Klima-Links der Woche: Die Erde im Jahr 2050

von Uwe

Im Wochenrückblick geht es um finstere Prognosen, den heutigen Klimastreik und die Kanzlerin der Autos. Außerdem: Argumente gegen CO2-Entnahme, verfehlte Klimaziele, 1971, Heizkosten und pazifische Austern. Schönes Wochenende!

Klima-Links der Woche: Die Erde im Jahr 2050

Themenfelder der Woche: Wissenschaft, Politik und Gesellschaft, Geld und Gerechtigkeit, Aktionen, Energie, Mobilität, Umwelt und Ernährung, Bauen und Wohnen.

Wissenschaft

Mehr als 88.000 Studien zur Klimakrise haben drei US-Wissenschaftler ausgewertet. Ergebnis: In weniger als einem Prozent der wissenschaftlichen Arbeiten wird angezweifelt, dass die Krise menschengemacht ist. Damit dürfte dieses Thema wohl endlich und final erledigt sein.
sueddeutsche.de: Ohne Zweifel

Blick in die Klimazukunft: Kanadische Forscher*innen haben mit Hilfe eines Atmosphären-Ozean-Modells prognostiziert, wie die Erde im Jahr 2500 aussehen wird, wenn die Klimakrise nicht gestoppt wird. Berechnet wurden drei Szenarien (Erwärmung: 2 Grad, 2,6 Grad, ungebremst), das Ergebnis: Wenn wir nicht schnell handeln, werden sich die Klimazonen und die Vegetation „drastisch verändern“. Unter anderem würden sich Hitzezonen, in denen das Leben für Menschen kaum erträglich ist, bis weit in gemäßigte Breiten ausdehnen.
scinexx.de: Unsere Welt im Jahr 2500

Ob Bäume oder Hightech: Methoden, mit denen sich CO2 aus der Atmosphäre entfernen lässt, werden gerne ins Spiel gebracht, wenn es um Wege zur Klimaneutralität geht. Letztendlich befördern sie aber den Irrglauben, dass wir uns weiterhin CO2-Emissionen leisten können. In diesem Beitrag erläutern der Klimawissenschaftler James Dyke von der Universität von Exeter, Robert Watson, emeritierter Professor der Universität von East Anglia, und Wolfgang Knorr von der Universität Lund, warum das so gefährlich ist: „Die einzige Möglichkeit, die Menschheit zu schützen, ist die sofortige und nachhaltige radikale Reduzierung der Treibhausgasemissionen auf sozial gerechte Weise.“
golem.de: Das Konzept der Klimaneutralität ist eine gefährliche Falle

Ohne Entnahme geht es aber auch nicht, argumentieren die Klimawissenschaftler Felix Schenuit und Oliver Geden, die detailliert den aktuellen Stand der Technik beschreiben. Ihr Ansatz: „Klimavorreiter ist, wer sich neben der Emissionsreduktion auch mit der CO2-Entnahme beschäftigt.“
ipg-journal.de: Patentrezept gesucht

Länder-Lobby: Laut einem BBC-Bericht haben Staaten wie Australien und Saudi-Arabien versucht, Einfluss auf den Weltklimarat IPCC der UN zu nehmen. Dabei ging es unter anderem darum, die Forderung nach einer Energiewende weg von fossilen Brennstoffen abzuschwächen.
tagesschau.de: Lobby-Versuche bei UN-Klimareport

Politik und Gesellschaft

Klimaziele – war da was? Eigentlich hat sich die Bundesregierung im neuen Klimaschutzgesetz verpflichtet, den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2030 um 65 Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken. Im Projektionsbericht des Bundesumweltministeriums, dessen Entwurf durchgesickert ist, wird festgestellt: Dieses Ziel wird nach aktuellem Stand erst zehn Jahre später erreicht.
br.de: Deutschland wird seine Klimaziele wohl weit verfehlen

Das Umweltprogramm der UN muss leider feststellen: überall dasselbe – die Förderung von Öl, Gas und Kohle geht munter weiter und wird sogar ausgebaut.
tagesschau.de: Förderung fossiler Brennstoffe nimmt zu

Lobbyismus überall: Wer immer noch glaubt, dass seine Nachbar*innen beim Klimaschutz schwächeln, könnte sich täuschen. Es gilt, die Perspektive zu wechseln, denn in Wahrheit sind es vor allem Lobbygruppen, die wirksamen Klimaschutz unmöglich machen.
taz.de: Im Interesse der Lobbyisten

Die Klimakrise eskaliert, die Gesellschaft ist zerrissen zwischen Reichtum und Prekarität:
blaetter.de: Wettlauf gegen die Zeit – Agenda für eine neue Regierung im Klimajahrzehnt

Das Netzwerk Klimajournalismus Deutschland hat in einem offenen Brief die Moderator*innen der drei Trielle vor der Bundestagswahl kritisiert. Keine*r habe den Ernst der Lage angemessen dargestellt. Auch konkrete Maßnahmen seien nicht abgefragt worden.   Stattdessen sei das Klimathema nur als Kostentreiber ins Visier geraten.
klimajournalismus.de: Offener Brief an die Intendanten, Geschäftsführer und Chefredaktionen von ARD, ZDF, PRO7/SAT1, RTL und NTV

