Klima-Links der Woche: Runter vom 2,7-Grad-Pfad!

von Uwe

Im Wochenrückblick geht es um die Lage beim Klimaschutz vor der COP26, um die Ampel, Klimaschäden und eine Windkraft-Taskforce. Außerdem: Klimaticket, Fußverkehr und Australien. Schönes Wochenende!

Klima-Links der Woche: Runter vom 2,7-Grad-Pfad!

Themenfelder der Woche: Politik und Gesellschaft, Geld und Gerechtigkeit, Aktionen, Energie, Mobilität, Umwelt und Ernährung, Bauen und Wohnen.

Thema der Woche: Vor der COP26 in Glasgow

Von wegen Corona-Delle: Im Jahr 2020 hat die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre einen neuen Höchststand erreicht. Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) warnt mit Blick auf die anstehende Weltklimakonferenz in Glasgow (COP26), dass die Pariser Klimaziele angesichts dieser Entwicklung immer schwerer zu erreichen seien. Patricia Espinosa, Chefin des UN-Klimasekretariats, sagt: „Wir sind noch nicht einmal in der Nähe, wo die Wissenschaft sagt, dass wir sein sollten.“ An der COP26 werden 192 Staaten teilnehmen. Ihre aktuellen Planungen würden dazu führen, dass die Treibhausgas-Emissionen bis 2030 innerhalb von 20 Jahren um 16 Prozent ansteigen würden. Das führe laut den Expert*innen der UN zu einem globalen Temperaturanstieg von 2,7 Grad bis zum Ende des Jahrhunderts.
tagesschau.de: Weltweite Klimapläne reichen nicht aus

Was also tun? In der taz geben Expert*innen die Richtung vor. Insbesondere geht es darum, Schwellenländer beim Umsteuern in Richtung Klimaneutralität zu unterstützen.

Das wäre super, allerdings sind sich zum Beispiel die Europäer noch nicht einmal untereinander einig, wie es mit dem Klimaschutz weitergehen soll. „Die Ausgangslage ist nicht gut, jetzt kommt der Moment der Wahrheit“, sagt EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.

Auch Umweltministerin Svenja Schulze hat gefordert, dass die 20 größten Industrienationen ihrer Verantwortung nachkommen und mehr für den Klimaschutz tun. Auf der COP26 solle jedes Land deutlich machen, wie es Klimaneutralität erreichen wolle.
tagesschau.de: Schulze fordert mehr Klima-Zusagen

Der WMO-Bericht enthält auch beunruhigende Nachrichten zum Amazonas: Teile des Regenwaldes sollen inzwischen keine Kohlenstoffsenke mehr sein.
taz.de: Der Amazonas kippt

Mit allergrößter Skepsis ist die Äußerung von Brasiliens Vizepräsident Mourão zu bewerten, die illegale Abholzung des Regenwaldes solle in den nächsten drei Jahren beendet werden. Das Versprechen wird nur abgegeben, weil andere Länder und dazu Unternehmen vor dem COP26 Druck auf die Regierung Bolsonaro machen.
taz.de: Warme Worte vor der Klimakonferenz

Politik und Gesellschaft

Eine Ampelkoalition hat die Möglichkeit, sozial gerechten Klimaschutz zur Leitlinie ihrer Politik zu machen. Wie realistisch diese Erwartung ist, analysiert Albrecht von Lucke: „Für ein echtes sozial-ökologisch-liberales Projekt bräuchte es ... ein völlig neues Fortschrittsdenken.“
blaetter.de: Die sozial-ökologisch-liberale Illusion?

Olaf Scholz denkt auf jeden Fall an die Industrie, er will schon im ersten Regierungsjahr auf „klimafreundlich“ umschwenken, berichtet tagesschau.de.

65,4 Milliarden Euro pro Jahr werden im Bund für klimaschädliche Subventionen ausgegeben. Das Bundesumweltamt fordert die neue Regierung auf, diese abzubauen.
taz.de: Zig Milliarden Euro für Klimawandel

Ein Bürgerrat mit Entscheidungsbefugnis – das ist einer der Vorschläge, den Hans Joachim Schellnhuber, Mitgründer des Potsdam-Instituts für Klima­folgen­forschung, einer Ampelregierung mit auf den Weg gibt.
taz.de: „Der Geist ist ein offener“

Die IG Metall und der BUND haben eine gemeinsame Erklärung zur Mobilitätswende vorgelegt. Diese kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Gewerkschaft die Klimabewegung immer noch eher als Gegner betrachtet – und dass sie keine überzeugenden Maßnahmen vorlegt, mit denen sich die angeblich angestrebte Wende erreichen ließe. So ist in dem Papier keine Rede von einer CO2-Bepreisung.
taz.de: IG Metall muss noch liefern

