Klima-Links der Woche: Sensation vor Gericht, Push für die Windkraft

von Uwe

(Bild von Mario Hagen auf Pixabay)

Im Wochenrückblick geht es um die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum Klimaschutzgesetz und um falsche Zahlen zum Infraschall. Außerdem: Gletscher, Radwege – und der Klimarat tagt! Schönes Wochenende!

Klima-Links der Woche: Sensation vor Gericht, Push für die Windkraft

Themenfelder der Woche: Wissenschaft, Politik, Aktionen, Energie, Mobilität, Umwelt und Ernährung.

Wissenschaft

Genozidforscher*innen warnen vor der Klimakrise: Sie fürchten, so Prof. Jürgen Zimmerer von der Uni Hamburg im taz-Interview, dass „ethnische Säuberungen und Genozide deutlich zunehmen werden“. In einem Manifest zur Klimakrise fordern die Forscher*innen eine programmatische Erweiterung, die auch unser aktuelles politisches und gesellschaftliches System einbeziehen soll.
taz.de: „Klimakrise begünstigt Genozide“

Im Blog: Bündnis „Ökozidgesetz“ – wir brauchen rechtswirksamen Schutz gegen die Zerstörung der Natur!

Klimaneutral bis 2045? Eine Milliarde Tonnen CO2-Emissionen könnten eingespart werden, würde Deutschland im Jahr 2045 klimaneutral statt wie vom Bund geplant erst 2050. Das steht in einem Gutachten von Stiftung Klimaneutralität, Agora Energiewende und Agora Verkehrswende. Die Organisationen wollen, dass das Tempo beim Klimaschutz erhöht wird, unter anderem fordern sie den Kohleausstieg für das Jahr 2030, aktuell laufen die Meiler bis spätestens 2038. Zur Erinnerung: Die KlimalisteBW hat einen Plan vorgelegt, wonach Baden-Württemberg bis 2030 klimaneutral wird, dazu müssten etwa die Kohlekraftwerke bereits bis 2025 vom Netz.
tagesschau.de: Klimaneutralität schon 2045 möglich

Politik

Sensationeller Erfolg für die Klimabewegung: Das Bundesverfassungsgericht hat das Klimaschutzgesetz für teilweise verfassungswidrig erklärt. Die wesentliche Kritik: Im Gesetz seien nur Klimaziele bis 2030 festgeschrieben. Dadurch würden die Freiheitsrechte jüngerer Menschen unverhältnismäßig eingeschränkt. CDU und SPD wollen jetzt nachbessern.
tagesschau.de: Politiker wollen rasch nachbessern

taz.de: Freiheit statt Fossilismus!

Klimarat legt los: Der bundesweite Bürgerrat, der Maßnahmen zur Einhaltung des Pariser Klimaabkommens erarbeiten soll, hat diese Woche seine Arbeit aufgenommen. Die 160 Teilnehmenden wurde so ausgelost, dass ein repräsentativer Querschnitt der Bevölkerung zustande kam. Ihre auf Basis des Inputs von Wissenschaftler*innen erarbeiteten Vorschläge sind nicht verpflichtend, könnten aber die Politik unter Handlungsdruck setzen.
tagesschau.de: Bürgerrat Klima nimmt Arbeit auf

Falsche Zahlen mit Folgen: Jahrelang hat die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) auf Messergebnissen beharrt, welche die Schallbelastung durch Windkraftanlagen um ein Vielfaches zu hoch angaben (wir berichteten). Jetzt hat sich Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier entschuldigt und gesagt, er wolle den Vorgang aufklären. Es ist anzunehmen, dass der Fehler mitverantwortlich dafür ist, dass der Windkraftausbau in Deutschland stagniert.
spiegel.de: Altmaier entschuldigt sich für Rechenfehler bei Windkraft-Schallbelastung

Aktionen

Baumschützer*innen haben in Sachsen-Anhalt einen Wald besetzt. Sie protestieren gegen den Ausbau der Autobahn A 14, die Schwerin mit Magdeburg verbinden soll. Anfang der Woche hatten 15 Aktivisti den Seehausener Wald in der Altmark besetzt und dort drei Plattformen installiert, weitere sollen folgen.
taz.de: Hambi, Dani