Angst vor der Klimakrise? Für die Psychotherapeutin und Aktivistin Lea Dohm, die unter anderem Psychologists for Future gegründet hat, ist das eine „gesunde und normale Reaktion“.
taz.de: „Eine gesunde und normale Reaktion

Geld und Gerechtigkeit

Keine Steuererhöhungen, keine Schulden – und trotzdem genug Geld für wirksamen Klimaschutz: Durch das Auslagern von Investitionen an quasi privat agierende Gesellschaften könnte die Ampelkoalition die Schuldenbremse ausbremsen.
taz.de: Geldbeschaffung einfach auslagern

Eine vollständige Übernahme der Heizkosten für Empfänger von Hartz IV und weitere Entlastungen sind unverzichtbar, wenn im Zuge von Klimaschutz-Maßnahmen der CO2-Preis steigt. Das von den Grünen vorgeschlagene Energiegeld kann dabei nur ein Anfang sein.
taz.de: Die Kosten der Klimawende

Aktionen

#IhrLasstUnsKeineWahl: Die Klimabewegung ruft nach dem erfolgreichen Klimastreik am 24. September für den heutigen Freitag wieder zu Protestaktionen auf. Diese sollen der Weltklimakonferenz COP26 in Glasgow gelten. Der heutige Streik ist der Auftakt für weitere Aktionen, unter anderem sind Blockaden durch Ende Gelände und Extinction Rebellion geplant.
taz.de: „Die Staaten müssen liefern“

Fridays for Future macht zudem direkten Druck auf SPD, Grüne und FDP: „Die Zeit der Ausreden ist vorbei“

In Berlin werden laut Polizeiangaben etwa 10.000 Demonstrant*innen erwartet.

Energie

Bei der Nutzung erneuerbarer Energien liegt Deutschland im europäischen Vergleich unter dem Durchschnitt. Spitzenreiter ist Schweden. Ziel der EU ist es, den Anteil der Erneuerbaren am Bruttoendenergieverbrauch bis 2030 auf 40 Prozent zu steigern.
tagesschau.de: Deutschland nur im unteren Mittelfeld

Seit 1971 war im französischen Ölkonzern Total Energies bekannt, welche Auswirkungen die Treibhausgas-Emissionen auf den Planeten haben. Die Klimakrise hätte damals bekämpft werden können. Stattdessen verhielt sich Total ebenso wie seine Wettbewerber ExxonMobil, Shell und BP: Die Risiken wurden verschleiert, Erkenntnisse blieben im Dunkeln, und der Klimawandel wurde bestritten.
spiegel.de: Der Ölkonzern Total wusste seit 1971 von der Klimakrise

Mobilität

Angela Merkel hat als Kanzlerin wesentlich dazu beigetragen, die großen Autokonzerne durch Subventionen und politische Entscheidungen zu bevorteilen. Die Automobilindustrie ist damit ein besonders trauriges Beispiel dafür, wie kurzsichtige Politik Schäden in Billionenhöhe anrichtet (Unfälle, Abgase, Lärm) und das Klima ruiniert.
freitag.de: Kanzlerin der Pkws

#Sharewochen: Mit diesem Hashtag will Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann autoverrückte Jugendliche zum Carsharing überreden. Helfen sollen dabei auch Fahrschulen.
swr.de: BW-Verkehrsminister setzt auf Auto-Alternativen für junge Leute

Mit bis zu 6.750 Euro wird der Kauf von Plugin-Hybriden gefördert. Dabei nutzen laut Studien des Fraunhofer-Instituts private Fahrer*innen den Elektroantrieb nur zu 43 Prozent, bei Dienstwagen sind es sogar nur 18 Prozent. Trotzdem läuft die Förderung weiter, während die Niederlande und Großbritannien ihre Programme inzwischen eingestampft haben.
tagesschau.de: Wachsende Zweifel an Plugin-Hybriden

Umwelt und Ernährung

Hunger, Armut und Vertreibung: Die Klimakrise trifft Afrika besonders hart – und zwar bereits jetzt. Das steht im Bericht „The State of the Climate in Africa 2020“ den die Weltwetterorganisation (WMO) mit der Afrikanischen Union (AU) und anderen Partnern erstellt hat.
tagesschau.de: Klimawandel trifft Afrika mit voller Härte

In Indien wehren sich die Menschen gegen die Folgen der Klimakrise: Sie organisieren sich, um die verheerenden Schäden nach Extremwetterereignissen zu beseitigen.
taz.de: Land unter

Pazifische Austern statt Miesmuscheln: Die durch die Klimakrise ausgelöste Erwärmung der Meere hat dramatische Folgen für Ökosysteme, etwa in der Nordsee.
freitag.de: Das Watt ist bald weg

Bauen und Wohnen

„Wir fordern einen Mietenstopp.“ – Lukas Siebenkotten, Präsident des Deutschen Mieterbundes, findet die Sondierungsergebnisse von SPD, Grünen und FDP zum Thema bezahlbarer Wohnraum viel zu mager. Er will sechs Jahre lang keine Mieterhöhungen zulassen.
taz.de: „Sechs Jahre keine Mieterhöhungen“

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