Klima-Links der Woche: Der „Selbstmordpakt“ von Glasgow

von Uwe

Im Wochenrückblick geht es um Studien zur Klimakrise, den Zirkumpolarstrom und Kritik an den Ampel-Plänen zum Klimaschutz. Außerdem: George Monbiot fällt ein vernichtendes Urteil zur COP26. Schönes Wochenende!

Klima-Links der Woche: Der „Selbstmordpakt“ von Glasgow

Themenfelder der Woche: Wissenschaft, Politik und Gesellschaft, Geld und Gerechtigkeit, Aktionen, Energie, Mobilität, Umwelt und Ernährung.

Wissenschaft

99,9 Prozent: In einer neuen Studie wurden insgesamt exakt 88.125 Studien zur Klimakrise untersucht. Nur in 31 dieser Studien wurde in Frage gestellt, dass der Klimawandel existiert oder menschengemacht ist. Das entspricht 0,003 Prozent. Die Diskussion sei beendet, sagte Mark Lynas, einer der Autor*innen.
taz.de: Keine Zweifel mehr

„Deutlich schneller und schmaler“: Der Antarktische Zirkumpolarstrom (ACC) hat sich durch die Klimakrise beschleunigt. Diese Ringströmung trennt die Antarktis vom Südozean, der sich in den vergangenen Jahrzehnten erwärmt hat. Der ACC umrundet als einzige Meeresströmung den gesamten Erdball. Er transportiert 100 bis 150 Millionen Kubikmeter Wasser pro Sekunde und wirkt sich dadurch entscheidend auf unser Klima aus – als natürliche Barriere zwischen den kalten Meeresgebieten rund um die Antarktis und dem deutlich wärmeren Südozean. Welchen Effekt die Beschleunigung des Stroms haben wird, ist den Forscher*nnen, die ihre Ergebnisse im Fachmagazin „Nature Climate Change“ veröffentlichten, noch nicht klar.
scinexx.de: Antarktis: Klimawandel beschleunigt Ringströmung

Politik und Gesellschaft

Als „Selbstmordpakt“ bezeichnet George Monbiot, Kolumnist beim britischen Guardian, die Ergebnisse der Weltklimakonferenz COP26 in Glasgow. Für die dort vereinbarten Schritte sei es bereits zu spät, denn die klimaschädlichen Emissionen müssten ab sofort jährlich um sieben Prozent gesenkt werden. Seine Befürchtung: „Ohne massive und sofortige Veränderungen droht ein dominoartiger ökologischer Kollaps, sobald die Ökosysteme der Erde kritische Schwellenwerte überschreiten und in neue, feindliche Zustände übergehen.“ Das Phänomen der Kipppunkte überträgt Monbiot auf vom Menschen geschaffene Systeme: Hier müssten tatsächlich Kettenreaktionen angestoßen werden, um die nötige Transformation zu erreichen. Nur ein Beispiel: steuerliche Vergünstigungen für E-Mobilität haben dieser in Norwegen den Durchbruch beschert.
freitag.de: Unsere letzte Hoffnung ist die kritische Masse

1,5 Grad außer Reichweite: Ökonomin Claudia Kemfert kritisiert die Klimapläne der Ampelkoalition. Insbesondere beim Ausbau erneuerbarer Energien und im Verkehrssektor gebe es Defizite. Kemfert fordert eine „geschlossene Fortschrittspolitik“.
diw.de: Die Ampelkoalition wird das 1,5-Grad-Ziel verfehlen

Zum selben Ergebnis kommt Volker Quaschning in einer an der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft erstellten Studie. Die von ihm geleitete Forschungsgruppe Solarspeichersysteme hat ergeben, dass Klimaneutralität bis 2045 möglich wäre, das Begrenzen der Erderhitzung auf 1,5 Grad dagegen nicht.
tagesschau.de: Studie warnt vor Verfehlen der Klimaziele

Einen SWR-Beitrag mit dem Koalitionsvertrag im Klima-Check findet Ihr hier.

Geld und Gerechtigkeit

Irgendwo zwischen Desaster und Stillstand, das ist unsere Erwartung an die Arbeit des nächsten Finanzministers Christian Lindner. Die Ampel startet mit schwerem Ballast, weil Lindner konsequent gegen staatliches Handeln oder gar Investieren ist – das kann sich in der Klimakrise verheerend auswirken. Wo sonst noch Finanzprobleme lauern, steht in diesem Beitrag.
taz.de. Koalitionsvertrag ohne Preisschild

Der Bundesrechnungshof hat milliardenschwere Versäumnisse in der Klimapolitik kritisiert. So habe das Bundesverkehrsministerium 124 Millionen Euro in Autobahnen und Flughäfen investiert statt wie geplant in den Ausbau des Schienennetzes. Im Bundeswirtschaftsministerium werden nicht überprüft, was die 9,5 Milliarden Euro für Programme zur Energieeinsparung tatsächlich bringen.
tagesschau.de: Rechnungshof kritisiert Klimapolitik

Aktionen

Tadzio Müller, Mitgründer von Ende Gelände, spricht im Spiegel über eine „grüne RAF“ – und schon schlagen die Wogen hoch. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass Teile der Klimabewegung militant werden?taz.de: Zerstört, was zerstört

Wir haben das Thema bereits im Juli aufgegriffen: „Würdest Du Armin Laschet ohrfeigen?“

Energie

Die EU-Kommission will neben Gas auch die Atomenergie zu den klimafreundlichen bzw. nachhaltigen Energieformen zählen – obwohl schon die Sicherheitsproblematik Grund genug sein sollte, auf andere, tatsächlich nachhaltige Energielieferanten zu setzen.
freitag.de: Ein nachhaltiger Super-GAU

Mobilität

Falsch abgebogen ist die Ampel scheinbar bei der Wahl des neuen Verkehrsministers. Volker Wissing spielt sich schon vor Amtsantritt als Anwalt der Autofahrer auf. Klimaschutz? Verkehrswende? Fehlanzeige!
taz.de: Anwalt der Autofahrer

Umwelt und Ernährung

Zu wenig Regen, intensive Landwirtschaft: In der Türkei wirkt sich die Klimakrise heute schon fatal auf die Lebensbedingungen aus. Auch aus diesem Grund ist die Türkei diese Woche nach langem Zögern dem Pariser Klimaabkommen beigetreten.
taz.de: Schlamm statt Seen

Selbst wenn wir erst 2045 klimaneutral werden, müssten wir dafür den Tierbestand in der Landwirtschaft halbieren. Greenpeace fordert daher strengere Vorschriften bei der Fleischwerbung, um Verbraucher von übermäßigem Konsum abzuhalten.
tagesschau.de: Greenpeace für Regeln in der Fleischwerbung

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