Klima-Links der Woche: Regen in Grönland

von Uwe

Im Wochenrückblick geht es um die Klimakrise in der Arktis, den Klimakollisionskurs der neuen Regierung, schmutzige Klimafonds, Gewerkschaften, Rechtsbrüche und den Denkmalschutz. Schönes Wochenende!

Klima-Links der Woche: Regen in Grönland

Themenfelder der Woche: Wissenschaft, Politik und Gesellschaft, Geld und Gerechtigkeit, Energie, Umwelt und Ernährung, Bauen und Wohnen.

Unseren Blogbeitrag zum Koalitionsvertrag der Ampel findet Ihr hier.

Wissenschaft

Regen in Grönland: Erwärmt sich die Erde um 1,5 Grad, könnte es bereits vorbei sein mit dem Schnee in Teilen der Arktis. Neue Klimamodelle zeigen zudem, dass die gesamte Arktis bedroht ist, und bei drei Gard Erwärmung wären Tundra und Taiga mehr oder weniger schneefrei. Die Folgen: Das Meereis verschwindet, Permafrostböden tauen auf. Durchgeführt wurde die Untersuchung vom Centre for Earth Observation Science in Winnipeg.
scinexx.de: Arktis: Regen statt Schnee

Politik und Gesellschaft

86 Prozent Zustimmung: Die grüne Basis hat den Koalitionsvertrag durchgewunken trotz aller Bedenken von Klimaaktivisti und grüner Jugend.
spiegel.de: Grüne stimmen für Koalition mit SPD und FDP

Robert Habeck wird Wirtschafts- und Klimaminister. Das neue Ministerium bringt zwar eine enorme Machtfülle, bedeutet aber auch eine Schwächung des Umweltministeriums.
taz.de: Wie super ist das Superministerium?

Ärger um Ausschuss: Aktivisti und Politiker haben die Linke dafür kritisiert, dass sie ihren ehemaligen Parteichef Klaus Ernst zum Vorsitzenden des Bundestagsausschusses für Klima und Energie machen will. Ernst habe sich „immer wieder gegen wirksame klimapolitische Positionen und das Programm der Linken gewendet“, heißt es einem Dokument, das unter anderem von Fridays for Future ins Netz gestellt wurde.
tagesschau.de: Protest gegen Linken-Politiker Ernst

Verklagt: Die baden-württembergische Landesregierung muss sich mit einer Verfassungsbeschwerde auseinandersetzen. Eingebracht wurde diese von fünf Klimaaktivisti, die von der Deutschen Umwelthilfe unterstützt werden. Ihr Vorwurf: Die Regierung plane zwar, Baden-Württemberg bis 2040 klimaneutral zu machen, habe aber keine Zwischenziele festgelegt. Das Klimaschutzgesetz reiche nicht, um dem Pariser Klimaschutzabkommen und dem Grundgesetz zu entsprechen
swr.de: "Klimaschutz unzureichend": Deutsche Umwelthilfe verklagt BW-Landesregierung

Geld und Gerechtigkeit

Klimafreundlich Geld anlegen? Gar nicht so einfach, denn längst nicht alle Fonds, die das Nachhaltigkeitslabel ESG tragen, sind tatsächlich sauber. Das hat eine Untersuchung der NGOs Facing Finance und Urgewald ergeben. Danach können von 2.000 untersuchten Geldanlagen nur 104 als gänzlich unbelastet gelten. Dagegen behaupten 650 Fonds zwar, sie seien „nachhaltig“, doch investiert wird hier auch in extrem klimaschädliche Unternehmen.
tagesschau.de: Greenwashing-Verdacht bei Geldanlagen

Die Caritas, Wohlfahrtsverband der katholischen Kirche, hat zwar die geplanten Maßnahmen der Ampelkoalition zum Klimaschutz begrüßt. Sie vermisst aber konkrete Details zur Umsetzung und einen klaren Kurs, durch den Menschen mit geringerem Einkommen nicht benachteiligt werden.
taz.de: Klimaschutz soll sozial sein

Schwierige Position: Wenn es um Arbeitsplätze geht, votieren Gewerkschaften im Zweifel auch für die Rüstungslobby oder die Braunkohle. Dagegen helfen Bündnisse von Klimaaktivisti mit Gewerkschafter*innen.
taz.de: Klima contra Arbeit

