Klima-Links der Woche: Wo bleibt der Mut zur Realität?

von Uwe

Im Wochenrückblick geht's um Wahlgeplänkel, IPCC-Wahrheiten, Zukunftsangst und Hungerstreiks. Außerdem: Radikalisierung, Wasserstoff und Klimaklagen. Schönes Wochenende!

Klima-Links der Woche: Wo bleibt der Mut zur Realität?

Themenfelder der Woche: Wissenschaft, Politik und Gesellschaft, Geld und Gerechtigkeit, Aktionen, Energie, Mobilität, Umwelt und Ernährung, Bauen und Wohnen.

Wissenschaft

2,7 Grad Erderhitzung: Auf diesem katastrophalen Kurs befinden wir uns aktuell laut dem jetzt vorgelegten UN-Klimabericht. Der Bericht analysiert, wie die 191 Länder, die das Pariser Abkommen unterzeichnet haben, ihre selbst auferlegten Verpflichtungen zum Klimaschutz erfüllen. Wird das Ziel verfehlt, die Erderhitzung auf 1,5 Grad zu begrenzen, drohen laut UN-Generalsekretär António Guterres „der massive Verlust von Menschenleben und Lebensgrundlagen“.
tagesschau.de: Welt steuert auf 2,7 Grad Erwärmung zu

Auch der Blick auf die Inhalte des aktuellen IPCC-Berichts ist ernüchternd: Die Klimakrise lässt sich in vielen Bereichen nicht mehr stoppen. Das gilt etwa für Veränderungen in den Ozeanen, für die schmelzenden Eisschilde und den Anstieg des globalen Meeresspiegels. Die Analyse zeigt, dass sich die deutsche Politik immer noch weigert, diesen Tatsachen ins Auge zu blicken. Das zeigt der Bericht unter anderem am Beispiel der Kohlepolitik in Deutschland, China und Australien.
kontextwochenzeitung.de: Erde an Politik, bitte melden!

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V. glaubt einen Weg gefunden zu haben, grünen Wasserstoff kostengünstig herzustellen. Benötigt würden dafür „poröse phosphorisierte CoNi2S4-Dotter/Schale-Nanokugeln“. Kurz gesagt, handelt es sich dabei um Elektrodenmaterial, das vielseitig einsetzbar ist. Wie genau die Wasserstoff-Gewinnung gelingen soll, wird im Text erklärt.
scinexx.de: Für eine kostengünstigere Wasserstoff-Produktion

Politik und Gesellschaft

Klimaaktivistin blamiert Laschet: In der ARD Wahlarena brachte Maja Stimming von FFF den CDU-Kanzlerkandidaten durch gezieltes Nachfragen in Bedrängnis. Dafür erntete sie einen von der Bild-Zeitung initiierten Shitstorm.
taz.de: Shitstorm gegen Aktivistinnen

Auch das zweite Triell brachte keine Überraschungen in Sachen Klimaschutz: Armin Laschet (CDU) und Olaf Scholz (SPD) beharkten sich wegen Kleinigkeiten, ansonsten ging es nur darum, wer für die Kosten aufkommen soll. Auch Annalena Baerbock (Grüne) überzeugte nicht. Denn auch sie traute sich nicht, die Realität aufzuzeigen: Wir werden bitter bezahlen, wenn wir jetzt nicht handeln – und das nicht nur finanziell.
taz.de: Leerstelle Klimaschutz

ZEIT Online kommentiert in dieselbe Richtung: „Die klimapolitische Bilanz dieses Wahlkampfs ist erschütternd“.

Besonders haarsträubend: Wie die SPD versucht, Kohlefreund Olaf Scholz als künftigen „Klimakanzler“ zu verkaufen.
taz.de: Plötzlich Klimaschützer

10.000 Teilnehmende aus zehn Ländern: Eine größere Studie zur Zukunftsangst als die von Avaaz, für die Menschen zwischen 16 und 25 Jahren befragt wurden, hat es bislang noch nicht gegeben. Das Ergebnis ist alarmierend: 60 Prozent der Befragten sagten, dass sie Angst vor der Zukunft hätten. 56 Prozent glauben sogar, dass die Menschheit „dem Untergang geweiht“ sei. 45 Prozent fühlen sich durch die Klimakrise in ihrem täglichen Leben beeinträchtigt. Am größten sind die Sorgen in Ländern wie Brasilien und Indien, in denen wenig gegen die Krise getan wird.
spiegel.de: Klima-Krise: 60 Prozent der jungen Menschen haben Zukunftsängste

Geld und Gerechtigkeit

Klimaschutz soll endlich Gesetz werden: Dafür zieht die Deutsche Umwelthilfe gemeinsam mit Kindern und jungen Erwachsenen gegen verschiedene Landesregierungen vor Gericht.
mdr.de: Umwelthilfe klagt gegen fünf Bundesländer

Arbeitskampf und Kampf fürs Klima: In München-Trudering wollen Arbeitende und Klimaaktivisti gemeinsam die Schließung eines Werks von Bosch verhindern. Dort werden Einspritzventile und Kraftstoffpumpen für Dieselmotoren hergestellt. Beschäftigte und Klimaschützer*innen wollen erreichen, dass die Arbeitsplätze erhalten bleiben und dass die Produktion umgestellt wird.
freitag.de: Hand in Hand

Durch die Klimakrise werden in den kommenden Jahrzehnten ganze Regionen unbewohnbar. Die Weltbank geht in ihrem jüngsten „Groundswell-Bericht“ daher davon aus, dass sich bis zum Jahr 2050 bis zu 216 Millionen Flüchtlinge aufmachen müssen, um sich wegen der klimatischen Bedingungen in ihrer Heimat ein neues Zuhause zu suchen.
stuttgarter-nachrichten.de: Weltbank: Über 200 Millionen Klimaflüchtlinge bis 2050

Die Klimakrise führt auch dazu, dass immer mehr Umweltaktivisti ermordet werden.
taz.de: Klimakrise verschärft weltweit Konflikte

Aktionen

Die Kräfte schwinden, doch die Klimaaktivisti setzen ihren Hungerstreik vor dem Reichstag fort (aktueller Stand: Donnerstag, 21:11 Uhr).
taz.de: Entschlossen und kraftlos

Die Forderungen der Streikenden sind überhaupt nicht überzogen. Sie wollen lediglich mit den Kanzlerkandidierenden sprechen und dass ein Bürgerrat fürs Klima eingerichtet wird.

