Klima-Links der Woche: Hätte, hätte, Lieferkette!

von Uwe

(Bild von kristamonique auf Pixabay)

Im Wochenrückblick geht es um das Lieferkettengesetz, Nord Stream 2, Insektenschutz und um die Frage, ob das kalte Wetter mit der Klimakrise zu tun hat. Spoiler: Es hat. Schönes Wochenende!

Klima-Links der Woche: Hätte, hätte, Lieferkette!

Der Abbruch eines Gletschers im Himalaya und eine nachfolgende Flutwelle haben zu einer Katastrophe im nordindischen Bundesstaat Uttarkhand geführt. Wissenschaftler*innen warnen schon lange vor den Folgen eines Gletschersterbens.
tagesschau.de: Gewaltige Flutwelle nach Gletscherabbruch

Das Lieferkettengesetz, auf das sich die Koalition im Bund geeinigt hat, betrifft zunächst nur 600 Großbetriebe mit mindestens 3.000 Mitarbeitenden. Ab 2024 sind auch Unternehmen mit 1.000 oder mehr Mitarbeitende gesetzlich verpflichtet, auf Menschenrechts- und Umweltstandards zu achten.
tagesschau.de: Wie wirkt das Lieferkettengesetz?

Das bessere Klagerecht für Bürgerrechtsorganisationen und Gewerkschaften sei der wirksamste Hebel im Gesetz, heißt es in der taz. Ausländische Arbeitnehmer*innen dürfen sich künftig vor deutschen Gerichten vertreten lassen. Jeder Prozess schaffe Öffentlichkeit und erhöhe damit den Druck auf die Wirtschaft, die Einhaltung der Menschenrechte bei ihren Lieferanten zu überwachen.
taz.de: Kosten vor Recht

Die Verletzung von Menschenrechten verteidigt hat der Landwirtschaftsökonom Michael Schmitz. Seine schlichte Argumentation: Höhere Standards in der Produktion würden die Entwicklung der betroffenen Länder hemmen, da sie zu Verlusten im Exportgeschäft führen würden. Schmitz sprach sich daher gegen das Lieferkettengesetz aus. Johannes Heeg, Sprecher der Initiative Lieferkettengesetz, sagt das Nötige dazu: „Menschenrechtsverstöße und Umweltzerstörung durch Unternehmen sind nie und in keiner Weise zu rechtfertigen.“
taz.de: Ist Menschenrechte verletzen okay?

Schön für Russland, fürs Fracking und für Gerhard Schröder, aber ganz schlecht fürs Klima: Angeblich ist im Streit um die Gas-Pipeline Nord Stream 2 ein Kompromiss in Sicht. Unter anderem soll Deutschland die Exportmöglichkeiten für Fracking-Gas aus den USA verbessern, um die Sanktionsdrohungen von dort zu stoppen. Umweltverbände (und wir) warnen dagegen: Nord Stream 2 ist überflüssig, Gas ist keine Brückentechnologie und die milliardenteure Pipeline fertig zu bauen, widerspricht komplett den Klimazielen, auf die sich auch die Bundesregierung verpflichtet hat.
freitag.de: Kompromiss: West Stream 1

Siehe dazu auch diese Meldung von Anfang vergangener Woche:

Hat Olaf Scholz den USA eine Milliarde Euro für Frackinggas-Terminals versprochen, um deren Attacken gegen die Gaspipeline Nord Stream 2 zu stoppen? Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat ein entsprechendes Schreiben von Scholz vorgelegt. „Die Bundesregierung opfert den Klimaschutz den fossilen Gasprojekten“, sagte ein Klimaexperte der DUH dazu.
duh.de: Deutsche Umwelthilfe enthüllt Regierungsdokument

Strom ausschließlich aus erneuerbaren Quellen – schon ab 2030 in Deutschland: Eine Gruppe von Forschern sagt, die 100-Prozent-Lösung sei möglich und dringend erforderlich.
sueddeutsche.de: Globale Energiewende im Schnelldurchlauf

Mit Atomkraft das Klima retten? Klappt leider nicht, wie eine Expertin in Österreich nachgewiesen hat. Von den CO2-Emissionen bis zum Uranabbau – die Rechnung geht hinten und vorne nicht auf.
heise.de: Studie: Atomkraft ist nicht nachhaltig und hilft nicht im Klimawandel

Windkraft unter Feuer: Gegner der Energiewende wie die „Bundesinitiative Vernunftkraft e.V.“ werden im Kampf gegen Windräder von der Industrie unterstützt – wie Greenpeace ermittelt hat, zum Beispiel mit Geld für juristische Feldzüge.
spiegel.de: So verhindert die Anti-Windkraft-Bewegung neue Anlagen

