Klima-Links der Woche: Der Wald stirbt schneller

von Uwe

(Bild von Mandy Fontana auf Pixabay)

Im Wochenrückblick geht es gleich mehrfach um den deutschen Wald, dem unter anderem die Klimakrise schwer zusetzt. Außerdem: der UN-Zwischenbericht zum Klimaabkommen, der schwache Golfstrom, Wasserstoff und Bitcoins. Schönes Wochenende!

Klima-Links der Woche: Der Wald stirbt schneller

Der aktuelle Waldzustandsbericht der Bundesregierung zeichnet ein düsteres Bild. Zur Besorgnis gibt unter anderem die überdurchschnittlich hohe Absterberate von Bäumen im Jahr 2020 Anlass – die höchste seit Beginn der Aufzeichnungen. Dazu kommt: Nur noch 21 Prozent aller Bäume in Deutschland haben keine kahlen Kronen. Ein dichtes Kronendach ist wichtig, da ansonsten durch stärkere Sonneneinstrahlung der Boden austrocknet, was wiederum die Bäume noch mehr schwächt und anfälliger für Schädlinge und Trockenheit macht. Davon gab es 2020 ohnehin schon jede Menge. Es ist schon drei Jahre in Folge zu trocken, dazu kommen Borkenkäferbefall, Stürme und Waldbrände. Betroffen sind laut Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner 79 Prozent der Fichten, jeweils 80 Prozent der Kiefern und Eichen sowie 89 Prozent der Buchen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fordert, nur noch ökologische Waldbewirtschaftung zu unterstützen. Außerdem müsse die Regierung endlich wirksame Klimaschutzmaßnahmen ergreifen und den Schadstoffausstoß massiv reduzieren.
taz.de: Wälder so krank wie noch nie.

Kommentar: Der Wald stirbt. Wetterextreme, Luftverschmutzung, Schädlinge und Dürre – wir brauchen einen Aktionsplan, um unseren Verbündeten in der Klimakrise zu retten.
tagesschau.de: Bäume im Dauerstress

Milliarden Bäume werden in den nächsten Jahren weltweit gepflanzt, um CO2 aus der Atmosphäre zurückzuholen. Forscher sind sich aber unsicher, ob das funktionieren wird. Der Grund ist so simpel wie traurig: Die Wälder sind selbst Opfer der Erderwärmung, so ist ihre Widerstandskraft gegen Schädlinge erheblich geschwächt.
sueddeutsche.de: Bäume, die überschätzten Klimaschützer

Kein Platz für den Wald: Zwei Prozent der Landesfläche sollen laut einem Beschluss der Bundesregierung für Wald- und Wildnisgebiete bereitgehalten werden. Aktuell liegt die Quote nach Recherchen des ZDF-Magazins „Frontal 21“ und des Redaktionsnetzwerks Deutschland nur bei 0,6 Prozent. Schlusslichter beim Erhalt der Wildnisgebiete sind Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen.
deutschlandfunk.de: Bundesländer verfehlen deutsches Waldschutzziel

Milliarden für Klimaschäden: Die EU-Kommission hat eine Strategie vorgestellt, mit der Folgeschäden des Klimawandels minimiert werden sollen. Kommissionsvize Frans Timmermans sagte bei der Präsentation:
tagesschau.de: Besser wappnen gegen den Klimawandel

Zuspitzung der Klimalage – wegen Untätigkeit: Die Vereinten Nationen haben die Pläne der 75 Länder analysiert, die bislang ihre Klimaziele für das Jahr 2030 vorgelegt haben. Im Pariser Klimaabkommen hatten sich 196 Länder auf diese Vorgabe geeinigt. Schlimm genug, dass sich bislang nur 75 Länder daran gehalten haben. Was diese jedoch vorgelegt haben, gibt noch größeren Anlass zur Sorge. Laut der UN würden selbst bei einer kompletten Umsetzung der angekündigten Maßnahmen die Emissionen in den Ländern bis 2030 nur um ein halbes Prozent gegenüber 2010 sinken. Das ist nicht viel mehr als ein schlechter Witz. Denn laut dem Weltklimarat IPCC müssten die Emissionen selbst bei optimistischer Berechnung um 45 Prozent sinken. Sonst gibt es keine Chance, bis 2050 die Erderhitzung auf 1,5 Grad zu begrenzen.
Das reicht einfach nicht

Die Geschichte des Golfstroms haben Klimawissenschaftler an der irischen Maynooth University analysiert – und dabei Erschreckendes festgestellt: Seit 1960 hat sich der Golfstrom um etwa 15 Prozent abgeschwächt. Mögliche Folgen sind ein Anstieg des Meeresspiegels an der Ostküste der USA, schwere Hitzewellen und Winterstürme in Europa sowie ein Fischsterben im Atlantik. Ob die Klimakrise zur Abkühlung des Golfstroms beiträgt, ist unter Wissenschaftler*innen umstritten. Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), Mitautor der Studie, sagt allerdings: „Es gibt keine wissenschaftlich plausible Erklärung für eine natürliche Abschwächung.“
Der Golfstrom ist so schwach wie seit 1600 Jahren nicht mehr