Aktivistin Carola Rackete fordert Fridays for Future in einem Gastkommentar dazu auf, sich zu radikalisieren. Konkret: im Herbst in Lützerath gegen den Braunkohleabbau zu protestieren: „Echte Veränderung wird nur von einer Bewegung kommen, die politischen Druck ausübt.“
taz.de: Seid Sand im Getriebe!

Urteil gegen Polizeiwillkür: Der gewalttätige Einsatz eines Ersten Hauptkommissars im Hambi war laut dem Aachener Landgericht rechtswidrig. Für die taz ist das Urteil ein „Kilometerstein“, auch wenn der Schuldige im Polizeidienst verbleibt.
taz.de: Fast ein Meilenstein

Die Stadt Rastatt nimmt teil an der „Europäischen Mobilitätswoche“. Vom 16. bis zum 22. September finden diverse Aktionen rund um klimafreundliche Mobilitätsformen statt. Dazu gehören etwa die kreative Umgestaltung von Parkplätzen und ein Radaktionstag.
rastatt.de: Die Aktionen im Überblick

Energie

70,2 Milliarden Kilowattstunden: So viel Energie wurden im ersten Halbjahr 2021 aus Kohlekraftwerken in die Stromnetze eingespeist. Das bedeutet: Stein- und Braunkohle haben Windenergie mengenmäßig wieder als Stromquelle überholt. 2020 hatten Windparks zum ersten Mal mehr Strom erzeugt als Kohlekraftwerke. In diesem Jahr fehlt es laut Spiegel Online dafür am nötigen Wind.
spiegel.de: Kohle überholt Wind wieder als wichtigste Stromquelle

Der steigende CO2-Preis zeigt Wirkung: Der Ausbau erneuerbarer Energien nimmt in Europa deutlich Fahrt auf. Aktuell werden im europäischen Emissionshandel etwa 60 Euro pro Tonne CO2 fällig. Expert*innen gehen davon aus, dass der Preis weiter steigen wird.
taz.de: Die Energiewende läuft an

Atomkraft erscheint vielen Ländern als bequeme Lösung für die Reduktion ihrer Treibhausgas-Emissionen.
tagesschau.de: Renaissance der Kernkraft?

Mobilität

Wie gnadenlos die Polizei in München sich für eine ungestörte Automesse IAA einsetzte, zeigt nachdrücklich diese Reportage.
freitag.de: Knüppeln für das Auto

Zu den Hintergründen der Proteste liefert die Rosa-Luxemburg-Stiftung ein Interview mit dem Münchner Stadtrat Thomas Lechner und der Mobilitätsexpertin Merle Groneweg.

Mit der Treibhausgasminderungsquote werden Mineralölfirmen dazu verpflichtet, ihre Kraftstoffe emissionsärmer anzubieten. Laut einem jetzt vom Bundesrat gebilligten Beschluss soll die Quote von 6 auf 25 Prozent steigen. Biokraftstoffe, die auf Palmöl basieren, werden ab 2023 verboten.
taz.de: Kraftstoffe sollen sauberer werden

Umwelt und Ernährung

Teile des von der EU entworfenen Gesetzes zum „European Green Deal“ sollen auch den Naturschutz umfassen, etwa den Schutz der Wälder vor Abholzung. Das geplante Gesetz hat allerdings enorme Lücken, so werden ganze Ökosysteme wie Moore nicht erfasst.
taz.de: Der Ehrgeiz hält sich in Grenzen

Die Kleine Alpen-Kuhschelle, auch „Brockenanemone“ genannt, ist ein Beispiel dafür, wie die zunehmende Erderhitzung die Artenvielfalt bedroht. Immer mehr Tiere und Pflanzen müssen sich neue Lebensräume suchen – oder sind vom Aussterben bedroht.
taz.de: Das große Wandern

Die Bäume in den afrikanischen Berg-Regenwäldern speichern mehr CO2 als die Bäume im Amazonas. Sie sind jedoch ebenfalls von Abholzung und Feuer bedroht.
tagesschau.de: Afrikas Regenwälder schwinden

Lebensgefahr durch Feldarbeit: Die Klimakatastrophe birgt enorme Risiken, auch und gerade für Menschen, die in der Lebensmittelproduktion arbeiten. Sie sind Hitze und UV-Strahlung ausgesetzt, teilweise schutzlos.
ipg-journal.de: Riskante Ernte

Bauen und Wohnen

Mehr Wohnungen zu bauen, ist gut für die Menschen, aber schlecht fürs Klima. Wie sich soziale Frage und Klimaschutz vereinbaren lassen, erörtert Anton Brokow-Loga in diesem Beitrag.
makronom.de: Jenseits des Baubooms

Und hier noch ein Lese-Tipp:

Der Klima-Lügendetektor zeigt an einem drastischen Beispiel aus dieser Woche, wie „Bild“ Stimmung gegen wirksame Klimapolitik macht – mit veralteten Zahlen, Übertreibungen und verdrehten Tatsachen.

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