Klima-Links der Woche: Koalition, Proteste, Hitzewellen

von Uwe

Im Wochenrückblick geht es um die Koalitionsverhandlungen und begleitende Proteste. Außerdem: regionale Vorhersagen zur Klimakrise, Lützerath, Windflaute und verschwendete Lebensmittel. Schönes Wochenende!

Klima-Links der Woche: Koalition, Proteste, Hitzewellen

Themenfelder der Woche: Wissenschaft, Politik und Gesellschaft, Geld und Gerechtigkeit, Aktionen, Energie, Mobilität, Umwelt und Ernährung, Bauen und Wohnen.

Wissenschaft

Sieben Mal so viele Hitzewellen wie ein 1960 geborener Mensch werden heute geborene Kinder in ihrer Lebenszeit erleben. Auch andere Formen von Extremwetter treffen die jetzt Geborenen künftig mit voller Wucht. Das hat eine Studie der Kinderrechtsorganisation Save the Children in Zusammenarbeit mit der Vrije Universiteit Brüssel ergeben. Grundlage der Berechnungen sind die aktuellen Maßnahmen zur Reduzierung von Treibhausgasen.
zdf.de: Junge Generation erlebt mehr Extremwetter

Die vom Weltklimarat IPCC erarbeitete Grundlage für Modellierungen auf regionaler Ebene ermöglicht es, die Folgen der Klimakrise konkret zu beschreiben und Handlungsempfehlungen abzuleiten – etwa in einer Stadt wie Stuttgart. Bei der nötigen Transformation zur klimagerechten Stadt sind Politik, Bürger*innen und Klimabewegung gleichermaßen gefordert.
kontextwochenzeitung.de: Druck von unten statt Phrasen von oben

Politik und Gesellschaft

WAHLNACHLESE

Diese Wahl war keine Klimawahl. Zu groß war die Angst vor angeblichen Verboten, zu klein ist die Veränderungsbereitschaft der Deutschen. Das kritisiert auch Jakob Augstein in seiner Analyse: „Die Deutschen wollten gar keine andere Regierung. Aber wenn schon die alte nicht mehr im Angebot war, dann wollten sie wenigstens keine andere Politik.“
freitag.de: Kanzler oder Ampelmännchen?

Grüne und FDP haben sich bereits getroffen, bis zum kommenden Dienstag wollen alle möglichen Koalitionspartner miteinander gesprochen haben. Inhaltlich ist noch nichts durchgesickert.
tagesschau.de: Sondierungen von Freitag bis Dienstag

FFF-Aktivist Quang Paasch erwartet wenig Positives von den Verhandlungen: „Keine Partei hat eine gescheite 1,5-Grad-Strategie oder kann Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit ordentlich verbinden.“
taz.de: „Jo, euer Programm reicht nicht“

Wir fordern zwei Dinge: eine Task-Force fürs Klima, die sofort ihre Arbeit aufnimmt. Und den kompromisslosen Einsatz der Grünen fürs Klima in den anstehenden Verhandlungen.

„Sicherheit im Wandel“: Kai Niebert, Chef des Deutschen Naturschutzrings, sagt, die Deutschen hätten bei der Bundestagswahl für den Klimaschutz abgestimmt. Allerdings für eine ganz bestimmte Form von Maßnahmen, deren Fokus auf klassischer Industriepolitik liege.
taz.de: „Jamaika ist beim Klima absurd“

Im neuen Bundestag werden weniger „Klimabremser“ sitzen: Statt 39 erwarten Umweltanalysten noch 22 Abgeordnete, die gegen wirksamen Klimaschutz agieren.
taz.de: Klimabremser abgewählt

Frank Roselieb, Leiter des Instituts für Krisenforschung in Kiel, weiß: Menschen müssen bei ihren Problemen abgeholt werden, sie brauchen Lösungen für das, was sie akut beschäftigt. Darum macht es aus seiner Sicht keinen Sinn, ein abstraktes Bild der künftigen Klimakatastrophen zu entwerfen. Vielmehr müssten Themen stärker angesprochen werden wie „funktionierende Krankenhäuser, Fernreisen mit dem Flugzeug und problemlos zur Arbeit ... kommen“.
msn.de: Klimawandel: "Die Klimakrise ist nicht akut genug, um danach zu handeln"

Geld und Gerechtigkeit

Klimaschutz ist nicht teuer. Teuer wird es, wenn jetzt nicht gehandelt wird. Was die Europäische Zentralbank längst weiß, ist in der Politik noch nicht angekommen. Christian Stöcker macht die Rechnung auf: Allein ein klimafreundlicher Umbau der Energieversorgung würde uns Verbraucher*innen helfen, künftig Geld zu sparen. Einzige Verlierer wären die Fossil-Konzerne.
spiegel.de: Wer bremst, verliert

Die neue Bundesregierung muss sozial gerechten Klimaschutz durchsetzen, fordert Soziologieprofessorin Cornelia Koppetsch. Ärmere Haushalte hätten einen geringeren CO2-Fußabdruck, sie dürften nicht durch höhere Energiekosten zusätzlich belastet werden.
freitag.de: Das Öko-Shaming der Armen

