Klima-Links der Woche: Öko-Vandalen und Ablenkungsmanöver

von Uwe

Im Wochenrückblick geht es um die Chancen, das 1,5-Grad-Ziel noch zu erreichen, die Ergebnisse der COP26 und die verheerende Klimabilanz der Superreichen. Außerdem: Palmöl und Greenwashing. Schönes Wochenende!

Klima-Links der Woche: Öko-Vandalen und Ablenkungsmanöver

Themenfelder der Woche: Wissenschaft, Politik und Gesellschaft, Geld und Gerechtigkeit, Energie, Mobilität, Umwelt und Ernährung.

Wissenschaft

Abschied vom 1,5-Grad-Ziel? Nach der Weltklimakonferenz COP26 in Glasgow gehen Wissenschaftler*innen davon aus, dass die Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs nicht mehr gelingen kann. Der deutsche Forscher Hans-Otto Pörtner geht sogar davon aus, dass die Erderhitzung zwei Grad deutlich übersteigen wird.
taz.de: Das 1,5-Grad-Ziel scheint verloren

Politik und Gesellschaft

Sogar der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) beklagt, dass die COP26 kein „großer Wurf für den Klimaschutz“ war. Kritisiert wird vor allem die in letzter Minute durch China, Indien und den Iran verwässerte Abschlusserklärung.
tagesschau.de: „Diese Abschlusserklärung ist ein Betrug“

Mehr dazu in unserem Blogbeitrag zum Abschluss der COP26.

Die taz meint, dass wir trotzdem Weltklimakonferenzen brauchen.

Für die Riffreporter bleibt das 1,5-Grad-Ziel „auf der Intensivstation“, sie sehen aber auch Grund für Optimismus: Immerhin seien auf der COP26 auch Maßnahmen beschlossen worden.

Ein positives Fazit zieht Freitag-Autor Michael Krätke. Für ihn gehen die COP26-Beschlüsse sogar „in wesentlichen Punkten über das Pariser Klimaabkommen von 2015 hinaus“.

Baden-Württemberg ist Mitinitiator der „Under2Coalition“, der weltweit 260 Regionen mit etwa 1,7 Milliarden Menschen angehören. Die Mitglieder haben sich verpflichtet, Treibhausgas-Emissionen bis 2050 um mindestens 80 Prozent zu senken. In Baden-Württemberg braucht es dazu, so Ministerpräsident Winfried Kretschmann, eine „industrielle Revolution“.
kontextwochenzeitung.de: Unter eineinhalb

„Kurzfristige und chaotische Entscheidungen“: Energieökonomin Claudia Kemfert wirft der Politik vor, in der Klimakrise ebenso wenig vorausschauend zu handeln wie bei Corona.
mdr.de: Energieökonomin: Politik macht bei Klima ähnliche Fehler wie bei Corona

Ablenken ist das neue Leugnen: Der US-Klimaforscher Michael E. Mann beschreibt in seinem Buch „The New Climate War“, wie sich Fossil-Lobbyisten den Maßnahmen zum Klimaschutz entgegenstellen – zum Beispiel, in dem die Verantwortung von Unternehmen auf uns einzelne Bürger*innen abgewälzt wird.
ipg-journal.de: Der neue Klimakrieg

Geld und Gerechtigkeit

„Ökologische Vandalen“ nennt Oxfam die Superreichen, weil sie mit ihren Yachten, Hubschraubern und Privatjets für extreme Emissionen verantwortlich sind. Eigentlich unfassbar, was die taz hier aus der Oxfam-Untersuchung zitiert: „Die reichsten 1% der Weltbevölkerung – weniger als die Zahl der Ein­woh­ne­r:in­nen Deutschlands – emittiert demnach mehr Treibhausgase als die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung, also rund 4 Milliarden Menschen.“ Allein der Ölmilliardär Roman Abramowitsch ist laut der Untersuchung für über 31.000 Tonnen CO2 pro Jahr verantwortlich.
taz.de: Klimakiller Superyachten

Energie

Die Bundesnetzagentur hat die Zertifizierung der überflüssigen Gaspipeline Nord Stream 2 ausgesetzt, leider nur vorläufig. Zumindest wird es jetzt aber einige Monate dauern, bis die rechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind: Der Betreiber muss in einer Rechtsform nach deutschem Recht organisiert sein. Hintergrund ist, dass gemäß der Gasrichtlinie der EU nicht ein Betreiber zugleich das Gas durchleiten und verkaufen kann. 
tagesschau.de: Zertifizierung für Nord Stream 2 vorerst ausgesetzt

