Klima-Links der Woche: Schluss mit dem Greenwashing!

von Uwe

Im Wochenrückblick geht's um die Proteste gegen die IAA, den dritten Teil des IPCC-Berichts und Laschets Hambi-Lüge. Außerdem: Jobkiller Merkel, Grüne EU-Bonds und der Komodowaran. Schönes Wochenende!

Klima-Links der Woche: Schluss mit dem Greenwashing!

Themenfelder der Woche: Wissenschaft, Politik und Gesellschaft, Geld und Gerechtigkeit, Aktionen, Energie, Mobilität, Umwelt und Ernährung, Bauen und Wohnen.

Wissenschaft

„Scientist Rebellion“ heißt die Gruppe, die den dritten Teil des IPCC-Berichts zum Weltklima geleaked hat. Über die Hintergründe informieren drei beteiligte Wissenschaftler*innen im Interview mit tagesschau.de: „Wir glauben, dass nur massenhafter ziviler Ungehorsam so viel Druck aufbauen kann, wie nötig wäre, um Veränderung zu bewirken - weil alles andere vorher nicht funktioniert hat und nicht, weil es uns Spaß macht.“
tagesschau.de: „Scientist Rebellion“

Keine der im Bundestag vertretenen Parteien würde mit ihren in den Wahlprogrammen angekündigten Klimaschutz-Maßnahmen die bis 2030 erforderlichen Klimaziele erreichen. Das hat eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) ergeben. Laut der Studie kommen die Grünen dem ZIel am nächsten, die FDP ist Schlusslicht. Studienleiterin Claudia Kemfert wies darauf hin, dass die AfD den menschengemachten Klimawandel leugne und daher nicht in die Studie aufgenommen wurde.
tagesschau.de: Keine Partei würde Klimaziele erreichen

Politik und Gesellschaft

Jobkiller Merkel: In der Regierungszeit der Kanzlerin fielen etwa 117.000 Arbeitsplätze den Eigeninteressen der Energiekonzerne zum Opfer. Betroffen waren die Solar- und die Windkraftindustrie.
heise.de: Arbeitsplätze vernichtet, um Klimaschutz zu verhindern

Klimapolitik gleich Kohlepolitik: Auf diesen Nenner lässt sich die Reportage von Anne-Sophie Lang bringen, die Armin Laschets Politik in NRW beleuchtet. Fazit: Laschet wolle es allen recht machen, das habe zu einer miserablen Bilanz beim Klimaschutz geführt.
freitag.de: Er zeigte sich sehr betroffen

Die schwachen Umfragewerte der Union haben sogar Angela Merkel auf den Plan gerufen, die sich eigentlich nicht am Wahlkampf beteiligen wollte. Wäre auch besser gewesen, denn mehr als den drohenden Kommunismus für den Fall einer rot-grün-roten Koalition an die Wand zu malen, fiel der Kanzlerin im Bundestag nicht ein.
taz.de: Kanzlerinrede im Bundestag

Der CDU-Wirtschaftsrat, ein Verein der Lobbyisten und CDU-Wahlhelfer, hat gefordert, dass Klima-Klagen gegen Konzerne verboten werden, wie sie etwa von Umwelthilfe und Greenpeace angedacht werden.
spiegel.de: CDU-Wirtschaftsrat fordert Verbot von Klimaschutzklagen gegen Konzerne

Geld und Gerechtigkeit

Das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) und das Öko-Institut warnen vor dramatischen Folgekosten der Klimakrise für Geringverdienende. Nur zwei Gründe dafür: Sie leben häufig in schlecht gedämmten Häusern oder Wohnungen, und Lebensmittel werden teurer, wenn die Produktion teurer wird.
taz.de: Studie zu Kosten des Klimawandels

Nicht alle Klimafonds sind klimafreundlich. In den Analysen des Londoner Think Tanks InfluenceMap hat sich gezeigt, dass insbesondere große Anbieter in Sachen Klimaschutz mehr versprechen als sie halten. Konkret: Von 130 überprüften Fonds investierten 72 in Unternehmen, deren Emissionen über denen liegen, die für das Erreichen der Klimaziele erforderlich sind.
ecoreporter.de: Studie: Mehr als die Hälfte der Klimafonds ist wenig klimafreundlich

Vielleicht sind die Grünen Bonds der EU besser als Geldanlage geeignet? Jedenfalls will die Europäische Union zum größten Herausgeber von nachhaltigen Anleihen werden. Mit ihnen sollen unter anderem die Kosten der Corona-Krise finanziert werden.
tagesschau.de: EU – Green Bonds

Aktionen

Laschet entlarvt: Die Räumung der Baumhäuser von Aktivisti im Hambacher Forst im Herbst 2018 war rechtswidrig. Das hat das Kölner Verwaltungsgericht festgestellt. Bei dem Einsatz war ein junger Aktivist zu Tode gestürzt. Nach dem Urteil wurden Rücktrittsforderungen gegen den NRW-Ministerpräsidenten sowie gegen Innenminister Herbert Reul und Bau- und Brandschutz-Ministerin Ina Scharrenbach laut. Hashtag: #LaschetRücktritt.
taz.de: Von wegen Brandschutz