Aktionen

FFF, Sea-Watch, Oxfam, XR...: Vom 20. bis zum 29. Oktober werden zahlreiche Organisationen die Koalitionsverhandlungen in Berlin mit einer Klima-Aktionswoche kritisch begleiten. Alle Infos gibt's nach dem Klick.
Gerechtigkeit Jetzt! – Aktionstage zu den Koalitionsverhandlungen

Stillstand nach der Wahl? Die fehlende Perspektive für wirksamen Klimaschutz könnte dazu führen, dass sich die Klimaaktivisti radikalisieren.
Experte: Radikalisierung der Klimabewegung möglich

Ziviler Ungehorsam oder Sabotage? Der Soziologe Dieter Rucht warnt vor der Radikalisierung der Klimabewegung – auch weil sie zum Verlust von Unterstützung in der Bevölkerung führen könnte.
taz.de: Gewalt schadet dem Klima

RWE will weiter klimaschädliche Braunkohle fördern und dafür das Dorf Lützerath abreißen. Klimaaktivisti sind vor Ort im Widerstand.
taz.de: Das neue Hambi heißt Lützerath

Ecodefense ist eine der führenden Umweltorganisationen in Russland. Gegründet wurde sie von Vladimir Slivyak. Der Umweltaktivist erhält in diesem Jahr den Alternativen Nobelpreis. Im Interview spricht er darüber, wie sich die Klimakrise in Russland auswirkt.
taz.de: „Die Klimakrise wartet nicht“

Die Aktivisti von „Insulate Britain“ wollen erreichen, dass Häuser in Großbritannien flächendeckend isoliert werden. Um ihre Forderung zu unterstreichen, haben sie bereits mehrfach die Londoner Ringautobahn M25 blockiert.
zeit.de: Klimaaktivisten blockieren Londoner Ringautobahn

Energie

Rückschritt: 43 Prozent betrug der Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch in den ersten drei Quartalen 2021. Im Jahr zuvor kamen zu diesem Zeitpunkt noch 48 Prozent des Stroms aus Erneuerbaren. Für den Rückgang ist hauptsächlich die Flaute bei der Windenergie verantwortlich, sagen das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und der Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW).
tagesschau.de: Anteil der Erneuerbaren gesunken

Einmal in Betrieb, verursacht Photovoltaik keine Emissionen. Aber wie sieht ihre Umweltbilanz bis zur Fertigstellung aus?
tagesschau.de: Wie umweltschädlich sind Solarzellen?

Starker Vorschlag: Warum nicht auch Energiekonzerne enteignen? Die Vergesellschaftung von Branchen, die Grundbedürfnisse wie Wohnen oder Energie bedienen, hätte enorme Vorteile
taz.de: Energie neu organisieren

Video-Tipp: Wie die Energiewende gelingt – ein optimistischer und industriefreundlicher Blick aufs Jahr 2045 vom Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik IEE in Kassel. Mit Vorsicht zu genießen, aber schön gemacht. 
erneuerbare.tv: Klimaneutrales Deutschland 2045

Mobilität

Mit klimapolitischen Forderungen macht VW-Chef Herbert Diess Druck in den Koalitionsverhandlungen. Er fordert eine deutliche Anhebung des CO2-Preises, außerdem soll Schluss sein mit der Subventionierung für fossile Treibstoffe. Sein Motiv: Angst vor dem Verlust der Wettbewerbsfähigkeit von VW.
taz.de: VW schlauer als FDP

Umwelt und Ernährung

Die Flutkatastrophe im Ahrtal werde die Bewohner*innen noch jahrelang vor Probleme stellen, sagt die Bürgermeisterin der Gemeinde Altenahr. Teilweise müssen ganze Wohngebiete neu errichtet werden.
tagesschau.de: „Wir brauchen einen langen Atem“

40 Prozent aller produzierten Lebensmittel landen nie beim Verbraucher. Die bundesweite Aktionswoche gegen Lebensmittelverschwendung klärt über die Zusammenhänge auf und nennt Zahlen: In Deutschland liegt die Menge der Lebensmittelabfälle bei elf Millionen Tonnen pro Jahr. Laut WWF gehen zehn Prozent der globalen Treibhausgasemissionen auf das Konto der Verschwendung.
swr.de: Essen für die Tonne? Was wir dagegen tun können

Warum überrascht uns das nicht? Das von der EU verbotene Pestizid Thiamethoxam verbreitet sich in Bayern unkontrolliert in der Umwelt. Agrarministerin Julia Klöckner (CSU) hatte dem Bienenkiller eine Ausnahmegenehmigung erteilt.
taz.de: Bienenkiller außer Kontrolle

Bauen und Wohnen

Beim Volksentscheid am vergangenen Sonntag haben sich die Berliner*innen für die Vergesellschaftung von Wohnraum ausgesprochen. Wie's jetzt weitergeht, hängt vom Senat ab.
freitag.de: Einmal enteignen, bitte

Macht's gut – und hier noch ein Lese-Tipp: Im Freitag erläutert der Guardian-Kolumnist George Monbiot anhand von drastischen Beispielen, warum nur ein „Weniger statt Mehr“ in Wirtschaft und Gesellschaft uns vor den schlimmsten Folgen der Klimakatastrophe bewahren kann.
freitag.de: Grünes Wachstum gibt es nicht

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