180 Millionen Euro soll der neue Hafen für die Windkraft-Industrie in Bremerhaven kosten – gut fürs Klima und zur Schaffung neuer Arbeitsplätze. Doch das Projekt kommt möglicherweise nie zustande, was unter anderem am Deckel für Windenergie liegt, den Schwarz-Rot im Jahr 2013 eingeführt hat.
tagesschau.de: Kraftlos im Windgeschäft

Nichts, aber wirklich gar nichts, spricht für den Bau des ersten Atomkraftwerks in der Türkei: Es rechnet sich nicht, es ist erdbebengefährdet, es gibt keinen Bedarf. Präsident Recep Tayyip Erdogan schert das nicht, er will unbedingt mit einem eigenen Atommeiler angeben.
tagesschau.de: Türkei setzt auf Atomenergie

Warum Atomkraft kein Rezept gegen die Klimakatastrophe ist, erläutert Anika Limbach im Freitag.

Mobilität

Der Audi A8 von Georg Bätzing, dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonzerenz, stößt pro Kilometer 258 Gramm Kohlendioxid aus. Das ist Rekord im Kreis der Kirchenoberen, denen die Deutsche Umwelthilfe schwere Vorwürfe macht: Sie fahren fast alle allesamt extrem klimaschädliche Dienstwagen.
taz.de: Schöpfung? Egal

Die deutschen Autobahnen sind marode, verstopft und klimaschädlich. Gibt es eine Alternative? Ja, die Bahn, wenn sie konsequent ausgebaut wird.
tagesschau.de: Dauerbaustelle deutsche Autobahn

16.600 Tonnen CO2 sollen mit dem 115 Kilometer langen Radschnellweg durchs Ruhrgebiet eingespart werden. Doch leider hinkt das Projekt dem ursprünglichen Zeitplan bereits jetzt um einige Jahre hinterher.
taz.de: Im Schneckentempo

Umwelt und Ernährung

Schafft die Ampel den Sprung hin zur Transformation der Landwirtschaft? Gründe für einen echten Wandel gibt es zuhauf, von unserer Ernährung über den Artenschutz bis zum Klima.
freitag.de: Spannt den Wagen an

Im Rheintal werden Buchen gefällt, die wegen der durch die Klimakrise verursachten Dürre eingegangen sind. So soll verhindert werden, dass sie an den Steilhängen andere Bäume mit in die Tiefe reißen.
taz.de: Bäume fällen, um Wald zu retten

Teilweiser Importstopp für Soja und Palmöl: Die EU-Kommission will keine Produkte aus Plantagen auf neu gerodeter Regenwaldfläche mehr erlauben. Außerdem sind strengere Regeln für Abfallexporte geplant.
n-tv.de: EU will neue Regeln für Palmöl und Abfall

Nachhaltigkeits-Expertin Katarina Schickling spricht über Greenwashing und Werbung: „Ein Haken ist immer dabei“.
swr.de: Greenwashing als Marketing-Masche

Um 22 Prozent ist die Abholzung im brasilianischen Amazonasgebiet verglichen mit dem Vorjahreszeitraum (August bis Juli) angestiegen. Brasilien hat auf der COP26 zugesagt, die Abholzung bis 2030 zu beenden.
tagesschau.de: So viel Abholzung wie seit Jahren nicht

Pflanzung, Rodung, Fruchtfolgen, Wildtierbestand: Bei Zeit Online wird schön beschrieben, wie uns das Wissen indigener Völker beim Bewältigen der Klimakrise helfen könnte.
zeit.de: Sie könnten uns die Welt retten

REDD+ ist der Name eines Programms, mit dem die UN Entwicklungsländer dabei unterstützt, ihre Wälder zu erhalten. Umweltaktivistin Melissa Moreano aus Ecuador erklärt im Interview, warum REDD+ mehr schadet als nutzt und zudem die indigene Bevölkerung bedroht. Ihr Fazit: „Die wirkliche Lösung besteht darin, die Förderung und Nutzung fossiler Brennstoffe einzustellen.“
rosalux.de: „Der Schutz von Wäldern ist wichtig als Maßnahme zur Anpassung an den Klimawandel, nicht zur Verringerung von Emissionen“

Macht's gut – und hier noch ein Video-Tipp: Im NDR-Medienmagazin ZAPP sprechen ARD-Meteorologe Karsten Schwanke, Eckart von Hirschhausen und andere Expert*innen über die Versäumnisse der Medien in der Klimakrise: „Medien und Klima: Versagt?!“

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