Klima-Links der Woche: Hitzerekord in der Arktis

von Uwe

Im Wochenrückblick geht es um Cem Özdemir, stehendes Wetter, den Mittelstand und eingeknickte Grüne. Außerdem zappen wir zum Klima im Kinderfernsehen. Schönes Wochenende!

Klima-Links der Woche: Hitzerekord in der Arktis

Themenfelder der Woche: Wissenschaft, Politik und Gesellschaft, Geld und Gerechtigkeit, Aktionen, Energie, Umwelt und Ernährung, Bauen und Wohnen.

Unseren Blogbeitrag zum Koalitionsvertrag der Ampel findet Ihr hier.

Wissenschaft

Längere Hitzewellen, ausdauernder Regen: Die Treibhausgas-Emissionen haben dafür gesorgt, dass es immer häufiger zu anhaltenden Wetterphänomenen kommt. Um das nachzuweisen haben die Forscher*innen des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung  Bildvergleichsmethoden auf Atmosphärendaten angewendet und Millionen aufeinanderfolgender Wetterzirkulationsmuster weltweit verglichen.
taz.de: Wenn das Wetter stehen bleibt

Politik und Gesellschaft

Das EU-Klimaschutzprogramm "Fit for 55" wurde am heutigen Freitag im Bundesrat diskutiert. Ziel des Programms ist es, den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2030 um 55 Prozent zu verringern, gemessen an 1990. Robert Habeck (Grüne), neuer Klimaschutzminister, warb in der Sitzung für den Klimapakt. Er fordert, dass die Länder ihre Kräfte bündeln, insbesondere um einen möglichst schnellen Kohleausstieg zu schaffen.
tagesschau.de: Habeck will mit Ländern "Kräfte bündeln"

Ziele schon verfehlt: Die neue Bundesregierung ist erst wenige Tage im Amt, doch die Grünen haben bereits Frust und Ärger bei der Klimabewegung ausgelöst. Grund: In den Koalitionsverhandlungen wurden wichtige Forderungen aufgegeben, scheinbar wegen interner Machtkämpfe. Vom Weg der Grünen auf den 1,5-Grad-Pfad kann aktuell daher keine Rede mehr sein.
taz.de: Verrat am eigenen Anspruch

Die Klimakrise bedroht Frieden und Sicherheit weltweit, das ist längst keine Frage mehr. Trotzdem haben Russland und Indien im Weltsicherheitsrat gegen eine entsprechende Resolution gestimmt. China enthielt sich der Stimme.
taz.de: Klima ist Moskau zu politisch

Ein Autofreund an der Spitze des Klimaausschusses? Selbst Parteimitglieder sind entsetzt darüber, dass Klaus Ernst von der Linken den Posten besetzen soll. Die einstige energiepolitische Sprecherin Dorothee Menzner trat mit sofortiger Wirkung aus der Partei aus.
taz.de: Klimakatastrophe in der Linken

Kinder wollen Klimaschutz in den Medien sehen – was die zu bieten haben, hat sich die taz angeschaut.
taz.de: Behutsames Berichten

Geld und Gerechtigkeit

Die staatliche Förderbank KfW hat in einer Umfrage unter mittelständischen Unternehmen den Stand bei Investitionen in den Klimaschutz ermittelt. Insgesamt wurden danach 2020 22 Milliarden Euro investiert, allerdings nur von 12 Prozent der Befragten. Nur bei einem Viertel der Unternehmen spielt der Klimaschutz in den aktuellen Planungen eine Rolle.
rnd.de: Studie: Nur ein Viertel der Mittelständler hat Klimaschutz auf der Agenda

Aktionen

Das vom Braunkohleabbau bedrohte Dorf Lützerath soll Unesco-Weltkulturerbe werden. Der Polizist Bastian Brinkmann von Parents for Future Bielefeld hat einen entsprechenden Antrag eingebracht, der nun vom Bauministerium in Nordrhein-Westfalen und vom Landesamt für Denkmalpflege geprüft werden muss.
taz.de: Weltkulturerbe Lützerath

Energie

Kohle-Katastrophe: Im dritten Quartal 2021 stieg die mit Kohle erzeugte Strommenge im Vorjahresvergleich um 22 Prozent! Kohle war wichtigster Energieträger, die Erneuerbaren kommen nur auf einen Anteil von etwa 43 Prozent. Das Versagen der großen Koalition beim Ausbau klimafreundlicher Energielieferanten wirkt nach, die neue Regierung muss schleunigst gegensteuern.
tagesschau.de: Kohle liefert den meisten Strom

Zweischneidiger Entwurf: Die Europäische Kommission will ihre Förderung von Erdgas-Pipelines stoppen, den Gasmarkt zugunsten von Wasserstoff umbauen und die Lieferverträge für Gas loswerden. Doch die Pläne sind heftig umstritten, so wird es von den Grünen als „vorweihnachtliche Wunschliste der Gasindustrie“ bezeichnet.
taz.de: Wasserstoff statt Erdgas-Pipeline

