Klima-Links der Woche: Was vom Planeten übrig blieb

von Uwe

Im Wochenrückblick geht es um Deutschlands verfehlte Klimaziele, Geringverdiener und Extinction Rebellion. Außerdem: Kapitalismus und Kohleausstieg, Greta und Grönland, Straßenkampf und stillgelegte Stollen. Schönes Wochenende!

Klima-Links der Woche: Was vom Planeten übrig blieb

Themenfelder der Woche: Wissenschaft, Politik, Geld und Gerechtigkeit, Aktionen, Energie, Mobilität, Umwelt und Ernährung, Bauen und Wohnen.

Beitrag der Woche: Greta Thunberg und vier weitere Klimaaktivisti haben in der New York Times angekündigt, ihre Proteste fortzusetzen, „bis die Untätigkeit ein Ende hat“. Der Artikel, in dem auch der Klima-Risiko-Index für Kinder der UNESCO vorgestellt wird, liegt jetzt auch in deutscher Sprache vor.
ipg-journal.de: Was vom Planeten übrig blieb

unicef.org: The Climate Crisis Is A Child Rights Crisis

Wissenschaft

Ozeane in der Klimakrise: Bis zum Jahr 2100 könnten sich die Lebensbedingungen in den Meeren komplett verändern. Bis zu 82 Prozent der Gebiete könnten betroffen sein. Für die in den Ozeanen lebenden Organismen bedeutet das: anpassen oder aussterben. Das haben Wissenschaftler*innen der Northeastern University in Boston festgestellt, sie nutzten dafür Messdaten und ein Klima-Ozean-Modell.
scinexx.de: Ozeane: Ganze Nischen verschwinden

Die Regenintensität wird durch die Klimakrise immer stärker. Wie die Initiative World Weather Attribution, ein internationales Wissenschafts-Team, festgestellt hat, liegt das daran, dass sich die Atmosphäre aufheizt. Eine Analyse des Deutschen Wetterdienstes (DWD) bestätigt das. Die Forscher*innen warnen: Starkregen kann überall auftreten. Aufgrund der Versiegelung sind Städte besonders gefährdet. Das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) entwickelt als Gegenmittel Systeme, mit denen das Wasser nicht abgeleitet, sondern gespeichert wird.
zdf.de: Studie: Städte müssen zu „Schwämmen“ werden

Politik

Deutlicher Rückstand: Deutschland wird seine selbst gesteckten Klimaziele nicht erreichen. Das geht aus dem „Projektionsbericht“ der Bundesregierung hervor, mit dem die EU darüber informiert wird, wie es in den kommenden 20 Jahren mit dem Klimaschutz vorangehen soll. Ein Beispiel: Geplant war, die CO₂-Emissionen bis 2030 um 55 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Erreicht werden nur 49 bis 51 Prozent.
taz.de: Unsere Klimapolitik tut weh

„Klimakrise immer noch nicht verstanden“: In harschen Worten hat Grünen-Politiker Cem Özdemir die SPD und ihren Kanzlerkandidaten Olaf Scholz kritisiert. Grund: Scholz hatte sich dagegen ausgesprochen, den Kohleausstieg auf das Jahr 2030 vorzuverlegen.
sueddeutsche.de: Kritik an Scholz: Özdemir pocht auf früheren Kohleausstieg

Geld und Gerechtigkeit

Wer zahlt drauf beim Klimaschutz? Bisher vor allem die Geringverdiener, doch das ließe sich ändern, etwa durch eine „Klimadividende“, Heizkostenzuschüsse oder eine Senkung des Strompreises.
taz.de: Arme zahlen drauf

Nachdenkenswertes von links: US-Buchautorin Kate Aronoff („Overheated: How Capitalism Broke the Planet and How We Fight Back“) wägt im Interview mit dem Jacobin-Magazin (US-Ausgabe, in englischer Sprache) ab: Da auf die Klimakrise sofort reagiert werden müsse, könne nicht zugleich der Kapitalismus abgeschafft werden. Zugleich müsste das Problem gelöst werden, dass dieser aufgrund seiner grundsätzlichen Logik nicht dazu tauge, einen echten Wandel etwa in Form eines „Green New Deal“ zu gewährleisten.
jacobinmag.com: Capitalism Can't Fix The Climate Crisis

Aktionen

Extinction Rebellion (XR) hat in der Vergangenheit von manchen Beobachtern als schräg empfundene Happenings hingelegt. Doch politisch haben die Befürworter des zivilen Ungehorsams bei der Aktionswoche in Berlin absolut überzeugt, findet die taz.
taz.de: XR gehört rehabilitiert

Was können Gruppierungen wie XR im Kampf gegen die Klimakrise ausrichten? tagesschau.de stellt fest: Proteste wirken.
tagesschau.de: Was bewirken die Klimademos?

