Klima-Links der Woche: Nobelpreis und CO2-Neutralität

von Uwe

Im Wochenrückblick geht es um die Koalitionsverhandlungen, COP 26, Hitzetage und eine Steuerreform mit Klimawirkung. Außerdem: Abwärme aus der Molkerei und Flugbenzin. Schönes Wochenende!

Klima-Links der Woche: Nobelpreis und CO2-Neutralität

Themenfelder der Woche: Wissenschaft, Politik und Gesellschaft, Geld und Gerechtigkeit, Aktionen, Energie, Mobilität, Umwelt und Ernährung, Bauen und Wohnen.

Wissenschaft

Die Klimakatastrophe kommt, wenn wir weitermachen wie bisher. Sagen nicht nur wir, sondern auch der frischgebackene Physik-Nobelpreisträger Klaus Hasselmann.
tagesschau.de: Erneut Physik-Nobelpreis für Deutschen

In diesem Zusammenhang lohnt es sich, einen Blick auf den aktuellen Stand der Forschung zu werfen. Etwa hier:
klimafakten.de: Was wir heute übers Klima wissen

„Aufbruch Klimaneutralität“: Die Deutsche Energieagentur dena, ein Unternehmen des Bundes, hat eine Studie vorgelegt, die den Weg zu CO2-Neutralität im Jahr 2045 aufzeigt. Angestrebt wird eine „marktorientierte Transformation“, im Mittelpunkt steht der CO2-Preis. Mit Blick auf die Koalitionsverhandlungen: Das dena-Konzept kommt am ehesten den Vorstellungen der FDP nahe: bloß keine Vorschriften, der Markt wird's schon regeln.
tagesschau.de: Kein Klein-Klein in der Klimapolitik

Politik und Gesellschaft

KOALITIONSVERHANDLUNGEN

Die Zeichen stehen auf Ampel: SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil sagte am Donnerstag, SPD, Grüne und FDP hätten sich angenähert. Die Dreier-Gespräche sollen am kommenden Montag fortgesetzt werden.
tagesschau.de: „Das kann klappen“

Die Stimmung mag gut sein, aber der Weg zur Regierung ist trotzdem mit tiefen Schlaglöchern gepflastert.

Darum warnt Albrecht von Lucke im Freitag: „Hört auf zu kuscheln!“ – die Unterschiede der potenziellen Ampelpartner müssten in den Verhandlungen offen diskutiert werden.

Als finale Desillusion beschreibt Autor Milo Rau das „grotesk niedrige Ergebnis“ der Grünen angesichts der Klimakrise. In einer Koalition mit der FDP würden sich die Grünen in den kommenden vier Jahren aufreiben, die Hoffnung ruht damit allein auf der Klimabewegung. Rau endet seinen Beitrag mit dem Aufruf: „Aktivist*innen Europas, vereinigt euch!“
taz.de: Perverse Politik von Ödipus

Die Linke setzt nach dem enttäuschenden Abschneiden bei der Bundestagswahl auf einen Neuanfang. Dabei soll ein besonderer Schwerpunkt auf Klimagerechtigkeit gelegt werden. Eine Projektgruppe der Partei soll bereits jetzt Druck machen, damit das Thema bei den Koalitionsverhandlungen nicht zu kurz kommt.
taz.de: Linke will für gutes Klima sorgen

Photovoltaik-Pflicht und Windkraftausbau: In Baden-Württemberg hat die grün-schwarze Landesregierung endlich die Novelle des Klimaschutzgesetzes verabschiedet. Der SWR blamiert sich, indem er vom steigenden Druck auf „kleine Häuslebauer“ schreibt. Schon mal was davon gehört, dass sich Investitionen in erneuerbare Energien rechnen?
swr.de: Mehr Klimaschutz – Landtag beschließt Novelle

Ein globaler Bürgerrat diskutiert im Vorfeld der diesjährigen Weltklimakonferenz über Maßnahmen gegen Erderhitzung und Klimakatastrophe. Der von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) initiierte Bürgerrat wird auch von der UN und einigen Regierungen unterstützt. Die Weltklimakonferenz (COP 26) soll vom 31. Oktober bis zum 12. November in Glasgow stattfinden.
taz.de: Klima-Bürger:innenrat startet

Wer die Klimakrise auf YouTube leugnet, wird künftig nicht mehr an den Werbeeinnahmen beteiligt, die durch Einblendungen in den Videos generiert werden.
tagesschau.de: Google geht gegen Klimaleugner vor

Geld und Gerechtigkeit

Mit einer Steuerreform soll in Österreich der Kampf gegen die Klimakatastrophe neuen Schwung erhalten. Die Koalition aus Volkspartei und Grünen will einen CO2-Preis in Höhe von 30 Euro einführen (mit einer Steigerung auf bis zu 55 Euro in 2025)  und zudem Steuern und Abgaben in Höhe von insgesamt 18 Milliarden Euro bis 2025 senken. Dieser „regionale Klimabonus“ soll den Einnahmen durch den CO2-Preis entsprechen, so dass das Geld am Ende komplett an die Bürger*innen zurückgeht.
tagesschau.de: Österreich beschließt „Klimabonus“

