Klima-Links der Woche: Kohle-Aus, kein Tempolimit!

von Uwe

Im Wochenrückblick geht es um die Ergebnisse der Sondierungsgespräche. Außerdem Wetterberichte, Strompreise, Meeresbewohner und ein Selbstversuch: ohne Auto auf dem Land.

Klima-Links der Woche: Kohle-Aus, kein Tempolimit!

Themenfelder der Woche: Wissenschaft, Politik und Gesellschaft, Geld und Gerechtigkeit, Aktionen, Energie, Mobilität, Umwelt und Ernährung.

Thema der Woche

Sondierungsgespräche abgeschlossen – Koalitionsverhandlungen für die Ampel kommen

Am heutigen Freitag haben die Sondierungs-Beauftragten von SPD, Grünen und FDP auf einer gemeinsamen Pressekonferenz ihren Parteien empfohlen, Koalitionsverhandlungen aufzunehmen. Erste Ergebnisse der Gespräche wurden bekannt, unter anderem besteht die Möglichkeit, dass der Kohleausstieg auf 2030 vorverlegt wird.
tagesschau.de: Ampel-Sondierer für Koalitionsverhandlungen

Weitere Klima-Punkte auf der Koalitions-Agenda: Windkraftausbau auf zwei Prozent der Fläche an Land, Nutzung „aller geeigneten Dachflächen für Solarenergie“, kein Tempolimit und keine Steuererhöhungen. Auch die Schuldenbremse bleibt, in den Klimaschutz investieren wollen die Sondierer aber trotzdem.
tagesschau.de: Auf was sich die Sondierer geeinigt haben

Was von der Klimapolitik der FDP zu halten ist, wird in diesem Beitrag schön auf den Punkt gebracht: nicht viel. Denn die FDP setzt primär auf Wasserstoff-Importe und synthetische Kraftstoffe – eine Strategie, die nicht nur riskant ist, sondern wieder einmal den globalen Süden extrem belastet.
freitag.de: Klima? Outsourcen!

Wissenschaft

Deutlich schneller müssen die erneuerbaren Energien ausgebaut werden, wenn Deutschland 2045 klimaneutral sein soll. Außerdem müssen die CO2-Preise deutlich steigen. Das fordern Wissenschaftler*innen aus Forschungsinstituten und Thinktanks in einer gemeinsamen Studie. Sie gehen davon aus, dass trotz aller Anstrengungen die im neuen Klimaschutzgesetz vorgesehenen CO2-Reduzierungen in den verschiedenen Sektoren kaum erreichbar sind. Die Politik unterschätze, wie tiefgreifend der notwendige Umbau sei, sagt Gunnar Luderer, Vize-Leiter der Abteilung Transformationspfade am Potsdam Institut für Klimaforschung (PIK).
taz.de: Mehr Tempo, mehr Geld

Hier geht's direkt zur Studie „Deutschland auf dem Weg zur Klimaneutralität 2045: Szenarien und Pfade im Modellvergleich“.

Der diese Woche erschienene Climate Transparency Report 2021 stellt den G20-Staaten ein schlechtes Zeugnis aus, was den Klimaschutz betrifft. Die für den Report verantwortlichen Thinktanks und Umweltgruppen sehen die Welt auf Kurs 2,4 Grad. In den Industrie- und Schwellenländern seien die Treibhausgas-Emissionen nach Corona wieder stark angestiegen, kritisieren die Autor*innen des Reports. Mitautor Jan Burck von Germanwatch sagte gegenüber der taz, dass die G20-Länder ihre Emissionen in den nächsten zehn Jahren deutlich senken müssten, sonst drohe das 1,5-Grad-Limit unerreichbar zu werden.
climate-transparency.org: The Climate Transparency Report 2021 – Ambitious climate action through country comparisons