Im Ursprungsland England haben am vergangenen Montag die fünften Aktionstage von XR begonnen. Zu Beginn der Klimaproteste wurde insbesondere die Verbundenheit mit indigenen Gruppen betont. Zugleich weist XR mit den Aktionen auf die Klimakonferenz in Glasgow hin, die am 1. November beginnt.
taz.de: Erinnern an Haitis Revolution

Am heutigen Freitag beginnt das vierte Klimacamp im Leipziger Land. Der Protest richtet sich gegen die Mitteldeutsche Flughafen AG und das Logistikunternehmen DHL. Am Flughafen Leipzig/Halle soll das Luftdrehkreuz für Frachtflüge ausgebaut werden.
taz.de: Klimacamp gegen Luftfracht

Energie

Die CO₂-Preise steigen, der Strompreis steigt mit: Vom Herbst an müssen wir alle mit höheren Kosten rechnen – das gilt auch für die Bezieher*innen von Ökostrom. Schuld sind neben dem Preis fürs Kohlendioxid auch gestiegene Rohstoffpreise.
taz.de: Grüner, aber nicht günstiger

Stillgelegte Stollen liefern in England durch Geothermie klimafreundliche Wärme – die Technik wird immer populärer.
tagesschau.de: Von der industriellen zur grünen Revolution

Sind Investments in Atomkraft nachhaltig? Die EU-Kommission sieht das so, die Bürger*innen keineswegs. Laut einer Umfrage der Bürgerbewegung Finanzwende sind vier Fünftel der Deutschen gegen eine Anerkennung von Geldanlagen als nachhaltig, wenn das Kapital auch in Atomanlagen fließt.
taz.de: Kein Bock auf grüne AKW

Mobilität

Ärger mit Tesla: Die im Bau befindliche Gigafactory in Brandenburg verbraucht bereits in der ersten Ausbaustufe so viel Wasser wie 40.000 Menschen. Das könnte zu Einschränkungen bei der Versorgung führen.
tagesschau.de: Tesla sorgt für Streit ums Wasser

Umwelt und Ernährung

Sieben Milliarden Tonnen Regen: In Grönland war es Mitte August erstmals so warm, dass es am kältesten, höchsten Punkt des Eisschilds regnete. Der Eisverlust in Grönland hat alle bisherigen Prognosen bereits übertroffen, Wissenschaftler*innen fürchten, dass sich ein Teil des Eises einem Kipppunkt nähert. Dann droht ein komplettes Abtauen.
scinexx.de: Erstmals Regen auf Grönlands Gipfel

Die Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen ist auch auf die Klimakrise zurückzuführen. Das hat eine Attributionsstudie der World Weather Attribution in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Wetterdienst ergeben. Die Wissenschaftler*innen nutzen statistische Analysen und Simulationen, um das heutige Klima mit dem Klima Ende des 19. Jahrhunderts zu vergleichen.
tagesschau.de: Klimawandel mitverantwortlich für Juli-Flut

Kein Ende der Waldbrände in Sicht. Bei Los Angeles musste etwa tausend Menschen in Sicherheit gebracht werden, die Flammen bedrohen Hunderte Gebäude.
spiegel.de: Waldbrand nahe Los Angeles – Hunderte Anwohner in Gefahr

Ein differenziertes Bild der Kühe zeichnet dieser Beitrag. Zwar produziert jede Kuh jährlich etwa 100 Kilogramm Methan. Doch durch ihr Grasen tragen sie auch zur Humusbildung bei.
tagesschau.de: Klimakiller Kuh?

Hör-Tipp: In Brasilien wird immer mehr Regenwald abgeholzt. SWR-Reporterin Gudrun Fischer berichtet über die Lage in Corona-Zeiten: Die Pandemie wurde von der Regierung genutzt, um einen Großangriff auf den Amazonas-Regenwald zu starten.
swr.de: Ist der Amazonas-Urwald noch zu retten?

Bauen und Wohnen

Eine klimaneutrale Wärmeversorgung bis 2045 zu erreichen, erfordert enorme Investitionen und Initiativen, mit denen sich schnell Gas- und Ölheizungen durch Wärmepumpen und grüne Nah- und Fernwärmenetze ersetzen lassen. Alexandra Langenheld von Agora Energiewende stellt den Weg zur Klimaneutralität in der taz vor.
taz.de: Wärmewende? Sofort!

Die Zementindustrie setzt in der Klimakrise auf die unterirdische Lagerung von Kohlendioxid. In Dänemark sollen bis zu acht Millionen Tonnen CO₂ in der Nordsee vergraben werden.
taz.de: Hoffen auf die Müllabfuhr

Macht's gut – und hier noch ein Lese-Tipp: Samira El Ouassil vergleicht in dieser genialen Kolumne die Klimakatastrophe mit einem drohenden Asteroideneinschlag. Durch die Analogie wird das ganze Ausmaß des Versagens deutlich, das aktuell die nötigen Maßnahmen zur Rettung der Menschheit verhindert.
spiegel.de: Nehmen wir mal an, ein Asteroid rast auf die Erde zu


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