Klima-Links der Woche: Wer schultert die Lasten?

von Uwe

Im Wochenrückblick geht es um 29 Milliarden Euro Flutkosten, Proteste in Glasgow, die Ampel, Personalprobleme, Algen für Kühe und Eisbären im Klimastress. Schönes Wochenende!

Klima-Links der Woche: Wer schultert die Lasten?

Themenfelder der Woche: COP26, Aktionen, Politik und Gesellschaft, Geld und Gerechtigkeit, Energie, Mobilität, Umwelt und Ernährung.

COP26

In der zweiten Woche der Weltklimakonferenz COP26 arbeiteten Expert*innen und Fachminister*innen daran, aus den Absichtserklärungen der Politik konkrete Maßnahmen abzuleiten. Unter anderem ging es um die Finanzhilfen für ärmere Länder und internationale Zusammenarbeit, etwa bei der CO2-Reduktion. Bis zum heutigen Freitag soll ein Regelbuch erstellt werden, in dem festgelegt wird, wie die Ziele des Pariser Abkommens konkret umgesetzt werden. Damit soll klar werden, wie die Erderwärmung noch deutlich unter zwei Grad gestoppt werden kann.
tagesschau.de: Es geht ans Eingemachte

Weichgespült: Der Abschlussbericht wurde im Vergleich zu vorherigen Entwürfen deutlich abgeschwächt. (Stand: Freitag, 14:47 Uhr).

Schuss vor den Bug: Das Team des Climate Action Tracker hat berechnet, dass sich die Staatengemeinschaft auf dem Weg zu einer Erderhitzung von 2,4 Grad oder mehr befindet. Die Internationale Energieagentur hatte dagegen 1,8 Grad bis zum Jahr 2100 berechnet.
taz.de: Keine Entspannung in Glasgow

Wer steigt aus? 40 Länder haben auf der COP26 angekündigt, dass sie zukünftig ohne Kohle auskommen wollen. Auf keinen Fall dabei sein wird wohl Australien: „Wir haben ganz klar gesagt, dass wir keine Kohleminen und keine Kohlekraftwerke schließen werden“, sagt Keith Pitt, der australische Ressourcenminister. 
tagesschau.de: Australien hält an Kohleförderung fest

Die USA und China haben vereinbart, dass sie beim Klimaschutz zusammenarbeiten wollen. Klimaschädliche Emissionen sollen gemeinsam gesenkt werden, konkrete Zahlen wurden nicht genannt.
tagesschau.de: Vorsichtiges Lob und noch viel Arbeit

Nur wenn die Superreichen sich deutlich einschränken, können Klimaziele erreicht werden. Darauf hat auf der COP26 eine Gruppe von Wissenschaftler*innen hingewiesen. Die Mitglieder von „futureearth“ schreiben in ihrem Report, die 1,5-Grad-Grenze ließe sich noch einhalten. Dazu sei allerdings „sofortiges und drastisches Handeln“ erforderlich.
taz.de: Wissenschaft fordert mehr Tempo

Das liebe Geld beschäftigt auch die deutsche Delegation: Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth kündigte an, dass sich Deutschland bis Ende 2022 aus der Finanzierung fossiler Energien zurückziehen wolle. Einer entsprechenden Initiative waren auf der COP26 bereits etwa 20 weitere Länder beigetreten, darunter die USA.
tagesschau.de: Weitere Beschlüsse – und ein „Berg Arbeit“

503 fossile Lobbyist*innen versuchen auf der COP26, die Entscheidungen zu beeinflussen. Das ist viel (zu viel), allerdings nehmen insgesamt fast 40.000 Menschen an der Konferenz teil.
taz.de: Die fossilen Fünfhundert

Aktionen

Indigene aus aller Welt, Gewerkschafter*innen, Aktivisti: In Glasgow haben Zehntausende den Teilnehmer*innen der COP26 gezeigt, was sie von dem Klimagipfel erwarten: gar nichts. Greta Thunberg bezeichnete die Konferenz als „Greenwash-Festival“. NGOs wie Greenpeace und der NABU beurteilen die Ergebnisse weniger kritisch, es gebe auch kleine Erfolge zu verzeichnen.
taz.de: Große Wut, kleine Fortschritte

Was genau bei den Demonstrationen in Glasgow passiert, schildert Judith Neumann im Mosaik-Blog.

