Klima-Links der Woche: Gebt Laschet und Scholz keine Chance!

von Uwe

(Der Dorsch in der Ostsee droht auszusterben – Foto: Patrick Gijsbers / Wikipedia CC BY-SA 4.0)

Im Wochenrückblick geht es um den geleakten IPCC-Report, verfehlte Klimaziele und den „August Rise Up“ in Berlin. Außerdem: Dorsch, Militär, Stuttgart 21 und eine Milliarde Euro für die Autoindustrie. Trotzdem: Schönes Wochenende!

Klima-Links der Woche: Gebt Laschet und Scholz keine Chance!

Themenfelder der Woche: Wissenschaft, Politik, Geld und Gerechtigkeit, Aktionen, Energie, Mobilität, Umwelt und Ernährung, Bauen und Wohnen.

Wissenschaft

Klima-Leak: Teil III des IPCC-Reports sollte eigentlich erst im März 2022 veröffentlicht werden. Doch jetzt ist eine Kurzfassung aufgetaucht, die erschreckende Ergebnisse enthält: Der Weltklimarat geht davon aus, dass das 1,5-Grad-Ziel aktuell bereits unerreichbar sein könnte. Um auf höchstens zwei Grad Erderhitzung zu kommen, müsste der Kohlendioxid-Ausstoß bereits 2025 seinen Höhepunkt erreichen. Weitere Infos gibt's in unserem Blogbeitrag:
Die erschreckenden Ergebnisse von Teil III des IPCC-Reports

Politik

Weder Armin Laschet noch Olaf Scholz wollen den aktuell für 2038 vorgesehenen Kohleausstieg vorziehen. Angesichts der hier folgenden Meldungen bleibt uns da ehrlich gesagt die Spucke weg. Weder CDU noch SPD sind angesichts solcher Aussagen wählbar, wenn Klimaschutz eine Chance haben soll.
taz.de: Gefährliche Unehrlichkeit

Nur 49 Prozent Rückgang: Deutschland wird das Ziel, den CO2-Ausstoß bis 2030 um 65 Prozent zu reduzieren, deutlich verfehlen. Das steht im aktuellen Projektionsbericht des Bundesumweltministeriums. Danach wird auch das Ziel für 2040 (88 Prozent) nicht erreicht, aktuell prognostiziert das Ministerium nur eine Minderung von 67 Prozent.
tagesschau.de: Klimaziele 2030 dürften verfehlt werden

Fataler Rekordkurs: Um 47 Millionen Tonnen werden die CO2-Emissionen in diesem Jahr voraussichtlich steigen. Das hat Agora Energiewende auf Basis einer Auswertung des ersten Halbjahres 2021 berechnet. 2020 hatte Deutschland wegen der Corona-Pandemie erstmals das selbst gesteckte Klimaziel erreicht.
taz.de: Klima-Erfolg nur wegen Corona

Klimafreundliche Subventionen sind noch Mangelware, wenn die Bundesregierung ihre Wohltaten verteilt. Besonders fatal: Zugleich gibt es immer noch sieben Milliarden Euro Unterstützung für den Diesel.
tagesschau.de: Rekord-Milliarden für Dämmung und E-Autos

Geld und Gerechtigkeit

HeidelbergCement liefert in diesem Beitrag das Beispiel dafür, dass es unmöglich ist, einen „Grünen Kapitalismus“ zu verwirklichen. „Die „Entkopplung“ von Wachstum, Naturverbrauch und Klimaschäden mittels neuer Technologien und Marktmechanismen“ ist eine Illusion. Das zeigt auch das „Horrorbeispiel Biosprit“ – und auch der grüne Wasserstoff gehört in die Kategorie Wunschdenken.
freitag.de: Solch grüner Schein

Aktionen

„August Rise Up“ in Berlin
Die Aktivisti von Extinction Rebellion (XR) und anderen Gruppierungen wie Fridays for Future, Sand im Getriebe oder Attac Berlin machen eine Woche lang mit Protestaktionen auf die Klimakrise aufmerksam. Sie sehen sich dabei einem enormen Polizeiaufgebot gegenüber. Auch viele Mitglieder der KlimalisteBW sind vor Ort.
Die Aktivisti protestierten unter anderem beim Wirtschaftsrat der CDU gegen die Kohlepolitik.

Wie wirksam ist ziviler Ungehorsam, wie er von XR praktiziert wird, in der Klimakrise? Dazu hat die taz ein Streitgespräch aufgezeichnet.

Bitte unterstützt diese Petition: Die Psychologists for Future machen gemeinsam mit der Climate Psychology Alliance und den XRPsychologists UK auf die psychologische Dimension der Klimakrise aufmerksam. Alle Infos hier:
change.org: Psychologists & Psychotherapists calling for immediate climate action

Finanzbranche im Fokus: Etwa 15.000 Teilnehmer*innen folgten
am vergangenen Wochenende laut Luisa Neubauer dem Aufruf von Fridays for Future und nahmen teil am Klimastreik in der Frankfurter Innenstadt.
hessenschau.de: Tausende demonstrieren in Frankfurt für klimagerechte Zukunft

Energie

Flaute bei Meeres-Windparks: Deutsche Unternehmen sind pleite, das Know-how fehlt, darum geht es mit dem Ausbau der Offshore-Windparks in Nord- und Ostsee nicht voran.
tagesschau.de: Ausbau von Meeres-Windparks steht still