Nicht nur der Ozean speichert CO2, auch seine Bewohner sind beteiligt. Der Beitrag der Meereslebewesen hat allerdings stark abgenommen. Das ergaben Berechnungen eines Teams  an der University of California in Los Angeles, die in der Fachzeitschrift Science Advances veröffentlicht wurden.
taz.de: Klimaschutz mit Fischkot

Politik und Gesellschaft

Hurra, wir haben seit Januar eine CO2-Abgabe! Es gibt nur ein Problem: Die Versorger liefern aktuell nicht genügend erneuerbare Energien, so dass die Bürger*innen gar nicht umsteigen können. Die neue Bundesregierung muss daher sofort beginnen, die Energieversorgung endgültig umzustellen.
tagesschau.de: Wie die neue CO2-Abgabe wirkt

Konzerne machen Druck: Die nächste Bundesregierung soll innerhalb der ersten 100 Tage eine „Umsetzungsoffensive für Klimaneutralität“ starten. Letztendlich geht es um das Übliche: klare Rahmenbedingungen.
tagesschau.de: Großkonzerne fordern klare Kante

Klimakrise im TV: Der Wetterbericht ist häufig politischer als der Rest der Nachrichten, stellt Christian Stöcker fest. Meteorolog*innen hätten die Nase voll davon, dass ARD und ZDF der Klimakrise nicht genügend Sendezeit einräumen.
spiegel.de: Der einsame Klimakampf der Wetteransager

Geld und Gerechtigkeit

Der Peruaner Saúl Luciano klagt vor dem Oberlandesgericht Hamm gegen den Energiekonzern RWE. Er lebt in den Anden unterhalb eines Gletschersees, der durch das Abschmelzen der Andengletscher eine Flutwelle auslösen könnte. Bekommt Luciano Recht, könnte das Urteil zahllose weitere Klagen nach sich ziehen und den Klimaschutz entscheidend voranbringen. Wir drücken die Daumen.
heise.de: Bauer gegen RWE

Klimaschutz ist nicht teuer. Teuer wird es, wenn jetzt nicht gehandelt wird. Was die Europäische Zentralbank längst weiß, ist in der Politik noch nicht angekommen. Christian Stöcker macht die Rechnung auf: Allein ein klimafreundlicher Umbau der Energieversorgung würde uns Verbraucher*innen helfen, künftig Geld zu sparen. Einzige Verlierer wären die Fossil-Konzerne.
spiegel.de: Wer bremst, verliert

Ausgleich für höhere Strompreise: In einer gemeinsamen Studie zeigen das Leibniz Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) und das Potsdam Institut für Klimaforschung (PIK) einen Weg auf, einkommensschwache Haushalte zu entlasten. Die CO2-Bepreisung müsse ergänzt werden „durch einen breit angelegten Ausgleichsmechanismus". Die beste Lösung hierfür sei, „mit den Einnahmen aus der CO2-Bepreisung zunächst die Steuern und Abgaben auf Strom zu reduzieren.“ Zusätzliche Einnahmen sollen durch eine Pro-Kopf-Rückerstattung an die Bevölkerung zurückfließen.
rwi-essen.de: RWI und PIK schlagen Sozialausgleich der CO2-Bepreisung vor: zuerst über die Stromabgaben, später als Pro-Kopf-Auszahlung

Die österreichische Organisation Allrise will Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro vor dem Internationalen Strafgerichtshof wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verklagen. Hintergrund ist die Zerstörung des Regenwaldes, die sich seit dem Amtsantritt von Bolsonaro noch beschleunigt hat.
taz.de: Klimaklage gegen Bolsonaro

Aktionen

In zwei Wochen findet die Weltklimakonferenz in Glasgow statt. Im Vorfeld treffen sich in Kassel die Teilnehmenden der Jungen Klimakonferenz Deutschland (LCOY), um mehr Aufmerksamkeit für die Klimakrise zu erreichen.
taz.de: „Wir sammeln Stimmen der Jugend“

Eine Vorschau auf die Weltklimakonferenz findet Ihr hier im Blog.