„Viel zu lasch“: Landwirtschaftsexperte Jost Maurin kritisiert den Beschluss des Bundeskabinetts zum Insektenschutz. Ein Grund: Auf 90 Prozent der Agrarfläche dürften weiterhin Pestizide eingesetzt werden.
taz.de: Absage an die Biene

Pestizide ohne Grenzen: Der übermäßige Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft belastet auch die Produktion von Öko-Lebensmitteln.
tagesschau.de: Wenn Pestizide im Bio-Fenchel landen

Den EU-Vorschriften zum Trotz: Recherchen von rbb, NDR und ARD-Mittagsmagazin haben ergeben, wie bei Tiertransporten in Nicht-EU-Länder weiterhin der Schutz der Tiere ausgehebelt wird.
tagesschau.de: Qual-Rindertransporte gehen weiter

Klimaschutz ist gut für die Gesundheit: Das Fachmagazin „The Lancet Planetary“ hat eine Studie veröffentlicht, in der berechnet wird, wie viele vorzeitige Todesfälle durch Maßnahmen wie Verbesserung der Luftqualität, Verkehrswende oder Fleischverzicht verhindert werden könnten – 8,2 Millionen bis zum Jahr 2040.
taz.de: Klimaschutz für die Gesundheit

Ausgerechnet Grüne und SPD haben sich in der Diskussion um ein Gesetz zum besseren Insektenschutz auf die Seite von Agrarministerin Klöckner geschlagen.
riffreporter.de: Insektenschutz: SPD und Grüne fallen Umweltministerin Schulze in den Rücken

28 Billionen Tonnen Eis sind auf der Erde in den Jahren zwischen 1994 und 2017 geschmolzen. Wissenschaftler der Uni Leeds haben eine globale Eisbilanz veröffentlicht, die weitere Fakten zur Eisschmelze enthält. Die taz ergänzt in ihrem Bericht weitere Studien. Diese legen nahe, dass die Alpengletscher bis 2050 die Hälfte ihres Volumens einbüßen werden. Der Kipppunkt, an dem sich die globale Eisschmelze noch beschleunigt, liegt Untersuchungen zufolge bei 1,6 Grad, eventuell sogar niedriger.
taz.de: Gigantische Schmelze

Kaltfront und Polarwirbel: Klimaforscher Stefan Rahmsdorf erklärt, was hinter dem ungewöhnlichen Wetter steckt, das uns die letzten Tage beschert wurde. Aus Sicht der Forschung hat es mit dem Klimawandel zu tun.
spiegel.de: Achtung, Wetterstörung!

Das Rad erfindet sich neu – als wichtigstes Verkehrsmittel: 2019 wurden in Deutschland mehr E-Bikes verkauft als Dieselautos. Die antriebsstarken Räder sorgen für einen enormen Boom rund ums Rad, wie eine Studie des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie belegt.
taz.de: Radbranche wird zur Jobmaschine

Die Linke hat sich den Klimaschutz auf die Fahnen geschrieben. Sie könnte damit bei der Bundestagswahl eine Bruchlandung hinlegen, vermutet Kommentatorin Elsa Koester. Grund: Die Grünen haben das Thema seit langem besetzt, die sozialen Aspekte will schon die SPD vertreten. Und die CDU ist seit neuestem auch Klimapartei.
freitag.de: Rot, aber im tiefsten Grün

Von Konstanz bis Kiel haben viele Städte den Klimanotstand ausgerufen. Was es in der Praxis gebracht hat? SWR-Reporterin Johanna Wahl hat recherchiert:
tagesschau.de: Was wurde aus dem Klimanotstand?

Auch über die Klimaliste BW wird intensiv berichtet. Aus urheberrechtlichen Gründen können wir die Belege der gedruckten Ausgaben hier nicht zeigen. Daher begnügen wir uns mit Online-Beispielen (teilweise hinter einer Paywall):

kontextwochenzeitung.de: Kaltfront über Klimaliste

seemoz.de: Klimaliste: War die Parteigründung ein Fehler?

schwarzwaelder-bote.de: Moritz Rothacher aus Albstadt hat die Zukunft im Blick

zeit.de: Grüner als grün

Hinter der Paywall: der SPIEGEL-Artikel mit der inzwischen korrigierten Überschrift
spiegel.de: Ökopartei greift Grünenhochburg an
(ursprünglich hieß es: „Wie eine Fridays-For-Future-Partei die Grünen-Hochburg angreift“)

Macht's gut – und nicht vergessen: „Die Frage, ob die deutsche Automobilindustrie diese Zeichen der Zeit erkannt hat, wird über ihre Zukunft entscheiden. Und damit über Hunderttausende von Arbeitsplätzen.“ (Angela Merkel, 2017)

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