Möglicher Fortschritt in der Akku-Technologie: Wissenschaftler*innen am Helmholtz-Institut Ulm (HIU) haben eine Lithium-Metall-Batterie entwickelt, die auch nach vielen Ladevorgängen kaum Ladekapazität verliert. Die Akkus haben eine doppelt so hohe Energiedichte wie Lithium-Ionen-Akkus, bislang waren sie aber kaum wiederaufladbar.
scinexx.de: „Rekordverdächtige“ Lithium-Metall-Batterie entwickelt

Energiewende in den Ölstaaten: Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und der Oman planen und bauen Produktionsstätten für grünen Wasserstoff. Ein Beispiel: Saudi-Arabien errichtet für 4,3 Milliarden Euro die größte Wasserstofffabrik der Welt, auch deutsche Firmen wie Thyssen-Krupp sind beteiligt.
tagesschau.de: Aus Ölscheichs werden Wasserstoffscheichs

Mobilität

Die USA sind die größte Militärmacht der Welt und verantwortlich für 37 Prozent aller Waffengeschäfte. Jacobin-Autor Ariel Gold rechnet detailliert vor, welch katastrophalen Einfluss die Vereinigten Staaten damit auch auf die Emissionsbelastung haben.
jacobinmag.com: We Can’t Fight the Climate Crisis Without Fighting the Military-Industrial Complex

Antriebswandel: Die Automobilzulieferer stellen sich darauf ein, dass sich Elektromobilität als Standard etablieren wird.
automobil-industrie.vogel.de: Autozulieferer und E-Mobilität: „Der Großteil verfolgt eine Harvest-Strategie“

Der sechste Autogipfel mit der Bundesregierung hat der Autoindustrie eine Milliarde Euro an Hilfsgeldern eingebracht. 420 Millionen davon sollen in die Digitalisierung fließen. Attac-Aktivist Hermann Mahler kritisiert gegenüber netzpolitik.org: „Verstopfte Strassen und Städte werden durch E-Autos nicht entlastet. Die Erwartungen an eine klimagerechte und sozialgerechte Mobilität können nur erfüllt werden, wenn der Sparkurs im öffentlichen Personenverkehr beendet wird.“
netzpolitik.org: Die Bundesregierung macht eine Milliarde Euro für die Autoindustrie locker

Gut: Deutz hat einen emissionsfreien Wasserstoff-Verbrennungsmotor entwickelt. Nicht so gut: Er kann frühestens 2024 in Serie gehen, und nach wie vor gibt es in Deutschland keine ausreichende Infrastruktur für grünen Wasserstoff.
trendsderzukunft.de: Emissionsfrei – Deutz präsentiert einen Wasserstoff-Verbrennungsmotor

Umwelt und Ernährung

Heißester Juli seit Beginn der Aufzeichnungen: Noch nie in 142 Jahren war die weltweite Durchschnittstemperatur so hoch wie 2021.
taz.de: Heißester Juli ever

Dazu gibt es nach wie vor in Südeuropa Waldbrände. Nahe dem französischen Badeort Saint-Tropez kamen dabei zwei Menschen ums Leben, Tausende mussten in Notunterkünfte gebracht werden (Stand: Mittwoch).
tagesschau.de: Mit 1200 Einsatzkräften gegen die Flammen

Lässt sich die Klimakrise durch neue Technologien eindämmen? Dieser Frage geht die US-Autorin Elizabeth Kolbert in einem neuen Buch nach. Vom Diamantstaub in der Atmosphäre bis zu riesigen Dämmen ist alles vertreten. Dabei ist Kolbert keineswegs technikgläubig, sondern geht schlicht davon aus, dass der Menschheit am Ende nichts anderes übrig bleiben wird, als auch mit Geo-Engineering ihr Überleben zu sichern.
freitag.de: Natur durch Technik

In der Grillsaison locken Discounter und Supermärkte verstärkt mit Sonderangeboten für Fleischprodukte. Was das fürs Klima bedeutet und warum der Fleischkonsum dringend reduziert werden muss, wird in diesem Beitrag erklärt.
taz.de: Essen ohne Sinn fürs Klima

Kipppunkt überschritten: Durch Klimakrise und Überfischung droht der Dorsch in der Ostsee auszusterben. Die Population werde sich voraussichtlich nicht mehr erholen, heißt es in einem Papier, das federführend vom Centrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit (CEN) in Hamburg erstellt wurde.
taz.de: Deutschlands Abschied vom Dorsch

Bauen und Wohnen

Die Gegner von Stuttgart 21 haben ein klimafreundliches Nutzungskonzept vorgelegt, mit dem sich über sechs Milliarden Euro Baukosten einsparen ließen. Dabei soll der oberirdische Kopfbahnhof reaktiviert werden. Im Tiefbahnhof sollen der Busbahnhof, eine Fahrradgarage, Parkplätze und ein Verteilzentrum für Güter Platz finden.
klimareporter.de: Unten bleiben. Aber anders

Baumaterial zu recyceln, spart Energie. Das Stuttgarter Startup Concular will mit wiederverwendeten Materialien wie Fensterscheiben oder Dämmwolle für schonenderes Bauen und ein Ende der aktuellen Materialknappheit sorgen.
tagesschau.de: Neu bauen mit gebrauchtem Material

Macht's gut – und hier noch die Meldung der Woche:
freitag.de: Männer tragen 16 Prozent mehr zum CO₂-Aufkommen bei als Frauen. Das haben schwedische Forscher*innen herausgefunden. Warum wir uns allerdings besser mit den fossilen Industrien als mit unseren eigenen Emissionen beschäftigen sollten, wird in diesem Beitrag schön verdeutlicht.


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