Ein Sachverständigenrat soll in Baden-Württemberg für Rückenwind beim Windkraftausbau sorgen. Schlechtes Wortspiel, ja, aber Hauptsache, die Landesregierung beendet endlich die Flaute bei den Erneuerbaren.
swr.de: Ausbau der Windenergie: Baden-Württemberg beruft Klima-Sachverständigenrat

Der SWR hat auch eine Analyse vorgelegt, die den aktuellen Stand des Ausbaus der Erneuerbaren im Land unter die Lupe nimmt. Fazit: Photovoltaik hui, Windkraft pfui.

Etwa 200 Windräder sorgen rund um das im Main-Tauber-Kreis gelegene Dorf Pülfringen für emissionsfreien Strom. Die Bevölkerung hatte den Windkraftausbau zunächst begrüßt, doch seit 2013 eine neue Reihe Rotoren aufgestellt werden sollte, hat sich die Stimmung gedreht. Wie das vermieden werden könnte, zeigen „Bürger-Windräder“ an anderen Orten in Baden-Württemberg.
swr.de: Erst Freude, dann Frust: Wie das Dorf Pülfringen unter seinen vielen Windrädern leidet

Mobilität

Staatliche Förderung bis Ende 2022: Die neue Bundesregierung hat die Prämienregelung für den Kauf von Elektro- und Hybridautos verlängert. Erst danach sollen nur noch Autos von  Steuerzahlenden mitfinanziert werden, die nachweislich einen positiven Effekt für den Klimaschutz haben.
tagesschau.de: Kaufprämie für E-Autos wird verlängert

Verkehrswendestau: Winfried Hermann von den Grünen ist seit zehn Jahren Verkehrsminister in Baden-Württemberg. Genauso lange wartet die Klimabewegung auf eine echte Verkehrswende. Jetzt will Hermann immerhin das 365-Euro-Ticket einführen – allerdings nur für Schüler, Studierende und Auszubildende. Ob das Ticket wie geplant bis September 2022 eingeführt werden kann, ist ebenfalls noch fraglich.
swr.de: Verkehrswende in Baden-Württemberg - so ist der Stand aktuell

Am Versuch, den Einsatz von Elektroautos im ländlichen Raum schönzureden, ist die Tagesschau-Redaktion gescheitert. Trotz der vielversprechenden Überschrift des Beitrags:  Reichweite, Ladeinfrastruktur und Kosten bleiben hohe Hürden.
tagesschau.de: Warum sich Elektroautos auch auf dem Land lohnen

197 Prozent mehr Elektrofahrzeuge im Vergleich zu 2020 wurden in China im ersten Halbjahr 2021 verkauft. Wie diese Zahl zustande kommt, zeigt der Freitag am Beispiel der Millionenstadt Liuzhou.
freitag.de: Welthauptstadt der Elektromobilität

Tempolimit vor Gericht: Die Deutsche Umwelthilfe will eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf Autobahnen mit juristischen Mitteln durchsetzen.
taz.de: Rechtsweg für das Tempolimit

Ideenreich in der Klimakrise: Der chinesische Unternehmer Liu Shutong sammelt mit seinem Start-up MotionEco das in Restaurants verwendete Speiseöl ein und verkauft es an lokale Energiedienstleister. Dort wird es zu Biodieselöl verarbeitet.
taz.de: Diesel aus der Bratpfanne

Umwelt und Ernährung

Vom nordsibirischen Werchojansk zum Polarkreis sind es nur 118 Kilometer. Trotzdem wurden dort im vergangenen Jahr 38 Grad Hitze gemessen. Der Temperaturrekord vom 20. Juni 2020 ist ein deutliches Alarmsignal in der Klimakrise.
tagesschau.de: Hitzerekord in der Arktis bestätigt

„Tierwohl und Bauernleid“, so fasst der Freitag das Aufgabengebiet des neuen Landwirtschaftsministers Cem Özdemir (Grüne) zusammen. Er will auf Basis bereits von Agrarwirtschaft und Umweltverbänden erarbeiteten Vorschlägen die Landwirtschaft umkrempeln, auch mit Blick auf den Klimaschutz. Als Vorteil könnte sich dabei erweisen, dass er kein Experte auf seinem neuen Themengebiet ist.
freitag.de: Cem Özdemir ist kein Experte, das ist ein Vorteil

Klimaneutrales Hähnchenfleisch? Das kam Foodwatch seltsam vor – und tatsächlich spricht alles für 1a Greenwashing. Dafür gab's von der NGO den „Goldenen Windbeutel“.
tagesschau.de: „Goldener Windbeutel“ geht an REWE

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