Klima-Links der Woche: Kippt das Klima in Europa?

von Uwe

Im Wochenrückblick geht es um den IPCC-Report, Flut und Feuer, den Klimawahlcheck und Transferleistungen für Geringverdienende. Außerdem: jede Menge Aktionen und ein vom späten Kohleausstieg verursachtes Budgetproblem. Schönes Wochenende!

Klima-Links der Woche: Kippt das Klima in Europa?

Themenfelder der Woche: Wissenschaft, Politik, Geld und Gerechtigkeit, Aktionen, Energie, Mobilität, Umwelt und Ernährung

Zum IPCC-Report, der diese Woche die Schlagzeilen dominierte, haben wir einen eigenen Beitrag online gestellt.
Es geht um jedes Zehntelgrad – Warum wir weiter kämpfen müssen

Die Reaktion von China und Australien auf den Bericht: äußerst enttäuschend.
tagesschau.de: Kein Interesse an mehr Klimaschutz

Thema der Woche: Zwischen Flut und Feuer

Feuer in Südeuropa, Flutkatastrophe in Deutschland, Belgien und den Niederlanden: Bei t-online.de wird gut erläutert, was die aktuellen Extremwetter-Ereignisse mit den Klima-Kipppunkten zu tun haben.
t-online.de: Kippt das Klima in Europa?

Auf Sizilien wurde vermutlich mit 48,8 Grad der europäische Hitzerekord gebrochen.

Im IPCC-Report (siehe oben) wird der Mittelmeerraum bereits zum Hotspot der Klimakrise erklärt. Ein taz-Autor nimmt Abschied.

In Algerien sind bei Waldbränden über 60 Menschen ums Leben gekommen.

In Sibirien brennen schon seit Anfang des Jahres über 16 Millionen Hektar Wald.

Und in Spanien wurden ebenfalls bereits die Löschflugzeuge losgeschickt.

Wissenschaft

Wirksamer Klimaschutz ist möglich, wird aber durch die immer gleichen Argumentationsmuster verhindert. Die Psychologists for Future decken
sie auf. Leider steckt der Beitrag weitgehend hinter der Paywall der Riffreporter.
riffreporter.de: Nicht ich, nicht jetzt, nicht so, zu spät

Politik

Welche Partei ist die beste fürs Klima? Der Klimawahlcheck von Klima-Allianz, German Zero und NABU hilft Euch bei der Entscheidung.
Hier geht's zum Klimawahlcheck.

Wann begreifen die Politiker*innen endlich, dass die Klimakrise längst da ist? Diese Frage stellt sich Franz Alt in einer Kolumne für die Klimareporter. Er weist dabei auch nach, dass Extremwetter-Ereignisse bereits seit Anfang des Jahrhunderts stark zugenommen haben. Seine Forderung: „Das alte Prinzip Hoffnung muss endlich ergänzt werden durch das neue Prinzip Handeln für die künftigen Generationen. Klimaschutz muss das Thema Nummer eins der neuen Regierung werden.“
klimareporter.de: Die Erde hat Fieber – jetzt!

Lob für die KlimalisteBW: US-Aktivistin Naomi Klein erwähnt uns in ihrem neuen Buch als Vorbild für die Bedeutung politischen Handelns in der Klimakrise.
taz.de: Fridays brauchen Nachwuchs

Die baden-württembergische Umweltministerin Thekla Walker wird im Freitag porträtiert. Sie sammelt im Wahlkampf Beispiele für Maßnahmen, mit denen das 1,5-Grad-Ziel erreicht werden kann – und hat nach Ansicht der Autorin das Zeug, erste Ministerpräsidentin des Landes zu werden.
freitag.de: Die Späteinsteigerin

Wie drängend die Klimaproblematik ist, sollte eigentlich jeder kapieren, sagt Roland Roth, Leiter der Wetterwarte Süd, im KONTEXT-Interview. Warum dem nicht so ist? Roth nimmt kein Blatt vor den Mund: „unter dem Einfluss der Verblödungssender RTL 2, SAT 1 und Pro 7, dümmlicher InfluencerInnen, schwachsinniger Fake News und selbst ernannter WunderheilerInnen sind Teile dieser Gesellschaft auf dem Wege zur totalen geistigen Umnachtung und nicht mehr in der Lage, Fakten anzuerkennen und daraus die dringend nötigen Schlüsse zu ziehen.“ Auch in Baden-Württemberg müssten wir uns immer öfter „auf Gefahrenlagen einstellen“.
kontextwochenzeitung.de: „Ohne anbiederndes Geseire“