Weitere Infos gibt's auch auf heise.de: „Letztlich verfehlten Gewalt und Repression aber ihr Ziel und erwiesen sich gesellschaftspolitisch als regelrechter Rohrkrepierer. Die Tagebaugegnerinnen und -gegner ließen sich nicht einschüchtern.“

Klimacamp beim Münster: Bereits seit einem Monat suchen Aktivisti von Fridays for Future in Konstanz über ein Protest-Zeltlager den Dialog mit der Politik. Der SWR hat die etwa 40 Klimakämpfer*innen besucht.
swr.de: Ein Monat Klimacamp in Konstanz

Mit Hungerstreiks machen Klimaaktivisti auf die nahende Klimakatastrophe aufmerksam. Sie wollen erreichen, dass ein Bürger*innen-Rat zum Klima eingerichtet wird.
taz.de: „Mir geht es nicht gut“

Energie

Zementwerke und Stahlindustrie klimafreundlich zu gestalten, ist eine enorme Aufgabe. Wie sie angegangen werden könnte, zeigt dieser Beitrag.
tagesschau.de: Wie Industrie-Emissionen sinken sollen

Die umstrittene Gas-Pipeline Nord Stream 2 ist fertig. Durch sie soll Gas von der Narwa-Bucht in Russland bis Lubmin in der Nähe von Greifswald transportiert werden. Der Streit um die Leitung ist damit aber nicht beendet, zumal die Bundesregierung diese noch zertifizieren muss.
tagesschau.de: Nord Stream 2 ist fertiggestellt

Mobilität

Auf der Internationalen Automobil Ausstellung (IAA), die erstmals in München stattfindet, zeigt sich, dass Macht und Einfluss der Autolobby schwinden. Verkehrspolitisch habe sich der Wind gedreht, berichtet die taz. In München wollen Zehntausende Demonstrierende gegen das Greenwashing der Autokonzerne demonstrieren.
taz.de. Greenwashing auf der IAA

Die Firmen reagieren entsprechend und geben sich auf der Automesse plötzlich als überzeugte Verfechter von E-Mobilität und Klimaschutz.

Verkehrsplaner Michael Mögele findet das unglaubwürdig und sagt im taz-Interview: „Die Industrie fetischisiert das Individuelle geradezu, und das ist problematisch.“

Am Eröffnungstag der IAA seilten sich Aktivisti von Autobahnbrücken ab und starteten andere Protestaktionen, auch auf dem Messegelände.

Zu den zahlreichen Aktionen des Protests gegen die Internationale Automobil Ausstellung (IAA) in München gehört auch eine Sternfahrt durch Süddeutschland.

Das harte Vorgehen der Polizei gegen die Aktivisti wird unter anderem in der taz kritisiert: „München wirkt wie ein Polizeistaat light.“

Umwelt und Ernährung

Julia Klöckner macht Wahlkampf: Die CSU-Agrarministerin hat eine „Waldstrategie 2050“ veröffentlicht, das den weiteren Ausbau des „klima-angepassten Mischwaldes“ vorsieht. Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) kritisiert den Fokus auf den Wald als „Holzfabrik“, sie warf Klöckner außerdem vor, gegen den Koalitionsvertrag zu verstoßen. Dieser sieht eine „gemeinsame Waldstrategie“ vor. Auch der BUND kritisiert, er sei nicht an den Plänen beteiligt worden. Klöckner schütze nur Lobby-Interessen.
taz.de: GroKo im Clinch um Kompetenzen

„Große Klappe, nichts dahinter“: Die taz wirft Julia Klöckner vor, als Agrarministerin bei Themen wie Klimaschutz, Tierhaltung oder Pestiziden während ihrer Amtszeit so gut wie nichts erreicht habe.
taz.de: Klöckners Amtszeit

Agrophotovoltaik schont Ressourcen, schafft für Landwirte neue Einnahmequellen und ist gut für den Klimaschutz. Das hat ein Pilotprojekt des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE ergeben.
ise.fraunhofer.de: Sonne ernten auf zwei Etagen: Agrophotovoltaik steigert Landnutzungseffizienz um über 60 Prozent

Umfassender Schutz des Regenwaldes: Bis 2025 sollen 80 Prozent des Amazonasgebiets sicher vor Eingriffen wie Abholzung oder Bergbau sein. Das hat die Vollversammlung der Weltnaturschutzunion (IUCN) gefordert. Sie stimmte damit einem Antrag indigener Gruppen zu.
tagesschau.de: Indigene setzen sich durch

Der Komodowaran lebt auf der gleichnamigen indonesischen Insel und ist bereits seit Jahrzehnten vom Aussterben bedroht. Jetzt ist die Lage so dramatisch, dass er von der Weltnaturschutzunion (IUCN) auf die Rote Liste der „stark gefährdeten“ Tierarten gesetzt wurde. Durch die Klimakrise könnte in den kommenden 45 Jahren etwa ein Drittel des Lebensraums der Echse verschwinden.
tagesschau.de: Bedrohte Arten

Macht's gut – und hier noch ein Video-Tipp: Rezo hat Teil 2 seiner Zerstörungs-Reihe vorgelegt – dieses Mal geht es um die Parteien und den Klimaschutz. Sein Urteil fällt zu Recht vernichtend aus, aber schaut selbst!
Rezo/YouTube: Die Zerstörung, Teil 2

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