Energie

„Drastisch eingebrochen“ sei der Ausbau von Sonnen- und Windenergie in Deutschland, kritisiert Viviane Raddatz. Die Leiterin des Fachbereichs Klimaschutz beim World Wildlife Fund For Nature (WWF) Deutschland warnt: 2020 seien nur 6,3 Gigawatt zusätzlich geschaffen worden, nötig seien mindestens 15 bis 20 Gigawatt pro Jahr – und das genüge nur für die selbst gesteckten Klimaziele, die ohnehin zu niedrig angesetzt seien.
taz.de: Den Anschluss verpasst

Die Brennstoffzelle lebt: Bosch will ihr weltweit zum Durchbruch verhelfen und damit emissionsfreie Antriebe ermöglichen. Einsatzgebiete sind vor allem Trucks und Heizungen.
tagesschau.de: Markt für Brennstoffzellen wächst

Etwa 30 Prozent der Weltbevölkerung verursachen 93 Prozent des Energieverbrauchs durch Flüge. Das hat eine Studie ergeben, für die Daten aus 86 Ländern ausgewertet wurden. Anders ausgedrückt: Vielflieger*innen sind für fast alle Flüge weltweit verantwortlich.
taz.de: Die Verschmutzer*innen-Elite

Fahrrad statt E-Auto: Mobilitätsforscher*innen der Universität Oxford bestätigen, dass es wesentlich besser fürs Klima wäre, wenn wir in den Städten aufs Rad steigen statt auf E-Autos umzusteigen.
sueddeutsche.de: Lieber auf zwei Rädern

Vorfahrt fürs Rad, Teil II: Bundesverkehrsminister Scheuer hat einen Plan vorgelegt, der ein lückenloses Radwegenetz bis 2030 verspricht. Der „Nationale Radverkehrsplan 3.0“ ist allerdings alles andere als ein Aktionsplan, er enthält hauptsächlich Appelle.
taz.de: Konjunkturprogramm für Fahrradwege

Zweikampf der E-Riesen: Marktführer Tesla und Volkswagen, der weltgrößte Autokonzern, kämpfen um die Spitzenposition in der Elektromobilität. VW will dafür in den kommenden Jahren 35 Milliarden Euro investieren.
tagesschau.de: Tesla und VW ringen um die Spitze

Umwelt und Ernährung

Gletscher schmelzen schneller: Die weltweite Gletscherschmelze hat sich in den vergangenen 20 Jahren durch den Klimawandel deutlich beschleunigt. Das hat eine Studie ergeben, die im Fachmagazin Nature veröffentlicht wurde. Weltweit gibt es etwa 220.000 Gletscher, sie sind allesamt von der Erderhitzung betroffen. Zwischen 2000 und 2019 seien im Durchschnitt 267 Milliarden Tonnen Eis pro Jahr verloren gegangen, heißt es in der Studie.
taz.de: Gletscherschmelze beschleunigt sich

Den Weltmeeren geht die Luft aus: Die Zahl der „Todeszonen“, in denen mangels Sauerstoff kaum Leben möglich ist, hat sich zwischen 2008 und 2019 von 400 auf 700 erhöht. Betroffen sind auch die Nord- und die Ostsee.
tagesschau.de: Mehr „Todeszonen“ in den Weltmeeren

Sinkende Grundwasserspiegel haben dazu geführt, dass ein Fünftel der weltweiten Grundwasserbrunnen vom Austrocknen bedroht sind. Das steht in einer im Fachmagazin „Science“ erschienenen Studie, die Scott Jasechko und Debra Perrone von der University of California erstellt haben. Aus der durch die Klimakrise verursachten Wasserknappheit ergibt sich ein Gerechtigkeitsproblem: Tiefere Brunnen zu bohren ist aufwendig und teuer, so dass kleine Landwirte sich den Aufwand nicht leisten können.
scinexx.de: Grundwasser: Ein Fünftel der Brunnen könnte austrocknen

DDT vor Catalina Island: Zehntausende Fässer des Insektenvernichtungsmittels sind vor der kalifornischen Küste entdeckt worden. Sie sind dort scheinbar illegal entsorgt worden und bedrohen jetzt die vielfältige Flora und Fauna des Pazifik. DDT ist in den USA seit 1972 verboten, in Deutschland seit 1977.
tagesschau.de: Tausende Giftfässer im Meer entdeckt

Macht's gut – und hier noch ein Video-Tipp: Die Initiative Klima vor acht stellt erste Test-Videos ins Netz, bei der Premiere ging es um Moore als CO₂-Speicher.
klimavoracht.de: Primetime fürs Klima


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