Mit einem Filderkorso aus Fahrrädern und Traktoren demonstrieren Organisationen und Aktivisti am Samstag auf den Fildern gegen den sechsspurigen Ausbau der Bundesstraße B27. Gestartet wird um 14 Uhr an der Filharmonie in Filderstadt-Bernhausen.
https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.aktion-auf-den-fildern-korso-gegen-den-ausbau-der-b-27.9dcb30a2-e2b2-4a5b-b968-06fe1535746e.html

Politik und Gesellschaft

Ministerpräsident Kretschmann hat auf der COP26 für mehr Klimaschutz geworben. Bei uns in Baden-Württemberg gibt es allerdings großen Nachholbedarf. So liegt der Anteil der erneuerbaren Energien aktuell nur bei 26 Prozent. Außerdem ist das Ländle gemeinsam mit NRW Spitzenreiter beim Steinkohleverbrauch.
swr.de: So steht es um den Klimaschutz in Baden-Württemberg

Was macht eigentlich Olaf Scholz? Der vermutlich nächste Bundeskanzler hat die Verantwortung – auch und gerade für Maßnahmen zum wirksamen Klimaschutz.
taz.de: Klimakanzler oder gar nicht

Schleppender Verlauf: Die Grünen sind frustriert, weil es bei den Koalitionsverhandlungen ausgerechnet an ihrem wichtigsten Thema hakt. Noch ist völlig unklar, wie der Pfad zum 1,5-Grad-Ziel aussehen soll.
taz.de: Ampelfrust bei den Grünen

Die 22 Arbeitsgruppen haben geliefert. Jetzt müssen die Spitzen der Ampel-Parteien um die finalen Kompromisse ringen. Ob das fürs Klima gut ausgeht?

Robert Habeck hat jedenfalls ordentlich Druck gemacht, heißt es auf tagesschau.de: „Habeck warnt vor Scheitern der Ampel“, heißt es da. Entscheidend könne die künftige Klimapolitik sein.

Der Freitag beschreibt die Lage so: SPD und Grüne sind dabei, der FDP auf den Leim zu gehen. Sie spreche von Bürokratieabbau, wolle aber letztendlich nur der Industrie das Spielfeld überlassen. Mehr Klimaschutz ist damit nicht zu erreichen.
freitag.de: Mehr Staat wagen

Lob für den Bürger*innenrat Klima: Freitag-Autorin Anika Limbach erklärt, warum wir mit den Forderungen aus dem Bürgergutachten die 1,5-Grad-Grenze locker einhalten könnten.
freitag.de: Wende von unten

Wie muss guter Klimajournalismus aussehen? Er sollte jedenfalls nicht auf unpassende Vergleiche und plakative Pauschalaussagen zurückgreifen – und nicht die raffinierten PR-Worthülsen der Industrie unkommentiert wiedergeben. Beispiel: E-Autos sind nicht „sauber“.
deutschlandfunkkultur.de: Wie lässt sich die Klimakrise besser erklären?

Warum gibt's eigentlich keine Klimaromane? Diese Diskussion wird aktuell in den Feuilletons der Republik geführt – taz-Chefreporter Peter Unfried fasst die wenig zufriedenstellende Lage zusammen.
taz.de: Klima-Romane werden kommen

Geld und Gerechtigkeit

Wachstum als Wurzel allen Übels: Einerseits brauchen wir dringend Artenschutz, denn an ihm hängen unsere Luft, unser Trinkwasser, unsere Gesundheit und unsere Lebensmittelproduktion. Andererseits sind die auch von NGOs unterstützten Maßnahmen für den Erhalt der Biodiversität darauf ausgerichtet, das wirtschaftliche Wachstum zu erhalten. So führen Zertifizierungssysteme nur dazu, dass sich die Nachfrage nach den entsprechenden Waren erhöht. Beispiel: Der Runde Tisch für nachhaltiges Palmöl (RSPO) besteht seit 17 Jahren. Die Zerstörung des Regenwaldes zur Errichtung von Palmöl-Plantagen konnte in dieser Zeit nicht einmal verlangsamt, geschweige denn gestoppt werden. 2015 lag sie laut Global Forest Watch mit 753.000 Hektar zerstörter Waldfläche ein Viertel höher als 2004. Dazu kommen schwerwiegende Folgen für die indigene Bevölkerung in Gebieten, die als Schutzgebiete ausgewiesen werden. Den Menschen droht schlicht die Vertreibung, insbesondere wenn das auch von der EU unterstützte Ziel, 30 Prozent der Erdoberfläche zum Schutzgebiet zu machen, umgesetzt würde. Dann könnten mindestens 300 Millionen Menschen ihre Heimat und ihre Lebensgrundlage verlieren, wie aus einem offenen Brief von über 200 Indigenen- und Menschenrechtsorganisationen hervorgeht.
freitag.de: Schöner aussterben mit nachhaltigem Palmöl

Wer schultert die Lasten? Warum gibt es eigentlich noch keine Abgabepflicht für Konzerne, die das Klima schädigen? Das ist eine der Fragen rund um die gerechte Verteilung der Kosten, die durch Klimaschutz, Anpassungsmaßnahmen und Schäden durch Extremwetter entstehen.  
freitag.de: Gerecht ist das nicht