Überzeugen statt übergehen: Es gibt effektive Wege zum Klimaschutz, bei denen die Bürger*innen einbezogen werden, glaubt Sarah Händel, Geschäftsführerin des Vereins Mehr Demokratie Baden-Württemberg. Sie schlägt zum Beispiel jährliche Bürger*innenentscheide in Kommunen vor, bei denen über Maßnahmen gegen die Klimakrise entschieden wird. Diese Veranstaltungen müssen intensiv vorbereitet werden, unter Einbeziehung aller relevanten Gruppierungen, fordert Händel.
kontextwochenzeitung.de: Keine Abkürzung zur Klimawende

Aktionen

Die Anwältin und Klimaschutz-Aktivistin Roda Verheyen vertritt vor Gericht unter anderem den letzten Bauern von Lützerath. Im taz-Interview erklärt sie unter anderem, warum sie dabei hilft, die Verteidigung von Aktivisti zu organisieren, die wegen symbolischer Rechtsbrüche angeklagt werden.
taz.de: „Gerichte für Klimaschutz anrufen“

Energie

Leere Versprechen: Noch im September hatte Chinas Staatschef Xi Jinping vor der UNO angekündigt, sein Land werde damit aufhören, Kohlekraftwerke im Ausland zu finanzieren und zu bauen.
taz.de: Chinas Kohle für Kohle

Reichen Wind und Sonne nicht aus? Die Energielobby warnt vor Dunkelflauten für den Fall, dass der Kohleausstieg bereits 2030 gelingt. Es gebe daher keine Alternative zu neuen Gaskraftwerken. Diese sollen so gebaut werden, dass sie zu einem späteren Zeitpunkt auf grünen Wasserstoff umgestellt werden können.
tagesschau.de: Ohne Gaskraftwerke kein Kohleausstieg?

Mobilität

Mehr Stau dank Tesla? Die künftige Bundesregierung will bis Ende 2030 15 Millionen Elektroautos auf die Straße bringen. Im Juli diesen Jahres waren es 440.000. Abgesehen von den Problemen mit der Ladeinfrastruktur, der klimaschädlichen Produktion und dem Vertrieb – wollten wir nicht den Individualverkehr reduzieren?
tagesschau.de: Das forsche Elektroauto-Ziel der Ampel

Umwelt und Ernährung

Das Carbon Disclosure Project mit Sitz in London wertet weltweit veröffentlichte Umweltberichte von Unternehmen aus und erstellt daraus eine Rangliste. Insgesamt enttäuschend: Nur wenige Firmen schaffen es überhaupt auf die Liste, weil sie sich aktiv im Klimaschutz engagieren. Ein Beispiel ist der Aromenhersteller Symrise aus Holzminden (Niedersachsen).
tagesschau.de: Lob nur für wenige Firmen

Nach Umweltstandards produzierte Mode schont das Klima. Wer Wert darauf legt, kann künftig möglicherweise den Google-Konkurrenten Bing nutzen, wenn er Fashion-Produkte sucht. Das Microsoft-Tool hat in Großbritannien ein Feature vorgestellt, mit dem sich die Suche auf fair produzierte und klimafreundliche Artikel eingrenzen lässt. In Deutschland könnte es nächstes Jahr verfügbar sein.
onlinemarketing.de: Bing launcht Ethical Shopping Hub in der Suche

Von der Menschenrechtslage bis zur Ökobilanz: Die Fußball-WM in Katar ist ein Event, das um ein Vielfaches mehr Schaden anrichtet als ein paar schöne Doppelpässe ausgleichen könnten. Der Fußball-Weltverband Fifa und das Organisationskomitee von Katar haben zwar angekündigt, dass die WM klimaneutral sein soll. Doch angesichts der Tatsache, dass Katar 2019 laut International Energy Agency das Land mit dem höchsten CO2-Ausstoß pro Kopf war, bleibt das wohl reines Wunschdenken.
taz.de: Groteske Widersprüche

Bauen und Wohnen

Klima- vor Denkmalschutz: Geht es nach Jochen Cornelius-Bundschuh, Bischof der evangelischen Landeskirche und Uli Burchardt, dem Konstanzer Oberbürgermeister, wird es künftig auch Photovoltaik auf Gebäuden geben, die eigentlich vor Baumaßnahmen geschützt sind.
swr.de: Forderung an Landesregierung BW: Klimaschutz vor Denkmalschutz

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