teil dieser drei Prozent! Niemand muss tatenlos zusehen, wie die größte Katastrophe in der Menschheitsgeschichte täglich näher rückt. Gutes Gelingen!

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