Energie

Strom- und Gaspreise steigen, die Bürger*innen müssen's ausbaden – weil die Politik den Ausbau der erneuerbaren Energien sträflich vernachlässigt hat. Nettes Detail aus dem Beitrag der grünen Europaabgeordneten Jutta Paulus: „Laut Internationalem Währungsfonds werden fossile Energien jede Minute (!) mit 9,5 Millionen Euro subventioniert.“
freitag.de: Der Preis jahrelanger Untätigkeit

Stell dir vor, deine Solaranlage ist fertig – und dann steht sie ungenutzt in der Gegend rum. So sieht's aktuell in Deutschland aus, weil die für die aufwändigen Zertifizierungen zuständigen Unternehmen überlastet sind. Wartezeiten aktuell: bis zu einem Jahr!
tagesschau.de: Zertifizierer blockieren Solar-Ausbau

Mobilität

Eigentlich sollte die „Nationale Plattform Mobilität“ Wege finden, den Autoverkehr in Deutschland zu reduzieren und die Klimaziele im Mobilitätssektor zu erreichen. Umweltverbände kritisieren, diese Ziele seien verfehlt worden. So kritisiert Jens Hilgenberg, Verkehrsexperte des BUND, eine Verlagerung des Verkehrs auf die Schiene sei praktisch kein Thema gewesen: „Wir sind ... auf taube Ohren gestoßen.“
taz.de: Thema verfehlt

Mehrheit fürs Tempolimit im Ländle: Die aktuelle BW-Trends-Umfrage des SWR hat ergeben, dass 60 Prozent der Baden-Württemberger ein Tempolimit von 130 km/h auf Autobahnen befürworten. 72 Prozent stimmen dafür, dass Flugreisen teurer werden müssen.
swr.de: Klimaschutz in Baden-Württemberg: Mehrheit findet Tempolimit auf Autobahnen richtig

Ohne Auto auf dem Land? Geht schon, hat die taz im Selbstversuch festgestellt – die Alternative mit Bus und Bahn ist allerdings nichts für Ungeduldige.
taz.de: Man muss warten können

Umwelt und Ernährung

Die Klimakrise führt bereits jetzt zu mehr Hunger auf der Welt. Laut dem neuen Welthungerindex sind 155 Millionen Menschen betroffen. Weitere Ursachen für die dramatische Lage sind Konflikte und die Corona-Pandemie.
taz.de: Hungertreiber Klimawandel

Mehr als eine Million Pflanzen- und Tierarten könnten in den nächsten zehn Jahren aussterben. Das sagte UN-Generalsekretär António Guterres zum Auftakt der Artenschutzkonferenz der Vereinten Nationen in Peking. 5.000 Teilnehmer*innen verhandeln bei der Konferenz über ein neues Rahmenabkommen.
faz.net: „Wir verlieren unseren Krieg gegen die Natur“

Die UN-Konferenz endete am Mittwoch – mal wieder mit äußerst dürftigen Ergebnissen.

An einem Strang ziehen aktuell die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft, die Deutsche Landjugend, der Naturschutzbund, der BUND und der Tierschutzbund. Die Organisationen haben einen Appell für ein ökonomisches und ökologisches Umdenken in der Agrarpolitik vorgelegt.
tagesschau.de: Bauern und Umweltschützer wollen Kurswechsel

Im Kongobecken will die Regierung des Landes den Regenwald abholzen – nach 20 Jahren Pause, zumindest auf dem Papier. Jetzt laufen Umweltorganisationen Sturm gegen die Pläne.
taz.de: Schnitte in die grüne Lunge

Wichtiger Hinweis der Ärzte ohne Grenzen: Die Klimakrise macht krank, führt zu Luftverschmutzung, Hitze, Infektionskrankheiten. Wer sich für den Klimaschutz einsetzt, tut auch etwas für die Gesundheit der Menschen.
aerzte-ohne-grenzen.de: Klimaschutz ist Gesundheitsschutz

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