Klima-Links der Woche: Abschied von Paris?

von Uwe

Im Wochenrückblick geht es um die 1,5-Grad-Grenze, die Jugend und öffentlichen Luxus. Außerdem: Bausünden, knappes Wasser und Elektrifizierung. Schönes Wochenende!

Klima-Links der Woche: Abschied von Paris?

Themenfelder der Woche: Wissenschaft, Politik und Gesellschaft, Geld und Gerechtigkeit, Energie, Umwelt und Ernährung.

Unseren Blogbeitrag zum Koalitionsvertrag der Ampel findet Ihr hier.

Wissenschaft

Weder 1,6 Grad noch 2 Grad: Eine neue Untersuchung zur Entwicklung der globalen CO2-Emissionen hat ergeben, dass diese ans Pariser Abkommen angelehnten Klimaziele nicht erreicht werden können, selbst wenn alle Staaten die Klimaziele einhalten, die sie sich für die kommenden neun Jahre gesetzt haben. Die Berechnung erfolgte computergestützt und auf Basis der aktuellen Versuche, die Erderhitzung einzudämmen. Diese wurden unter Einbeziehung von zwei unterschiedlichen Annahmen über mögliche weitere Entwicklungen nach 2030 bewertet. Bis zum Jahr 2100 lässt sich danach auch bei optimalem Verlauf keine Begrenzung auf 2 Grad erreichen. Erwartet werden 2,2 bis 2,9 Grad.
heise.de: Neue Computermodelle: Pariser Klimaziel scheint nicht mehr erreichbar

Politik und Gesellschaft

56 Prozent der 14- bis 29-Jährigen sehen die Klimakrise als größte Herausforderung für Politik und Gesellschaft, noch vor Renten oder steigenden Preisen. Dass viele von ihnen trotzdem nicht auf Flugreisen verzichten oder sich dauerhaft das eigene Auto und tierische Produkte sparen wollen, scheint nicht dazu zu passen. Letztendlich macht die Umfrage des Jugendforschers Simon Schnetzer aber nur deutlich, dass die Politik dringend konkrete Maßnahmen zur Klimarettung beschließen und in die Öffentlichkeit tragen muss. Dabei sind immer positive Erwartungen (Stopp der Erderhitzung!) und Ausgleichsmaßnahmen zu berücksichtigen.
stuttgarter-nachrichten.de: Viele Junge wollen für Klimaschutz nicht verzichten

Passend dazu hat ein internationales Forscherteam berechnet, dass junge Menschen in Deutschland wesentlich öfter unter Extremwetter zu leiden haben werden als ihre Eltern.

Über „Klimapolitik mit Biss“ freut sich der Freitag. Denn ab nächstes Jahr wird immer am 15. März geprüft, ob Ministerien und Sektoren die vorgegebenen Ziele für die Reduzierung von CO2-Emissionen erfüllt haben. Werden sie verfehlt, muss innerhalb von drei Monaten ein Sofortprogramm aufgelegt werden.
freitag.de: Ampel, aufgepasst: Ab jetzt befinden wir uns im Klima-Vormärz

„Was kommt nach dem Klimawandel?“ heißt das 2019 erschienene Buch von Jörg Phil Friedrich. Im Freitag blickt er auf die Ergebnisse der COP26 und empfiehlt: Bereiten wir uns auf die Begleiterscheinungen der Klimakrise vor: Stromausfälle, Wasserknappheit, kein Internet, instabile Lebensmittelversorgung.
freitag.de: Ein Leben mit Stromausfall

Mehr als nur bla, bla, bla? In den Blättern für deutsche und internationale Politik wird festgestellt, dass die COP26 zumindest die selbstgesteckten Ziele erreicht habe: das 1,5-Grad-Ziel bleibe in Reichweite, der Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen sei eingeleitet und die im Pariser Abkommen festgelegten Regeln seien final beschlossen worden.
blaetter.de: Der Klimapakt von Glasgow: Mehr als nur „Bla, bla, bla“

