Zur Diskussion: Was bedeutet „Klimagerechtigkeit“?

von Uwe

In Vorträgen und Diskussionen haben wir uns mit dem Begriff „Klimagerechtigkeit“ beschäftigt. Heute versuchen wir uns an einer Begriffsdefinition. Wir freuen uns über Feedback, denn klar ist: Ohne Klimagerechtigkeit kein wirksamer Klimaschutz.

Zur Diskussion: Was bedeutet „Klimagerechtigkeit“?

Hier findet Ihr den Blogbeitrag zu unserer Veranstaltung „Was bedeutet Klimagerechtigkeit“ mit Dr. Nicole Aeschbach und Dr. Stephan Wolf.

Hier könnt Ihr die Aufzeichnung des YouTube-Streams der Veranstaltung anschauen.

Im Anschluss an die Veranstaltung haben wir die Diskussion intern fortgesetzt. Die folgende Definition fasst die bisherigen Ergebnisse zusammen.

Definition: Was bedeutet Klimagerechtigkeit?

Klimagerechtigkeit bedeutet für uns, zukunftsorientierte sowie sozial und global gerechte Maßnahmen zur Bekämpfung der drohenden Klimakatastrophe und zur Einhaltung der im Pariser Klimaabkommen beschlossenen 1,5-Grad-Grenze zu entwickeln und politisch umzusetzen.

Einordnung als Teilaspekt der Menschheitsgerechtigkeit
Klimagerechtigkeit ist ein Teilaspekt der globalen Menschheitsgerechtigkeit. Diese wird wie folgt definiert:

Jeder Mensch hat das Recht, die begrenzten Ressourcen der Erde für sein Leben und für seine Entwicklung zu nutzen.

Klimagerechtigkeit bezieht sich dabei auf die begrenzte Aufnahmefähigkeit der Erdatmosphäre für klimawirksame Gase, bevor eine katastrophale Erderhitzung einsetzt.

Erläuterungen
Im Sinne der Klimagerechtigkeit berücksichtigen wir die folgenden Prinzipien in der politischen Arbeit, in Diskussionen und bei der Entwicklung von Maßnahmen:

1. Generationengerechtigkeit
Die Klimakrise erfordert sofortiges Handeln. Eine ungleiche Belastung kommender Generationen bei der Umsetzung von Maßnahmen ist inakzeptabel. Dies schon mit Blick auf unkalkulierbare Faktoren wie Kipppunkte, deren Erreichen die Erderhitzung stark beschleunigen könnte.

2. Soziale Gerechtigkeit
Wir entwerfen Maßnahmen zum Klimaschutz so, dass im bestmöglichen Fall alle Menschen von der Umsetzung profitieren. Für eine sofortige Entlastung von Menschen mit geringerem Einkommen setzen wir uns für die bundesweite Einführung eines Klimageldes ein. Einnahmen aus dem Handel mit CO₂-Emissionen sind dabei teilweise abhängig vom Einkommen in Form eines monatlichen Betrags an die Bevölkerung zu erstatten. Ein anderer Teil wird genutzt, um konkrete Maßnahmen für den Klimaschutz umzusetzen. Diese Maßnahmen sollen nicht dazu führen, dass Teilhabe verloren geht.

(Anmerkung: Details zu den hier genannten Vorschlägen werden aktuell noch diskutiert. Wir freuen uns auch hier über Fragen und Beiträge.)

3. Globale Gerechtigkeit
Die Länder des Globalen Nordens haben sich bereits in der Klimarahmenkonvention von 1992 bereit erklärt, „gerechte und angemessene Beiträge“ zum Schutz des Klimasystems und zum Wohl heutiger und kommender Generationen zu leisten (Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (Klimarahmenkonvention), Art. 4 (2) a). Rio de Janeiro 1992.) Wir fordern, dass dieses Versprechen eingelöst wird: Der weltweite Kampf gegen die Erderhitzung darf nicht auf dem Rücken armer Länder ausgetragen werden, die bereits jetzt in enormem Maße von Ressourcenabbau, Umweltzerstörung und Ausbeutung betroffen sind. Wirksame Emissionsziele, die Entschädigung von Ländern mit geringem CO₂-Treibhausgasausstoß und global gerechte Reduktionsziele sind auf internationaler Ebene zu verhandeln. Dabei müssen die Industrieländer ihrer historischen und aktuellen Verantwortung gerecht werden. Solidarisches Handeln ist unverzichtbar, um die Klimakrise global zu bewältigen.

Habt Ihr Feedback? Fragen? Anregungen?
Wir freuen uns auf Eure Kommentare
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per Mail an kontakt@klimaliste-bw.de.

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