Klima-Links der Woche: Merkel geht, die Ampel kommt – gut fürs Klima?

von Uwe

Im Wochenrückblick geht es um die Klimapläne der möglichen Koalition, CO2-Filteranlagen und die steigenden Energiekosten. Außerdem: COP26, Waiblingen, Lützerath und Schluchsee. Schönes Wochenende!

Klima-Links der Woche: Merkel geht, die Ampel kommt – gut fürs Klima?

Themenfelder der Woche: Wissenschaft, Politik und Gesellschaft, Geld und Gerechtigkeit, Aktionen, Energie, Mobilität, Umwelt und Ernährung, Bauen und Wohnen.

Was diese Woche bei der Weltklimakonferenz COP26 geschah, könnt Ihr hier in unserem Blog nachlesen.

Wissenschaft

Johan Rockström, Direktor des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung, hat am Rande der COP26 eindringlich auf die Folgen der Erderhitzung hingewiesen: „Mit 2,7 Grad würden wir unbekanntes Terrain betreten. Wir würden auf einem anderen Planeten leben als heute.“
heise.de: Klimaforscher: Erderhitzung von 2,7 Grad wäre "ein anderer Planet"

Die Anlagen, mit denen bereits jetzt CO2 aus der Luft gefiltert wird, verursachen selbst neue Emissionen. Das zeigt das Beispiel des Schweizer Herstellers Climeworks.
heise.de: 1000 Kilogramm CO2 aus der Luft zu filtern erzeugt 300 Kilogramm neues CO2

Politik und Gesellschaft

Die Ampel springt beim Klimaschutz nicht auf Grün, sie bleibt bei Rot. Das lässt sich bereits jetzt absehen, da nicht einmal offensichtliche Maßnahmen wie ein Tempolimit oder ein früherer Kohleausstieg vor 2030 diskutiert werden.
freitag.de: Deutschland Klimaschutz-Vorreiter a. D.

Viele Punkte offen, andere wie der Kohleausstieg noch unkonkret: Ausgerechnet bei ihrem Kernthema Klimaschutz kommen die Grünen in den bisherigen Koalitionsverhandlungen nicht richtig zum Zug. tagesschau.de: Klimaschutz oder nix

Sarah-Lee Heinrich und Timon Dzienus, Bundessprecher der Grünen Jugend, sehen zwar gute Ansätze im Ergebnis der Sondierungsgespräche. Sie fordern aber, dass sich SPD, Grüne und FDP auf konkrete Maßnahmen verständigen, außerdem wollen sie, dass sämtliche Bauarbeiten an Autobahnen gestoppt werden und mahnen: „Ohne sozialen Ausgleich funktioniert die ökologische Wende nicht.“
taz.de: „Die Ampel ist kein Automatismus“

Angela Merkel, die angebliche „Klimakanzlerin“, konnte die Erwartungen, die sie selbst geweckt hat, nie erfüllen. Zwar trug sie ab 1995 wesentlich zum Kyoto-Protokoll bei, dem ersten Klimaabkommen, bei dem sich Staaten zur Reduktion von Emissionen verpflichteten. Doch dann beschränkte sie sich hauptsächlich darauf, das Thema bei EU-Treffen auf die Agenda zu bringen, während sie in Deutschland eher den Wünschen der Autolobby folgte.
tagesschau.de: Was von der „Klimakanzlerin“ bleibt

Die geschäftsführende Umweltministerin Svenja Schulze erläutert, wie Klimaschutz und Digitalisierung zusammengehen: „Wenn wir dafür sorgen, dass sich digitale und ökologische Transformation gegenseitig beflügeln, wird aus der doppelten Herausforderung eine doppelte Chance.“ Sie stellt unter anderem Initiativen wie den „digitalen Produktpass“ und bereits laufende Projekte vor.
ipg-journal.de: Flügel statt Bremse

Harald Welzer hat ein Buch übers Aufhören geschrieben. Dem Problem des Verzichts nähert er sich in diesem Interview durchaus ironisch: „Es könnte durchaus sein, dass man sich diesem furchtbaren, entsetzlichen, folterähnlichen Zwang unterwerfen muss, nicht mehr mit 650 PS und zweieinhalb Tonnen Gewicht einen Parkplatz in einem Parkhaus in der Innenstadt zu suchen. Das ist schon echt hart. Aber es könnte sein, dass man tatsächlich auf solche Dinge in Zukunft verzichten muss.“
freitag.de: „Die Lebenslüge: Nichts muss sich verändern“

Geld und Gerechtigkeit

Anlässlich der COP26 hier ein realistischer Rückblick auf 25 Jahre Klima-Verhandlungen. Viel gebracht haben sie nicht, vor allem nicht, wenn wir die globale Perspektive einnehmen: „Wirkliche Lösungen würden bedeuten, dass ein Großteil der Menschen weltweit von ihnen profitiert – und nicht nur die Verursacher*innen der Klimakrise, wie es im Fall von Emissionsmärkten oft der Fall ist.“
rosalux.de: Klimagerechtigkeit statt Scheinlösungen