Theaterfans haben aktuell wenig Freude an Stücken, die sich mit der Klimakrise beschäftigen. Das liegt an mangelnder Informationstiefe und langweiliger Inszenierung, stellt Björn Hayer exemplarisch am Beispiel von „Ökozid“ am Schauspiel Stuttgart fest.
freitag.de: Schlafwagen zum Kollaps

Geld und Gerechtigkeit

Wenn die Erde S.O.S. funkt: Klimaaktivist und Journalist George Mobiot belässt es in diesem Beitrag nicht bei der Zustandsbeschreibung, er zeigt uns auch, wie eine Klimarettung funktionieren kann. Nicht, indem wir uns auf „mikroskopische Lösungen“ (Jutebeutel! Strohhalme!) fokussieren, sondern durch „private Suffizienz, öffentlichen Luxus“: Da nicht alle Menschen im privaten Luxus leben, müssen sie mit öffentlichem Luxus versorgt werden: Parks, Krankenhäuser, Transportsysteme, etc.
freitag.de: Jutebeutel und Papp-Strohhalm retten uns nicht

Afghanistan war auf der COP26 nicht vertreten. Der Umweltschutzexperte Nasratullah Mateen beschreibt den dramatischen Zustand in dem nun von den Taliban regierten Land, in dem es bereits aufgrund von Dürre und Extremwetter zahlreiche Klimaflüchtlinge gibt.
taz.de: „Mein Land wurde wieder verraten“

Aktionen

Die Klimabewegung zeigt sich enttäuscht von den Ergebnissen der Koalitionsverhandlungen. Wird es jetzt Zeit, mehr zivilen Ungehorsam fürs Klima zu wagen?
taz.de: RWE auf die Fresse hauen?

Wir haben das Thema bereits im Juli aufgegriffen: „Würdest Du Armin Laschet ohrfeigen?“

Energie

Bei der ganzen Diskussion um Windräder, Solaranlagen und Atomkraftwerke wird gerne vergessen, was wirklich in der Klimakrise helfen könnte: Energieeffizienz, also das Sparen von Energie.
taz.de: Mehr Geiz und mehr Ehrgeiz

Claudia Kemfert fordert: „Elektrifiziert das Land!“ Ihr Rezept für die Energiewende: eine Vervierfachung des Ausbautempos, Solarenergie auf allen Dächern und mehr Windenergie auch im Süden Deutschlands. Sonst sei das Emissionsbudget in sieben Jahren ausgeschöpft.
blaetter.de: Raus aus der Öl- und Gasfalle

Umwelt und Ernährung

Eine schwerwiegende Folge der Erderhitzung: Die Grundwasserspiegel sinken, Wasser wird knapp – insbesondere an heißen Tagen. In der Folge könnten schon in Kürze die Wasserpreise deutlich steigen.
tagesschau.de: Trinkwasser wird knapper und teurer

Essen und Klima: Spiegel Online beleuchtet eines der wichtigsten Themen in der Krise. Haben indigene Völker die Lösung für die drohende Nahrungsmittelknappheit? Und wie schaffen wir es, den klimaschädlichen Fleischkonsum weltweit zu reduzieren?
spiegel.de: Wie wird die Welt in Zukunft satt?

Ein erschreckendes Beispiel für klimafeindliche Überproduktion findet sich in der chilenischen Atacama-Wüste: eine riesige Abfallhalde für Wegwerfmode.
tagesschau.de: Müllhalde für Fast-Fashion

Bauen und Wohnen

Bauen belastet: Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) hat festgestellt, dass ein Drittel der Treibhausgas-Emissionen, die ein Gebäude verursacht, bereits vor dem Einzug anfallen. Insgesamt entfallen auf ein Gebäude im Schnitt 440 Kilogramm CO2, gerechnet über die gesamte Lebenszeit.
taz.de: Klimaproblem Häuslebau

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