Klimaschutz ist ein globales Thema, daher muss auch die Außenpolitik vom Reden ins Handeln kommen – etwa durch strategische Partnerschaften mit anderen Ländern. Wie das gehen kann, skizziert taz-Klimaredakteurin Susanne Schwarz unter anderem am Beispiel Indien:
taz.de: Zu zweit im Klima-Club

Energiewende durch Wasserstoff? Dieser Hintergrundbericht zeigt Chancen und Herausforderungen auf, die mit dem Einsatz des „Champagners unter den Energieträgern“ einhergehen.
tagesschau.de: Hoffen auf das Wundergas

Lieferkettengesetz mit Schwachstelle: Das Gesetz sieht keine klaren Vorgaben für Exportprodukte vor. Das bedeutet: Deutsche Technologie, die etwa Überwachungszwecken dient, kann weiterhin zur Verletzung von Menschenrechten genutzt werden.
netzpolitik.org: Sorgfaltspflicht geht nicht über das Endprodukt hinaus

Digitale Stromfresser: Die Kryptowährung Bitcoin bringt es mit sich, dass immer mehr Strom verbraucht wird. Die benötigten Großrechner brauchen inzwischen mehr Energie als die gesamten Niederlande – 120 Terawattstunden pro Jahr (Deutschland: 524 Terawattstunden).
Stromfresser Bitcoin

Klima vor Gericht: Der Deutschlandfunk gibt einen Überblick zu laufenden Klagen rund um die Klimakrise.
deutschlandfunk.de: Wie mehr Klimaschutz vor Gericht erstritten werden soll

Wir hatten das Thema schon im Blog: Nicht jammern, sondern klagen!

Video I: Ob Windkraft oder Solarenergie – Baden-Württemberg hinkt im bundesweiten Vergleich weit hinterher.
zdf.de: Frontal 21 – Kaum Ökostrom im Ökoländle

Windkraft: Bei der Ökostrom-Produktion gelten seit diesem Jahr neue Regeln. Darum werden derzeit alte, noch funktionsfähige Windräder abgerissen. Volker Quaschning, Professor für regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, erläutert in diesem Beitrag die Hintergründe rund um EEG und Ökosubventionen.
tagesschau.de: Wenn das Windrad zerlegt wird

Video II: Wirtschaft statt Wildnis – Deutschland erfüllt beim Ausweisen von Wildgebieten die EU-Ziele nicht. Baden-Württemberg gehört zu den Schlusslichtern: Nur 0,2 statt 2 Prozent des Landes sind als natürlicher Lebensraum für Tiere und Pflanzen ausgewiesen.
zdf.de: Frontal 21 – Zu wenig Wildnis

Spannende Zahlen zum Fliegen: Eine Verlagerung aller innerdeutschen Flüge unter 600 Kilometern auf die Bahn würde 200.000 Flüge und 1,5 Millionen Tonnen CO2 sparen. Was die Politik tun sollte, um solche Ziele (Kerosin-Ersatz!) zu erreichen, beschreibt dieser Beitrag:
freitag.de: Abflug ins Grüne

Ausblick auf die Landtagswahl: Die Favoritenrolle der Grünen wird in diesem Beitrag ebenso beleuchtet wie unsere Rolle, allerdings gibt der Text nicht den aktuellen Stand wieder. Wir haben inzwischen ein Wahlprogramm und vier neue Vorstandskandidat*innen sind auch gewählt. Ach ja, im Text geht es auch um den Klimaschutz und um die übrigen Parteien.
freitag.de: King Kretschmann

Strom mit flüssiger Luft speichern: Phelas, ein Start-up aus München, geht das Speicherproblem bei erneuerbaren Energien mit einer neuen Technologie an. Das System verflüssigt Luft, die bei Strombedarf freigesetzt wird und die Turbine eines Stromgenerators antreibt. Details hier:
forschung-und-wissen.de: Start-up nutzt Luft als Stromspeicher

Auch über die Klimaliste BW wird intensiv berichtet. Aus urheberrechtlichen Gründen können wir die Belege der gedruckten Ausgaben hier nicht zeigen. Daher begnügen wir uns mit Online-Beispielen (teilweise hinter einer Paywall):

Eine Pressemitteilung von Fridays For Future (siehe Link) haben wir genutzt, um klarzustellen: Wir sind nicht die Fridays-For-Future-Partei. Die KlimalisteBW hat die Überparteilichkeit der Bewegung zu keiner Zeit in Frage gestellt.

stuttgarter-zeitung.de: Umweltaktivisten distanzieren sich von der Partei KlimalisteBW

SWR Aktuell: Klimaliste tritt zur Landtagswahl an (ab Minute 16)

schwaebische.de: Wahlkampf mit dem Gehzeug

Macht's gut – und nicht vergessen: „Der heutige Zwischenbericht des UN-Klimasekretariats ist Alarmstufe Rot für unseren Planeten.“ (UN-Generalsekretär António Guterres, siehe oben)

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