Audio-Tipp: SWR 2 Wissen fasst den aktuellen Forschungsstand zur Klimaangst zusammen.
swr.de: Klimaangst – Wie sie motiviert und wann sie lähmt

Geld und Gerechtigkeit

Umsteuern jetzt! Die deutsche Wirtschaft müsste dafür sein, denn ihr drohen Schäden ungeahnten Ausmaßes. Das Deloitte Economics Institute rechnet mit 730 Milliarden Euro Klimaschäden in den kommenden 50 Jahren. Aktuell steuere die Weltgemeinschaft auf eine Erderhitzung um drei Grad zu.
spiegel.de: Klimawandel könnte Deutschland 730 Milliarden Euro kosten

Eine ungebremste Erderhitzung wird dazu führen, dass Millionen von Menschen aus ihrer Heimat flüchten müssen. In diesem Zusammenhang ist es extrem zynisch und verantwortungslos, dass gerade die Staaten, die am meisten Treibhausgase ausstoßen, den Klimaschutz vernachlässigen – und lieber über Grenzsicherungen und die Abwehr von Flüchtlingen nachdenken. Eine Studie des Transnational Institute in Amsterdam ergab: Sieben der größten Klimakiller geben 2,3-mal so viel für Grenzsicherung aus wie für Klimaschutz. Auf den Spitzenplätzen: Kanada, Australien und die USA. Deutschland gehört ebenfalls zu den Flop 7.
taz.de: Profiteure des Klimawandels

Die klimafreundliche Suchmaschine Ecosia gilt als grünes Google. Jetzt hat Ecosia einen Klimaschutzfonds in Höhe von 350 Millionen Euro aufgelegt. Das Geld soll Start-ups helfen, die Technologien zur CO2-Reduktion entwickeln.
basicthinking.de: Ecosia gründet Klimaschutzfonds für Start-ups

Aktionen

Proteste rund um die COP26: Am kommenden Sonntag beginnt die Weltklimakonferenz in Glasgow, demonstriert wird dort schon ab dem heutigen Freitag. Geplant sind Veranstaltungen und Demos, auch Blockaden soll es geben. Auf einer Großdemonstration am 5. November wird auch Greta Thunberg auftreten.
taz.de: Gipfel des Protests

Klimaaktivist Samuel Bosch ist für seinen Einsatz im Altdorfer Wald vor Gericht gelandet. Dem Gründer des dortigen Klimacamps wird unter anderem Hausfriedensbruch vorgeworfen. Klimaaktivisti wollen den Prozess mit einer Mahnwache begleiten, denn „Klimaschutz ist kein Verbrechen“.
swr.de: Gründer des Klimacamps im Altdorfer Wald vor Gericht

Im Kampf gegen den Kohleabbau gibt es eine Atempause: Der Prozess, den der Energiekonzern RWE führt, um Lützerath abreißen zu dürfen, verschiebt sich. Weniger gute Nachrichten gibt es zur illegalen Räumung des Hambacher Forsts. Die 50 Millionen Euro teure Aktion basierte auf einer vorgeschobenen Begründung, der angeblichen Feuergefahr für die Baumhäuser. Das Verwaltungsgericht Köln hat die Räumung Anfang September für rechtswidrig erklärt. Die Stadt Kerpen hat ihren Einspruch dagegen jetzt zurückgezogen, doch die Berufung kommt trotzdem: Das nordrhein-westfälische Bauministerium hat die entsprechende Anweisung erteilt.
taz.de: Räumung in Lützerath verschoben

Die Zeit läuft ab, die Sondierungsgespräche der Ampel-Beteiligten lassen nichts Gutes für den Klimaschutz erahnen. Wird es jetzt Zeit, mehr zivilen Ungehorsam fürs Klima zu wagen?
taz.de: RWE auf die Fresse hauen?

Wir haben das Thema bereits im Juli aufgegriffen: „Würdest Du Armin Laschet ohrfeigen?“

Energie

Windkraft in Bewegung: Die baden-württembergische Landesregierung hat eine Taskforce eingesetzt, die erreichen soll, dass Planungs- und Genehmigungsverfahren für Windräder deutlich schneller gehen. Das wäre etwa durch standardisierte Verfahren möglich – und eine Ausweitung der Bauflächen auf Landschaftsschutzgebiete.
swr.de: Baden-Württemberg will Ausbau der Windkraft mit Taskforce beschleunigen

Ergänzend liefert der SWR den traurigen Status Quo: Baden-Württemberg rangiert bei Windrädern und deren Ausbau auf den hinteren Plätzen in der Ländertabelle.