Wie sehr zum Beispiel die Energiewende in den Industrieländern zu Lasten der Menschen im globalen Süden geht, zeigt dieser Beitrag: „Insgesamt profitiert die lokale Bevölkerung meist nicht von den materiellen Gewinnen der Rohstoffausbeutung, ist aber den negativen sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Folgen weitgehend ungeschützt ausgesetzt.“ Lösungsmöglichkeiten: Einhaltung der Umweltauflagen in den Förderländern, breite Beteiligung der Anwohner*innen, in die Projekte einkalkulierte Entschädigungen und Ausgleichszahlungen.
ipg-journal.de: Schon wieder ausgebeutet

A propos Ausgleichszahlungen: Was passiert, wenn die Industrieländer die zugesagten 100 Milliarden Dollar jährlich nicht fließen lassen, mit denen ärmere Länder die Klimakrise bewältigen sollen? Sandra Kirchner von Klimareporter stellt fest: „Die Folgen könnten fatal sein.“
freitag.de: Geiz ist ungeil

Wichtiges Thema auf der COP26: Gleichberechtigung. Frauen sind von der Klimakrise stärker betroffen als Männer. Zugleich sind sie bei Klimakonferenzen deutlich in der Minderheit.
tagesschau.de: „Die Hüterinnen der Saaten“

Energie

Die Energiewende droht ohne Fachkräfte zum Flop zu werden. Das Problem: Derzeit gibt es etwa 120.000 unbesetzte Stellen im Handwerk.
tagesschau.de: Personalnot droht Energiewende auszubremsen

Atomkraft ist angeblich klimaneutral, sie wird aktuell verstärkt ins Spiel gebracht, wenn es um Alternativen zu Gas und Kohle geht. Fazit dieses Beitrags: Schon die Gefahr militärischer Konflikte sollte Begründung genug dafür sein, dass wir auch in Zukunft die Finger vom Atom lassen.
freitag.de: Atomkraft for Future

Energiekrise in China: Um die Industrie zu versorgen, müssen die Kohlekraftwerke auf Hochtouren laufen. China verbrennt mehr als der Rest der Welt zusammen – und will trotzdem bis 2060 klimaneutral werden.
taz.de: Chinas Kohlekraftwerke laufen heiß

Mobilität

Ende des Verbrenners 2030? Da will VW nicht mitmachen – und darum hat Greenpeace Klage gegen den Konzern eingereicht. Der Vorwurf: mangelnder Klimaschutz. In den Niederlanden war eine ähnliche Klage gegen den Ölkonzern Shell bereits erfolgreich. Hierzulande haben die Deutsche Umwelthilfe und Greenpeace im September gleich vier Unternehmen verklagt: BMW, VW, Mercedes-Benz und Wintershall, einen Öl- und Gaskonzern.
taz.de: Greenpeace klagt gegen Volkswagen

Babyschritte auf der COP26: Sechs Autokonzerne, darunter Mercedes-Benz und 24 Staaten haben sich auf ein Aus für Verbrennungsmotoren festgelegt. Zumindest wollen sie „darauf hinarbeiten“, dass spätestens 2040 nur noch saubere Fahrzeuge verkauft werden. Deutschland gehört nicht zu den 24 Aussteigern.
tagesschau.de: Allianz für Ende des Verbrennungsmotors

Umwelt und Ernährung

Offizielle Schadensbilanz zur Flutkatastrophe vom Juli: 29 Milliarden Euro. Deutschland hat jetzt Hilfe aus dem EU-Solidaritätsfonds beantragt, um die Kosten zu stemmen. Denken wir daran: Diese Flut war nur ein Vorgeschmack.
tagesschau.de: Mehr als 29 Milliarden Euro Schaden

Zu warm für Eisbären: Die kanadische Hudson Bay liefert ein drastisches Beispiel dafür, welche Auswirkungen die Klimakrise bereits heute auf Umwelt und Natur hat.
tagesschau.de: Anpassen oder untergehen

Laborfleisch, Laborfisch: In Singapur wird die Klimakrise auch mit „alternativen Proteinprodukten“ bekämpft. Das Fleisch kommt aus dem Labor und aus Fleischzellfarmen. Eine Massenproduktion ist möglich und der potenzielle Markt riesig.
tagesschau.de: Chicken Nuggets aus dem Labor

Algen für Kühe: In der Schweiz wird versucht, den Methan-Ausstoß von Kühen durch das Füttern mit Algen zu reduzieren.
swr.de: Algenfutter fürs Klima?

Macht's gut – und hier noch ein Video-Tipp: Der Film „Earth To COP“ wurde den Teilnehmenden der Weltklimakonferenz gezeigt. Stoff zum Nachdenken.
kraftfuttermischwerk.de: Erde an Klimakonferenz

Bauen und Wohnen

Klimafreundlich bauen: Der SWR berichtet über Möglichkeiten, die Emissionen und Umweltbelastungen durch klassische Bauweise zu ersetzen – dabei spielt Holz eine tragende Rolle.
swr.de: Ein Zuhause für die Zukunft – klimafreundlich bauen und wohnen

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