Geld und Gerechtigkeit

Ein höherer Preis für Treibhausgase führt dazu, dass die Kosten für Energie und viele Konsumgüter steigen. Thieß Petersen, Senior Advisor der Bertelsmann Stiftung, analysiert, mit welchen verteilungspolitischen Maßnahmen eine gerechte Belastung erreicht werden könnte. Sein Fazit: „Unstreitig sollte jedoch sein, dass Haushalte mit geringen Einkommen in jedem Fall Transferzahlungen erhalten müssen, um eine Energie- und Mobilitätsarmut zu verhindern.“
ipg-journal.de: Das wird teuer

Steuer sind zum Steuern da, darum sind sie in der Klimakrise ein unverzichtbares Instrument. Welche Steuern in der Klimakrise erhöht (Fleisch) und welche gesenkt (pflanzliche Produkte) werden sollten, erläutert Klaus Jacob, Forschungsleiter an der Forschungsstelle für Umweltpolitik der Freien Universität Berlin.
ipg-journal.de: Sexy sind sie nicht

Wie können die reichen Industrieländer die Entwicklungs- und Schwellenländer auf dem Weg zur Klimaneutralität unterstützen? Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) fordert dafür in erster Linie eine Überarbeitung der internationalen Klimafinanzierung.
diw.de: Klimafinanzen: Industriestaaten sollten Unterstützung an Schwellenländer mit eigenen Verpflichtungen verbinden

Aktionen

Fridays for Future und andere Gruppierungen haben nach Veröffentlichung des IPCC-Reports neue Protestaktionen angekündigt.
taz.de: Spätsommer der Klimaproteste

Klimaaktivisti in Karlsruhe fordern das Aus für einen Block des Kohlekraftwerks der EnBW. Aktuell muss die Genehmigung für ein Ableiten von Kühl- und Abwasser in den Rhein verlängert werden. Das Land hat die Möglichkeit, diese Genehmigung zu versagen und damit einen Schritt für den Klimaschutz zu tun.
swr.de: Klimaschützer wollen Aus für Karlsruher Kohlekraftwerk

„#blockIAA - Autokonzerne entmachten, Klima schützen“ lautet das Motto der Aktivisti, die zu Protestaktionen gegen die Automesse IAA aufrufen. Der Autogipfel findet im September in München statt. Die Initiator*innen der Proteste fordern eine radikale Verkehrswende, autofreie Städte und kostenloser ÖPNV inklusive.
stuttgarter-nachrichten.de: Autogegner rufen zu IAA-Blockaden auf

Energie

Kohle frisst das Restbudget: Werden die deutschen Kohlekraftwerke wie geplant erst 2038 abgeschaltet, kann Deutschland sein nationales CO₂-Budget voraussichtlich nicht einhalten. Das steht in einer Studie, die von Energy Brainpool im Auftrag von Greenpeace Energy erstellt wurde. Gemäß der Kalkulationen des IPCC darf Deutschland von 2020 an gerechnet nur noch insgesamt 4.400 Megatonnen CO2 ausstoßen. Nach dem aktuellen Plan für den Kohleausstieg würden davon fast 2.000 Megatonnen auf die Kohle entfallen.
taz.de: Zu langsamer Ausstieg aus der Kohle

Mobilität

Wenn der Staat Elektromobilität fördert, ist das gut für Besserverdienende. Menschen mit geringem Einkommen werden dagegen stärker belastet. Das haben die Analysten der Deutsche Bank Research ermittelt. Auch der Staat zahlt scheinbar drauf – 800 bis 1.000 Euro pro Tonne CO₂, die weniger ausgestoßen wird. Im Rahmen des Emissionshandels könnte mit diesen Summen das 16- bis 20-fache an CO2-Emissionen vermieden werden.
taz.de: Kaum etwas gewonnen

Umwelt und Ernährung

Sie kriegen's einfach nicht hin: Umwelt- und Agrarministerium haben sich nicht auf einen Plan zum Schutz der Moore einigen können. Blockiert hat wieder einmal Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner.
taz.de: Plan zum Moorschutz gescheitert

Der Chemiekonzern Bayer hat in den USA erneut einen Prozess um das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat verloren. Ein Gericht in San Francisco verurteilte das Unternehmen dazu, eine Strafzahlung in Höhe von 73,9 Millionen Euro an ein Ehepaar zu bezahlen, dass an Krebs erkrankt war.
taz.de: 74 Millionen Euro Glyphosat-Strafe

Stark unterschätzt wurden scheinbar die durch die Erdgasindustrie verursachten Methan-Emissionen. Bisher galt die Landwirtschaft als größter Verursacher, doch Messungen der europäischen Raumfahrtagentur ESA haben ergeben, dass an Gasbohrstellen und entlang von Pipelines enorme Mengen Erdgas entweichen.
tagesschau.de: Das unterschätzte Klimagas

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