Zum gespannten Verhältnis zwischen Natur- und Klimaschützer*innen beim Thema Windkraft gibt es einen aktuellen Beitrag bei SWR 2 Wissen (auch als Podcast verfügbar).
swr.de: „Windkraft ohne Vogelsterben – Geht das?“

Die aktuell hohen Gaspreise belasten nicht nur Verbraucher*innen. Sie könnten auch dazu führen, dass die EU ihre Klimaziele nicht erreichen kann. Daran ist die EU allerdings selbst schuld: Aktuell wird zu wenig investiert, um die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen zu beenden. Stattdessen sollen laut Recherchen des Journalistenteams Investigate Europe mehr als 100 Milliarden Euro in Erdgasprojekte fließen.
freitag.de: Abhängig in die Krise

tagesschau.de kommentiert pro Klimaschutz: „Die hohen Energiepreise sind gut und richtig“.

Ist Wasserstoff der Zaubertrank der Klima- und Energiepolitik? Dr. Rainer Quitzow vom Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS) entzaubert den Hype und zeigt, wo Wasserstoff tatsächlich im Sinne des Klimaschutzes eingesetzt werden kann.
ipg-journal.de: Am besten grün

Mobilität

60 Prozent der Deutschen sind für ein Tempolimit auf Autobahnen. Das hat der aktuelle DeutschlandTrend der ARD ergeben.
taz.de: Mehrheit ist für ein Tempolimit

Der Landesverband Baden-Württemberg des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC)  hat die Haushaltspläne der grün-schwarzen Landesregierung heftig kritisiert. Grund dafür ist die Kürzung der Mittel für den Rad- und Fußverkehr. „Sie macht ein Erreichen der Klimaziele im Land im Verkehrssektor unmöglich“, kritisiert der ADFC. Der Plan für 2022 sieht Mittelkürzungen für Rad- und Fußverkehr um mehr als 50 Prozent vor. Insbesondere die Mittel für den Radschnellwegebau sowie den Ausbau von Radwegen werden drastisch reduziert – von 20 auf 10 Millionen Euro.
bw.adfc.de: Haushaltsplan bremst Verkehrswende massiv aus

Obergrenzen für Emissionen, CO2-Zertifikatehandel und mehr: Das Internationale Verkehrsforum, eine Partnerorganisation der OECD, fordert von der Politik schärfere Auflagen für die Luftfahrtindustrie. Anders ließe sich die Klimabilanz beim Fliegen nicht verbessern. Parallel dazu müsste in Forschung und Entwicklung investiert werden, etwa in neue Antriebssysteme. Insgesamt stellt das Verkehrsforum allerdings fest, dass vor allem eines gut fürs Klima ist: weniger fliegen.
tagesschau.de: Weiter Weg zum klimafreundlichen Fliegen

Dazu passt eine aktuelle Studie von Greenpeace: Jeden dritten Kurzstreckenflug in Europa könnten wir uns danach bereits heute sparen – die Bahn macht's möglich. 29 Prozent der Kurzstrecken lassen sich sogar per Bahn in weniger als sechs Stunden absolvieren. Und jetzt stellt Euch mal vor, die EU würde Subventionen fürs Fliegen verbieten und das gesparte Geld in klimafreundliche Verkehrsprojekte stecken...
tagesschau.de: Viele Kurzstreckenflüge durch Zug ersetzbar

Verkehrsberuhigte Bereiche, Zebrastreifen und mehr: Die Stadt Flensburg baut im Rahmen eines vom Fachverband Fußverkehr Deutschland unterstützten Projekts das Angebot für Fußgänger aus.
taz.de: Fußgänger vor!

Neue Netzkarte: Mit einem Klimaticket können Österreicher*innen jetzt das ganze Jahr per Bus und Bahn durchs Land reisen. Das Ticket kostet 1095 Euro, zusätzlich werden günstigere Regionaltickets mit eingeschränktem Radius angeboten.
tagesschau.de: Ein Jahr durch die Republik für 1095 Euro

Umwelt und Ernährung

Nachzügler: Australien hat sich bis wenige Tage vor dem Start der Weltklimakonferenz Zeit gelassen, aber jetzt steht fest: Das Land will bis 2050 klimaneutral werden.
tagesschau.de: Australien will klimaneutral werden

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