Aktionen

Sonntag, 3. Oktober: Noch ist alles ruhig in Lützerath, nur die Aktivisti bereiten sich darauf vor, dass RWE zum Kahlschlag ansetzt.
taz.de: „Warten auf die neue Abrisskante“

Greta Thunberg, die vor der Bundestagswahl ebenfalls in Lützerath war, besuchte diese Woche die Youth4Climate-Konferenz in Mailand – und fand dort wie immer deutliche Worte in Richtung Politik: „Unsere Hoffnung und unsere Träume ertrinken in ihren leeren Worten und Versprechen.“
taz.de: „Es gibt keinen Planeten B“

Aktivisti einer Bürgerinitiative haben im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald den bei Müllheim gelegenen Eichwald besetzt. Sie wollen den Einschlag größerer Flächen verhindern und fordern angesichts der Klimakrise ein Umdenken in der Forstwirtschaft.
swr.de: Eichwald bleibt auf unbestimmte Zeit besetzt

Energie

Deutschland muss Vorreiter beim Klimaschutz werden. Das täte nicht nur der heimischen Wirtschaft gut. Beispielsweise könnte ein schnellerer Kohleausstieg hierzulande auch Ländern wie Südkorea wichtige Impulse geben.
taz.de: Ein Leuchtturm namens Klimaschutz

Gas-Projekt gestoppt: Das in Rostock geplante Terminal für importiertes Flüssiggas (wir berichteten) wird nicht gebaut. Der russische Investor Novatek will sich auf Wasserstoff fokussieren.
taz.de: Kein Flüssiggas-Terminal in Rostock

Nord Stream 2 könnte in Betrieb gehen – wäre da nicht die Zertifizierung. Wir hoffen, dass sie negativ ausfällt und dass die Bundesnetzagentur hart bleibt: kein Betrieb ohne Genehmigung!
taz.de: Druck auf Pipeline-Betreiber

bluemint Steel: So heißt Stahl, der bei Thyssenkrupp mit 70 Prozent weniger CO2-Emissionen (Angabe vom Hersteller) produziert wird als herkömmlicher Stahl. Dies gelingt, indem ein Teil des für die Stahlproduktion benötigten Eisenerzes durch Eisenschwamm ersetzt wird. Um diesen zu schmelzen, wird weniger Kohle in den Hochöfen benötigt.
maschinenmarkt.vogel.de: Meilenstein: Thyssenkrupp produziert erstmals Stahl mit weniger CO2

Die Freiburger Molkerei Schwarzwaldmilch hat mit dem Energieversorger Badenova ein Abwärmeprojekt gestartet: Eine neue Heizzentrale versorgt 5.000 Haushalte mit klimaneutraler Fernwärme.
swr.de: Klimaneutrale Abwärme für 5.000 Haushalte

Mobilität

Ein vom BUND in Auftrag gegebenes Gutachten kommt zu dem Ergebnis: Der Bundesverkehrswegeplan ist verfassungswidrig. Grund: Er entspricht nicht den Anforderungen des Klimaschutzes, wie sie im entsprechenden Urteil des Bundesverfassungsgerichts formuliert wurden.
taz.de: Nicht verfassungsgemäß

„FairFuel“ heißt das erste Projekt, in dessen Rahmen in Deutschland CO2-neutrales Flugbenzin produziert wird. Verantwortlich ist die Klimaschutzorganisation Atmosfair.
taz.de: Nur grünes Fliegen ist schöner

Umwelt und Ernährung

Die Anzahl der Hitzetage in Baden-Württemberg hat sich in den vergangenen 70 Jahren mehr als verdreifacht. Das geht aus einer Studie hervor, die der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft veröffentlicht hat. Die Datenbasis für die Studie kommt vom Deutschen Wetterdienst. Als Hitzetage gelten Tage, an denen die Temperaturen auf über 30 Grad Celsius klettern.
swr.de: Zahl der Hitzetage nimmt zu

Wird ja gerne vergessen, aber fossile Brennstoffe verursachen nicht nur im Straßeneinsatz enorme Schäden, bedrohen Klima und Umwelt. Fragt mal die Menschen im Bezirk Orange County an der kalifornischen Küste, die mit einer verheerenden Ölpest zu kämpfen haben.
tagesschau.de: Zäher Kampf gegen das Öl

Bauen und Wohnen

In Friedrichshafen wird der Adenauerplatz klimafreundlich begrünt. Das hat der Gemeinderat beschlossen und damit ein Budget von einer Million Euro freigegeben – für eine Bauminsel, eine neue Beleuchtung und Sitzgelegenheiten. Und Ihr könnt jetzt unter Berücksichtigung  dieses Beispiels berechnen, was unverzichtbarer Klimaschutz in den nächsten Jahren so kosten wird. Fazit: Wir brauchen eine Finanzwende, die Investitionen möglich macht – und zwar vorgestern.
swr.de: Eine Million Euro für Klima-Begrünung

Und hier noch ein Buchtipp: Sarah stellt hier im Blog einen Climate-Fiction-Roman vor: „Die Quelle“ von Catherine Chanter.

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