Die steigenden Kosten für Benzin, Gas und Strom belasten bereits jetzt viele Haushalte. Abhilfe schaffen könnten Ausgleichszahlungen und ein Verbot von Strom- und Gassperren. SPD, Grüne und FDP halten sich bei diesem Thema aber erstaunlich bedeckt.
freitag.de: Keine soziale Klimapolitik

Beziehungsfragen: Im Podcast „future economies“ erläutert Susanne Dröge, Senior Fellow der Forschungsgruppe Globale Fragen bei der Stiftung Wissenschaft und Politik, wie die richtige Handelspolitik dafür sorgen könnte, dass internationale Klimapolitik gelingt.
makronom.de: Wie die EU mit Handelspolitik Klimaschutz vorantreibt

Immer mehr angeblich nachhaltige Finanzprodukte werden angeboten – aber halten sie auch, was sie versprechen?
absatzwirtschaft.de: Klimagipfel lenkt Blick auf Nachhaltigkeitsfonds

Bis zu 300 Milliarden Dollar pro Jahr bis 2030 brauchen Entwicklungsländer, um sich an die Klimakrise anzupassen. Das steht im "Adaptation Gap Report 2021" des UN-Umweltprogramms UNEP. Die UN kritisiert, dass das Geld zu langsam fließe. Die Industriestaaten hatte eigentlich zugesagt, schon bis 2020 jährlich 100 Milliarden US-Dollar zur Verfügung zu stellen.
tagesschau.de: Ärmere Länder brauchen weitere Klimahilfen

Aktionen

Vorbild Waiblingen: Die Süddeutsche Zeitung berichtet über die Bürgerinitiative Klimaneutralität, die mit ihrer Initiative den Stadtrat überzeugt hat.
sueddeutsche.de: Geht's auch schneller?

„Taten statt Worte“: Vor dem Beginn der COP26 haben in Glasgow Hunderte Klimaaktivisti demonstriert, angeführt von Mitgliedern von Extinction Rebellion (XR).
tagesschau.de: Demonstranten fordern mehr Klimaschutz

Auch in Lützerath wird fürs 1,5-Grad-Ziel gekämpft. Die taz war vor Ort.
taz.de: Im Hotspot der Bewegung

Am heutigen Freitag haben die Aktivisti die Kohlezufuhr zum Braunkohlekraftwerk Neurath zwischen Aachen und Köln blockiert.
taz.de: Kohleausstieg in die Hand genommen

„RWE & Co enteignen“: Wäre dieses Ziel eines Teils der Klimabewegung in der Realität umsetzbar?
freitag.de: Fridays in die Produktion!

Windkraft-Protest im Schwarzwald: Klimaaktivisti haben in Schluchsee für den Ausbau der erneuerbaren Energien demonstriert.
Video bei swr.de: Für Windkraft und gegen Herrenknecht: Klimaaktivisten demonstrieren in Schluchsee

Energie

Frischer Wind: 1.372 Megawatt Windkraft kamen in Deutschland in den ersten neun Monaten des Jahres neu auf den Markt. Es sieht aus, als sei die Flaute von 2019 und 2020 vorbei. Doch Planungsverfahren und andere Hindernisse bremsen nach wie vor den dringend nötigen Ausbau.
taz.de: Windkraft legt zu

Ölkonzerne zerschlagen? Die Aufspaltung der Unternehmen, die mit fossilen Brennstoffen ihr Geld verdienen, ist eine der Möglichkeiten, die angesichts von Klimakrise und Gerichtsurteilen gegen BP und Co. diskutiert werden.
tagesschau.de: Ölmultis zum Umdenken gezwungen

Mobilität

Umsteuern beim Verkehr: Das Bundesumweltamt fordert umfassende Maßnahmen, damit der Verkehrssektor seine Klimaziele erreicht. Dazu gehören höhere Benzinpreise, die Abschaffung der Pendlerpauschale, ein Tempolimit und die Einführung einer Pkw-Maut.
tagesschau.de: „Verkehr steuert in die falsche Richtung“

Bürgermeisterin Anne Hidalgo setzt in Paris Klimaschutz in die Tat um – vor allem, was den Verkehr betrifft. Unter anderem hat sie Schnellstraßen an der Seine gesperrt und dort einen langgezogenen Park für Fuß- und Radverkehr eingerichtet.
spiegel.de: Anne Hidalgo zeigt, wie die Verkehrswende gelingt

Umwelt und Ernährung

Auf den Seychellen drohen ganze Inseln durch den steigenden Meeresspiegel unterzugehen. Die Regierung ist mit den Schutzmaßnahmen überfordert.
tagesschau.de: Wenn der Klimawandel Inseln schluckt

Was geschieht, wenn der Regenwald im Amazonasbecken endgültig vom CO2-Speicher zum Treibhausgas-Emittenten wird? Die Weltwetterorganisation WMO warnt, denn in einzelnen Teilen des Amazonas ist dies bereits Realität.
freitag.de: Klimakiller Amazonas

Bauen und Wohnen

Klimafreundlich bauen: Der SWR berichtet über Möglichkeiten, die Emissionen und Umweltbelastungen durch klassische Bauweise zu ersetzen – dabei spielt Holz eine tragende Rolle.
swr.de: Ein Zuhause für die Zukunft – klimafreundlich bauen und wohnen

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